Aktualisiert 05.09.2017 09:42

Bürglen TG«Die Hochwasser-Welle ist nichts für Anfänger»

Das Hochwasser an der Thur nutzten am Wochenende Extremsportler für River Surfing. Die Sportart wird in der Schweiz immer beliebter.

von
jeb

Riversurfer auf der Thur bei Bürglen am Samstag 2. September. Video: Leser-Reporterin

«Ich überquerte am Samstag bei Bürglen eine Brücke über die Thur. Da sah ich, dass drei oder vier Personen im Fluss surften», sagt Leser-Reporterin Delia Sutter. «Es hatte viele Zuschauer auf der Brücke. Einige meinten, das sei ja lebensgefährlich, doch die Surfer hatten ihre Bretter im Griff und befanden sich lange auf den Wellen», so die 26-Jährige weiter. «Das waren wohl Profis.» Es habe richtig Spass gemacht, den Surfern zuzuschauen.

«Funktioniert nur bei Hochwasser»

Dass Flusssurfen in der Thur Spass macht, kann Roland Hauser bestätigen. Er kennt den Spot und die Szene der Riversurfer. In seinem Surfshop Visitorstore in Zürich werden Boards für Schweizer Flüsse entwickelt.

Video: Youtube

«Die Welle bei Bürglen funktioniert zum Surfen nur bei Hochwasser», sagt Hauser. Die Stelle sei in der Szene beliebt, da bei Starkregen eine grosse Welle entsteht. Doch er warnt: «Anfänger sollten nicht auf die Welle springen.» Auch wer gut surfen kann, sollte sich vorab über die Welle und ihre Eigenheiten informieren. «Ausserdem sollte man nie allein surfen», empfiehlt der 37-Jährige.

Überschwemmungen und Erdrutsche

Nach 48 Stunden ununterbrochenem Regen gab es in der Ostschweiz an zahlreichen Orten Hochwasser. Video: Tamedia/J. Büchel/Leserreporter

Wenn man sich gut vorbereite, sei das Flusssurfen auch bei Hochwasser nicht speziell gefährlich. «Es gibt natürlich ein Restrisiko, etwa Strudel oder Treibholz im Fluss», räumt er aber ein. Einmal auf der Welle, gelte es, lange stehen zu bleiben und Manöver zu machen.

Hochwasser im Kanton St. Gallen

In der Nacht ist es zu starken Regenfällen gekommen. Lese-Reporter

Verboten ist das Riversurfen nicht. Auch die Kantonspolizei Thurgau rät aber zur Vorsicht: «Surfen auf der Thur bei Hochwasser ist ein gefährliches Vergnügen. Die starke Strömung und das Schwemmholz im trüben Wasser können böse Folgen haben. Die Personen begeben sich bei Hochwasser auf eigenes Risiko auf die Thur», sagt Kapo-Sprecher Mario Christen. Bislang sei es zu keinen Rettungseinsätzen gekommen.

Beliebtes Urban Surfing

Riversurfen ist in der Schweiz im Trend. «Riversurfing ist Teil des Urban Surfing, das in der Schweiz immer beliebter wird», sagt Pascal Brotzer. «Schweizer Sportler surfen europaweit vorne mit», sagt der 28-jährige St. Galler. «Das sah man letztes Wochenende an der Swiss Championships in Stationary Wave Riding im Gerold-Areal in Zürich.»

Dafür, dass es bald mehr Surfmöglichkeiten gibt, sorgt der Verein Waveup, den Brotzer präsidiert. In Regensdorf soll ein künstlicher See entstehen, in dem bis zu 50 Personen gleichzeitig surfen können. Über Crowdfunding wurden diesen Sommer über 100'000 Franken gesammelt. Ziel sei, dass es auf dem 300 mal 80 Meter grossen See 2020 losgehen kann.

Riversurfing in der Thur bei Bürglen TG

Das Hochwasser in der Thur bei Bürglen TG nutzten am Wochenende (2.9.2017) Extremsportler für River Surfing.

Das Hochwasser an der Thur nutzten am Wochenende Extremsportler für River Surfing. Video: Leser-Reporterin

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