Duelle zwischen Erzrivalen: Die heissesten Fussball-Derbys der Welt
Aktualisiert

Duelle zwischen ErzrivalenDie heissesten Fussball-Derbys der Welt

Wenn die Glasgow Rangers heute auf den Stadtrivalen Celtic treffen, geht es um mehr als drei Punkte. Im Duell zweier Erzrivalen geht es um Emotionen, Leidenschaft, aber auch um Gewalt und Klassenkämpfe.

von
Philipp Reich

Die Glashow Rangers haben sich am vergangenen Wochenende zum 53. Mal den schottischen Meistertitel gesichert. Doch wenn der frischgebackene Meister heute zum 388. Mal auf den Stadtrivalen Celtic trifft, spielt das zumindest für diesen Abend keine Rolle mehr. Dann geht es nur noch um den Derbysieg.

Seit 1888 kämpfen die katholischen Iren von Celtic mit dem Kleeblatt auf dem Logo gegen die protestantischen Rangers: Kein anderes Derby der Welt ist so sehr von religiösen Gegensätzen geprägt wie das Glasgower Duell zwischen Celtic und den Rangers. Auch wenn Provokationen zur Tagesordnung gehören, läuft es rund um das «Old Firm» meister friedlich ab.

Gewalt und Ausschreitungen

Bei anderen bisanten Derbys ist die gewaltbereitschaft um ein Vielfaches höher. Wenn beispielsweise die beiden Belgrader Klubs Partizan und Roter Stern aufeinandertreffen, fliegen regelmässig die Fetzen. Im Herbst 2000 bewarfen sich die beiden Fanlager schon vor dem Anpfiff mit herausgerissen Schalensitzen und nach vier Minuten musste die Partie schliesslich abgebrochen werden, weil sich die Wut der Hooligans in einer riesigen Schlacht entlud. 37 Personen wurden verletzt und das Stadion glich nach den Ausschreitungen einer einzigen Ruine.

Die Fortsetzung des Klassenkampfes

Auch in Istanbul geht es während den zahlreichen Derbys jeweils hoch zu und her. Nirgends sind aber so viel Emotionen im Spiel wie beim Duell Fenerbahce gegen Galatasaray. Galatasaray, aus dem europäischen Stadtteil Mecidiyeköy, galt traditionell als bürgerlicher Club der Mittelklasse, während Fenerbahce aus dem asiatischen Quartier Kadiköy stammt und bis heute als Verein der Massen angesehen wird. Mittlerweile haben sowohl «Gala» als auch «Fener» Fans aus allen Schichten der türkischen Gesellschaft.

Heisse Schlussphase im Derby 2009

(Quelle: Youtube)

Auch in Österreich, der Schweiz und in Italien lebt der (ehemalige) Klassenkampf in den Fussballderbys weiter. Beim Wiener Derby gilt Rapid als Verein der Arbeiterklasse, Austria als Verein des Bürgertums. Daselbe gilt für Zürich, wo die Grasshoppers eher die Oberschicht und der FCZ eher die Unterschicht repräsentieren. In Mailand und Rom sind Inter und Lazio die Vereine der Wohlhabenden, während Milan und die Roma die Klubs der Arbeiterschaft sind.

«Superclásico»: Das Spiel der Spiele in Südamerika

Das brisanteste Stadtderbay ausserhalb Europas ist der «Superclásico» in Argentinien. Zwar stammen beide Clubs aus dem Stadtteil La Boca, einem Hafen- und Einwandererviertel im Südosten von Buenos Aires, doch auch hier spielt der Sozialstatus der Fans eine grosse Rolle. River gilt als Millionärsclub, während Boca in seinem engen, kleinen Stadion La Bombonera inmitten der Gassen La Bocas geblieben ist und als Team der einfachen Leute angesehen wird.

Stimmung vor dem Superclásico

(Quelle: Youtube)

Die Superclásicos versetzen jeweils ganz Argentinien in Ausnahmezustand. In Kneipen, Büros und Fernsehsendungen wird angeregt über das Derby diskutiert. Alles andere ist nur noch Nebensache, wenn die Blaugelben gegen die Rotweissen spielen. Dabei reicht das Interesse weit über die Landeshauptstadt hinaus. Angeblich teilen sich die beiden Klubs 70 Prozent aller argentinischen Fussballfans.

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