Giftige Tattoo-Farbe: «Die Hersteller sind die schwarzen Schafe»
Aktualisiert

Giftige Tattoo-Farbe«Die Hersteller sind die schwarzen Schafe»

Untersuchungen von Tätowier-Tinte geben zu denken: 22 von 26 Proben enthielten zum Teil krebserregende Stoffe. Luc Grossenbacher, Präsident der Berufstätowierer, fordert eine schwarze Liste.

von
A. Bättig

Herr Grossenbacher, hat Sie das Ergebnis der Untersuchung überrascht?

Luc Grossenbacher: Das hat mich überhaupt nicht überrascht. Man weiss schon lange, dass es unseriöse Hersteller gibt, das sind die schwarzen Schafe, nicht wir Tätowierer. Wir werden wieder mal die Sündenböcke. Dabei werden zum Teil Farben unter Vorspiegelung falscher Tatsachen oder sogar Fälschungen aus China angepriesen.

Dann sind also nicht die Tattoo-Studios das Problem, sondern die Hersteller?

Natürlich gibt es auch Studios, die einfach nur billige Farben kaufen wollen. Aber selbst seriöse Studios, die nach bestem Wissen und Gewissen Farben einkaufen, können nicht sicher sein, dass ihre Farben bedenkenlos sind.

Warum nicht?

Grundsätzlich ist es sehr schwierig und auch teuer, komplett gesundheitsunbedenkliche Farben herzustellen. Die Farbe Schwarz zum Beispiel lässt sich nun mal nur aus Russpartikeln herstellen. Ausserdem sind Farben teuer. Für 15 Milliliter zahlt man knapp 20 Franken. Da lohnt es sich für einige Hersteller einfach, zu betrügen.

Werden die denn nicht kontrolliert?

Nein. Und genau das ist das Problem. Wir fordern schon seit Jahren von Bund und Kantonen, die Farbenhersteller genau zu prüfen. Aber es interessiert einfach niemanden. Dann wird ein solches Testergebnis veröffentlicht, es gibt kurz einen Sturm der Entrüstung und nur wenig später kehrt man zum Alltag zurück, ohne dass sich was geändert hat. Es braucht jetzt einfach eine Gesetzesänderung.

Viele Leser auf 20 Minuten Online fordern, dass man die Namen der fehlbaren Tattoostudios veröffentlichen soll. Was sagen Sie dazu?

Davon halte ich nichts. Denn wie gesagt: Die können möglicherweise gar nichts dafür. Man müsste die Namen der fehlbaren Hersteller publizieren.

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Gibt es denn überhaupt keine Hersteller, bei denen man sich sicher fühlen kann?

Doch. Wir beziehen unsere Farben von einem Hersteller aus Deutschland. Der lässt seine Farben von einem Labor überprüfen. Wer sich bei einem Tattoo-Studio tätowieren lässt, das die Farben bei unserem Verband bezieht, ist zu 99 Prozent auf der sicheren Seite.

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Nun sind viele der Leser verunsichert. Was raten sie solchen, die ein Tattoo machen wollen oder sich schon tätowiert haben?

Zumindest soll man sich ein Studio aussuchen, bei dem ein Hygienequalitäts-Label angebracht ist. Da weiss man: Die arbeiten steril und sauber. Alle jene, die nun verunsichert sind, ob ihr Tattoo schädliche Farben enthalten, können nur eines tun: Den Tätowierer fragen, welche Farben er verwendet hat.

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Zur Person

Luc Grossenbacher ist Präsident des Verbands Schweizerischer Berufstätowierer. Er selber tätowiert seit 30 Jahren und führt ein eigenes Tattoo-Studio in Grenchen.

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