Samenspende : Die Homo-Ehe ist einen grossen Schritt weiter

Aktualisiert

Samenspende Die Homo-Ehe ist einen grossen Schritt weiter

Im Zuge der «Ehe für alle» fordern Linke und LGBTI-Organisationen den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin für homosexuelle Paare. Das sei unnatürlich, warnen Rechte.

von
J. Käser
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Die «Ehe für alle» soll die Ehe für Homosexuelle öffnen. Die entsprechende parlamentarische Initiative wurde bereits im Dezember 2013 von der grünliberalen Fraktion eingereicht. Seither steckt sie im Parlament fest.(Symbolbild)

Die «Ehe für alle» soll die Ehe für Homosexuelle öffnen. Die entsprechende parlamentarische Initiative wurde bereits im Dezember 2013 von der grünliberalen Fraktion eingereicht. Seither steckt sie im Parlament fest.(Symbolbild)

Felix KÄstle
Der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin soll homosexuellen Paaren vorerst verwehrt bleiben. So sieht es der Vorentwurf der parlamentarischen Initiative vor. Im Juli 2018 hatte die Rechtskommission des Nationalrats entschieden, dass eine schrittweise Umsetzung der «Ehe für alle» eher eine Mehrheit im Parlament finden würde.

Der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin soll homosexuellen Paaren vorerst verwehrt bleiben. So sieht es der Vorentwurf der parlamentarischen Initiative vor. Im Juli 2018 hatte die Rechtskommission des Nationalrats entschieden, dass eine schrittweise Umsetzung der «Ehe für alle» eher eine Mehrheit im Parlament finden würde.

Keystone/Anthony Anex
LGBTI-Organisationen und linke Politiker sind damit nicht einverstanden und fordern die vollständige Öffnung der Ehe in einem einzigen Schritt. Diese würde den Zugang zur künstlichen Befruchtung gewähren und auch die Hinterlassenenrente regeln.

LGBTI-Organisationen und linke Politiker sind damit nicht einverstanden und fordern die vollständige Öffnung der Ehe in einem einzigen Schritt. Diese würde den Zugang zur künstlichen Befruchtung gewähren und auch die Hinterlassenenrente regeln.

Keystone/Anthony Anex

Die Rechtskommission des Nationalrats hat heute über den Gesetzesentwurf zur parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» entschieden. Zankapfel war unter anderem der Zugang zur Samenspende für lesbische Paare. Dieser ist nicht Teil des Vorentwurfs der Initiative, wird aber von verschiedenen Seiten vehement gefordert. In einem offenen Brief riefen die nationalen LGBTI-Organisationen die Parlamentarier dazu auf, im Zuge der «Ehe für alle» homosexuellen Paaren den Zugang zur künstlichen Befruchtung zu ermöglichen. Nur so würde diesen eine «geregelte Form der Familiengründung» ermöglicht.

Nun hat die Rechtskommission entschieden: Der Vorentwurf wurde mit 19 zu 4 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Zudem soll auch eine Variante mit Zugang zur Samenspende für lesbische Paare in die Vernehmlassung gehen.

«Das ist gegen die Natur»

SVP-Nationalrätin und Rechtskommissions-Mitglied Andrea Geissbühler stellt sich dagegen. «Gegen eine Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren habe ich nichts einzuwenden. Sobald aber Dritte involviert sind, hört es für mich auf. Ein Kind hat ein natürliches Recht auf einen Vater und eine Mutter.» Ein Kind könne schliesslich nicht gefragt werden, ob es tatsächlich gleichgeschlechtliche Eltern haben möchte.

Geissbühler ist deshalb nicht nur gegen die Samenspende, auch ein Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren lehnt sie ab. «Die Frage ist doch, wie viele homosexuelle Paare sich tatsächlich ein Kind wünschen. Ich gehe davon aus, dass der Anteil der Paare mit Kinderwunsch viel kleiner ist als der Raum, den die Thematik bekommt», sagt Geissbühler. Die Verfassung sehe vor, dass die Samenspende nur für Paare in Frage komme, die von Unfruchtbarkeit betroffen seien. Dieses Kriterium würden homosexuelle Partnerschaften in der Regel nicht erfüllen.

«Light-Version reicht noch nicht aus»

Sibel Arslan, Nationalrätin der Grünen und Mitglied der Rechtskommission des Nationalrats, ist anderer Meinung. Sie sagt: «Nichts spricht dagegen, dass homosexuelle Paare denselben Zugang zur künstlichen Befruchtung erhalten sollen wie heterosexuelle Paare.» Im europäischen Vergleich hinke die Schweiz diesbezüglich hinterher. Arslan kritisiert, dass der Vorentwurf der parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin ausschliesse. Um konsequent gegen die Diskriminierung vorzugehen, müsse auch der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin im Entwurf garantiert werden.

«Wenn die ‹Ehe für alle› eingeführt wird, dann richtig: Gleichgeschlechtliche Paare sollen dieselben Rechte und Pflichten haben wie heterosexuelle Paare – auch, was den Kinderwunsch und die Kinderbetreuung anbelangt.» Die sogenannte Light-Version, wie sie der jetzige Vorentwurf darstelle, reiche noch nicht aus, sagt Arslan. Früher oder später würde die Frage der künstlichen Befruchtung ohnehin politisch abgehandelt werden. Die Nationalrätin ist sich sicher, dass die «Ehe für alle» inklusive Zugang zur künstlichen Befruchtung für gleichgeschlechtliche Paare auch beim Volk gute Chance hätte.

Falls Sie mehr über die «Ehe für alle» wissen wollen, finden Sie hier weitere Informationen.

Gutachten

Ein Rechtsgutachten der Universität Lausanne hat die Frage des Zugangs gleichgeschlechtlicher Paare zu fortpflanzungsmedizinischen Verfahren in der Schweiz genauer überprüft. Es kommt zum Schluss, dass es keiner Verfassungsänderung bedürfe, um gleichgeschlechtlichen Paaren Zugang zur künstlichen Fortpflanzungsmedizin zu gewähren. Die Anpassungen könnten auf Gesetzesebene vollzogen werden. Laut Verfassung setzt die Zulassung zur künstlichen Befruchtung allgemein Unfruchtbarkeit voraus. Wie Unfruchtbarkeit ausgelegt werde, basiere jedoch nicht auf gesetzlichen Grundlagen sondern auf dem traditionellen Familienbild.

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