Aktualisiert 20.10.2015 11:32

MietwucherDie Horror-Wohnungen des Peter S. von Küsnacht

Vier Personen wurden in Zürich verhaftet, 120 Mieter in teils desolaten Wohnungen befragt. Der Liegenschaftsbesitzer ist kein Unbekannter.

von
gbr/rom

Manche seiner Mieter wohnen in 1-Zimmer-Wohnungen von ca. 12 Quadratmeter im Zürcher Kreis vier – oft ohne Küche, WC und Dusche – und bezahlen dafür oft über 1100 Franken Miete pro Monat. Der Vermieter wohnt in bester Lage in Küsnacht. Es ist Peter S.* (49), Immobilien-Investor. 20 Minuten weiss: S. ist der Eigentümer und Vermieter, der von der Polizei festgenommen wurde. Der Vorwurf: Wucher.

Der «Beobachter» machte die Vorwürfe gegen den Rennpferdebesitzer von der Goldküste letztes Jahr publik. S. habe in den vergangenen Jahren mehrere Liegenschaften im Quartier gekauft – darunter «drei der besonders problematischen Häuser», wie die Sozialen Dienste und die Stadtpolizei gegenüber der Zeitschrift bestätigten. Drogenhandel, unhaltbare hygienische Zustände, undichte Fenster, vollkommen überrissene Preise – und viele Sozialhilfebezüger. Von ihnen, so die Vorwürfe, profitiere jemand wie S. ganz besonders. Auf Kosten der Menschen, auf Kosten der Steuerzahler.

S. gab sich als Opfer

Ein Mieter einer Liegenschaft von S. sagte im «Beobachter»: «Mit meinen Betreibungen kann ich es schlicht vergessen, eine andere Wohnung zu finden» – das sei auch der Grund, warum sich kaum jemand über die Zustände beschwere. Und falls man es doch tue? «Weder der Vermieter noch der wenig engagierte und überforderte Hauswart kümmert sich ernsthaft um eine Verbesserung. Hier wird abkassiert», so der Mieter.

Peter S. sagte dem «Beobachter», er profitiere gar nicht von der Situation: «Ich bin vielmehr ein Opfer, weil ich ja all die Kosten für Beschädigungen tragen muss.» Im «Tages-Anzeiger» wehrte sich S. gegen den von verschiedener Seite vorgebrachten Vorwurf, er lasse die Häuser verlottern: «Sobald ein Mieter einen Schaden reklamiert, handle ich umgehend.»

«Daran habe ich null Interesse»

Die beiden Wohnblöcke an der Neufrankengasse lässt S. nicht zuletzt deshalb verlottern, weil diese mehrere Meter in die Baulinie hineinragen. Das heisst, sie würden einer allfälligen Verbreiterung der Strasse im Weg stehen. Deshalb hat er schon vor acht Jahre in einem Zeitungsbericht verlauten lassen, nichts mehr zu investieren: «Daran habe ich null Interesse.» Nur: Die Stadt hat die Pläne für eine neue Allee mitsamt Tramlinie längst auf die lange Bank geschoben.

Auch gab er im Frühling 2014 an, keine neuen Sozialhilfebezüger mehr aufzunehmen: «Sie sind keine attraktiven Mieter.» Die von ihm verlangten Mieten nannte er vergleichsweise günstig: «Bei Neuvermietungen verlange ich in den Häusern zwar vergleichsweise tiefe Mieten, aber sie sind höher als die 1100 Franken, die das Sozialamt für einen Einpersonenhaushalt höchstens zahlt.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.