Hardturm-Stadion: «Die Hochhäuser passen nicht ins Quartier»

Aktualisiert

Hardturm-Stadion«Die Hochhäuser passen nicht ins Quartier»

Neben der bekannten Zürcher Bernoulli-Siedlung sollen ein Stadion und zwei Wohntürme entstehen. Viele Bewohner befürchten mehr Schatten und randalierende Fans.

von
M. Sommerhalder
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Beate S., Bewohnerin der Bernoulli-Siedlung, mit ihrer Tochter Stella. Sie will keine 137 Meter hohen Türme nebenan.

Beate S., Bewohnerin der Bernoulli-Siedlung, mit ihrer Tochter Stella. Sie will keine 137 Meter hohen Türme nebenan.

som
Auch andere Bewohner können sich mit den Plänen der Stadt nicht so recht anfreunden.

Auch andere Bewohner können sich mit den Plänen der Stadt nicht so recht anfreunden.

som
Diese will neben der Reihenhaussiedlung ein neues Stadion inklusive zwei 137 Meter hohe Türme bauen.

Diese will neben der Reihenhaussiedlung ein neues Stadion inklusive zwei 137 Meter hohe Türme bauen.

som

Man fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt in der Bernoulli-Siedlung im Kreis 5. Zwischen der Limmat und Hardturmstrasse stehen die schmalen Reihenhäuschen aus den 1920ern, die im Inventar schützenswerter Bauten eingetragen sind. Blumen und Welcome-Schilder schmücken die bunten Eingänge, eine Katze streift in einem der Innenhöfe zwischen den Velos umher.

Bis auf den Autolärm ist es hier idyllisch, doch die Pläne auf der Hardturm-Brache nebenan schlagen vielen Anwohnern derzeit aufs Gemüt. Dort soll ein Stadion inklusive zwei 137 Meter hohe Wohn- und Geschäftstürme gebaut werden. «Das ist schon unverhältnismässig hoch», findet etwa Beate S.*: «Die Hochhäuser passen nicht ins Quartier mit seinen vielen Einfamilienhäusern. Das ist wie David gegen Goliath.»

Sie sitzt mit Tochter Stella (6) in ihrem Garten und fragt sich, wie viele Sonnenstunden sie hier in Zukunft noch hat. «Die Türme werden Schatten bis zu uns werfen. Das ist schon eine Einschränkung der Lebensqualität.»

Anwohner befürchten Wertverminderung der Häuser

Schattenwurf befürchten die Bernoulli-Bewohner, die die Häuschen meistens besitzen, nicht zum ersten Mal. Bereits vor rund zehn Jahren wehrten sie sich deswegen gegen ein Stadionprojekt. Ein Ehepaar, das ein paar Höfe weiter wohnt, glaubt, dass es auch dieses Mal Widerstand geben wird: «Wir sind sicher nicht die einzigen, die Höngger etwa sind genauso betroffen.» Die beiden, die anonym bleiben möchten, wollen wegziehen, sobald die Türme kommen – obwohl sie befürchten, dass sie für ihr Haus wegen des Schattenwurfs bei einem Verkauf weniger Geld bekommen: «Doch so eine Riesenwand vor der Nase wollen wir nicht.»

Auch die Aussicht auf ein Stadion löst bei ihnen keine Glücksgefühle aus. Zu schlecht sind ihre Erinnerungen an das alte. «Aggressive Fans pinkelten damals einfach in unseren Garten und liessen dort ihre Bierflaschen und Würste liegen.» Von Fans seien einzelne Bernoulli-Bewohner auch bedroht worden, als sie sich gegen das neue Stadion-Projekt gewehrt hätten: «Die Polizei musste eine Zeit lang sogar vor der Siedlung patrouillieren.»

Nicht alle Anwohner sind gegen die Türme

«Überhaupt – ich verstehe nicht, warum man ständig neue Stadion-Projekte aufgleist», sagt eine Nachbarin des Ehepaars: «Schliesslich sind sie in der Vergangenheit stets gescheitert. Warum akzeptiert die Stadt das nicht?» Lieber wäre ihr auf der Brache eine Siedlung mit Genossenschaftswohnungen oder eine grosse Grünfläch. «Die Gärten auf der Brache sind derzeit so schön.»

Doch nicht alle Bernoulli-Bewohner haben etwas gegen das Stadion mit seinen Türmen. «Das mit dem Schatten wird wohl nicht so schlimm sein», sagt eine Frau, die gerade ihre Haustür aufschliesst. Keine Angst vor Schatten hat auch ein jüngerer Mann, der als einer von wenigen hier zur Miete wohnt: «Mir gefallen Hochhäuser. Es darf ruhig noch mehr geben.» Seine Partnerin kann zwar die Hauseigentümer verstehen, die es nicht toll finden, wenn sie drei Stunden weniger Sonne pro Tag haben: «Doch eine Stadt soll sich auch entwickeln, sonst muss man in den Aargau ziehen.»

*Name bekannt

Blick auf die Stadion-Brache

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