Mobbing-Fall: Die Hintergründe des «Du wirst sterben»-Videos
Aktualisiert

Mobbing-FallDie Hintergründe des «Du wirst sterben»-Videos

Ein besonders krasses Mobbing-Video einer Zürcherin verbreitet sich über Instagram – das Netz tobt und macht die psychisch angeschlagene Täterin selber zum Opfer. Eine Chronologie.

von
Jennifer Furer

Eine Jugendliche aus Dietikon ZH blickt in die Kamera und sagt: «Also, du kleine Nutte. Wir finden dich schon. Du wirst genauso sterben wie Sabrina.»

Ein Video mit schockierendem Inhalt wirft derzeit bei Jugendlichen hohe Wellen. Darin blickt eine junge Frau aus Dietikon ZH, Adriana*, in die Kamera und sagt: «Also, du kleine Nutte. Wir finden dich schon. Du wirst genauso sterben wie Sabrina*.» Die Worte sind an eine Bekannte der jungen Frau, die auf dem Video zu sehen ist, gerichtet. Das berichtete die «Schweiz am Wochenende».

Mit Sabrina ist ein 13-jähriges Mädchen aus Spreitenbach AG gemeint, das sich Ende August das Leben genommen hat. Ein Bekannter von Sabrina sagt zu 20 Minuten: «Sie war ein sehr fröhliches und nettes Mädchen. Wir haben uns alle gefragt, wie es so weit kommen musste, dass sie sich das Leben nahm.» Erst nach ihrem Tod habe er erfahren, dass sie gemobbt worden sei.

Alles soll mit Eifersucht begonnen haben

Der Fall ist verworren. Jugendliche aus dem Umfeld der beiden Mädchen erzählen, alles habe mit Eifersucht begonnen: «Sabrina war in einen Buben verliebt. Das passte Adriana nicht.» Sie habe angefangen, Sabrina zu mobben und zu bedrohen. Das Mobbing soll sich über längere Zeit hingezogen haben. Inwiefern das mit dem Suizid von Sabrina zusammenhängt, bleibt im Dunkeln.

Adriana begab sich nach dem Todesfall in eine Klinik. Das bestätigt ihr Familienumfeld. «Sie hatte Schuldgefühle», sagt eine Bekannte. Trotzdem nahm Adriana während ihrer Behandlung ein Mobbing-Video auf. Es ist der Clip, der jetzt für Furore sorgt. Er landete auf Instagram, verbreitete sich schnell in der Deutschschweiz. Wen Adriana darin bedroht, ist nicht bekannt.

Kommentarschreiber werden zu Mobbern

Das Video löst im Netz einen Shit-Tsunami aus. Der Teenager aus dem Limmattal wird von ihr völlig unbekannten Menschen aufs Heftigste attackiert. Mann solle sie «verprügeln» oder «verhungern lassen». Adriana wird sogar dazu aufgefordert, sich ebenfalls das Leben zu nehmen. Damit wird die psychisch angeschlagene Täterin zum Opfer. Und die Empörung der Kommentarschreiber resultiert erneut in Mobbing.

Bis heute ist Adriana in Behandlung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Drohung. Sie will zum Fall aus Datenschutzgründen nichts sagen.

*Namen geändert und der Redaktion bekannt

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch); Online-Beratung für Jugendliche mit Suizidgedanken: U25-schweiz.ch

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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