Anklage gegen Strauss-Kahn: Die Horrorminuten in Suite 2068
Aktualisiert

Anklage gegen Strauss-KahnDie Horrorminuten in Suite 2068

Die Hotelangestellte, die Dominique Strauss-Kahn sexuell belästigt haben soll, steht unter Schock. In der Anklageschrift werden happige Vorwürfe gegen den IWF-Chef erhoben.

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Bislang weiss man wenig über die Frau, die seit Samstag im Mittelpunkt eines der spektakulärsten Sexskandale der letzten Jahren steht. Das 32-jährige Zimmermädchen, das IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn angeblich sexuell attackiert hat, arbeite seit drei Jahren für das luxuriöse Hotel Sofitel in der Nähe des New Yorker Times Square, berichtete der französische Rundfunksender France Info.

Der ehemalige Adidas-Eigentümer Bernard Tapie hatte am Tag nach Strauss-Kahns Verhaftung noch über eine mögliche Verschwörung spekuliert: Was wäre, wenn sich herausstellte, dass die Hotelangestellte erst seit zwei Tagen ihrem Beruf nachgehe? Das Hotelmanagement erklärte nun, stets zufrieden mit der Angestellten gewesen zu sein bezüglich der Qualität ihrer Arbeit und ihres Betragens. Eine interne Untersuchung, wie gemutmasst wurde, sei nicht eingeleitet worden.

Ein Albtraum – in jeder Hinsicht

Für die Sofitel-Angestellte begann am Samstag ein wahrer Albtraum: Die US-Medien wollen nun jedes Detail über sie erfahren. So will die «New York Post» herausgefunden haben, dass sie aus Senegal stammt und eine 15-jährige Tochter alleine grosszieht. Die 32-Jährige soll vor einigen Jahren nach New York gekommen sein, auf der Suche nach einem besseren Leben. Angeblich lebt sie in einer armen Gegend in der Bronx.

«Sie ist ein guter Mensch, immer freundlich und nett. Zudem ist sie eine hart arbeitende Frau», erzählen ihre Arbeitskollegen der Boulevard-Zeitung. Nun befinde sie sich unter Schock. Nach dem Vorfall im Hotelzimmer wurde die Frau für forensische Untersuchungen in ein Spital gebracht. Laut Staatsanwalt John McConnell habe man dabei «Beweise für die Attacke» gefunden. «Sie rannte zudem nach dem Angriff auf mehrere Augenzeugen zu und schrie um Hilfe», erklärte McConnell der Nachrichtenagentur AFP.

Das Protokoll der Attacke

Laut Anklageschrift soll die Angestellte dreimal an die Tür von Zimmer 2068 geklopft haben, bevor sie eintrat. Dabei meldete sie sich als «Housekeeper» an. «Strauss-Kahn schloss die Tür hinter ihr zu, damit sie nicht flüchten konnte. Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen und griff der Frau in den Intimbereich», so das Dokument.

«Sein Penis hatte zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers durch Anwendung von Gewalt», heisst es weiter. In der Anklageschrift werden ausserdem «anale sexuelle Handlungen» erwähnt, die es «unter Zwang» gegeben haben soll. Dabei habe der Angeklagte das Opfer «gedemütigt» und seine «eigenen Triebe befriedigen» wollen.

Die New Yorker Ermittler präsentierten insgesamt sechs Anklagepunkte gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), darunter versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung sowie ein «krimineller sexueller Akt», was im US-Strafrecht erzwungenen Oral- oder Analverkehr bezeichnet. Auf die angeführten Taten steht eine maximale Strafe von 74 Jahren Gefängnis.

Andere Fälle im Sofitel

Der konservative französische Abgeordnete Michel Debré hatte zuvor erklärt, es sei nicht das erste Mal, dass DSK im Sofitel dieser Art von Aktivitäten nachgegangen sei. «Dort ist er immer abgestiegen», zitierte ihn die französische Wochenzeitung «L'Express» auf ihrer Webseite. Jeder im Hotel habe Bescheid gewusst, schliesslich sei das etliche Male und über Jahre hinweg passiert.

Sofitel wies die Anschuldigungen in einer Stellungnahme als «grundlos und verleumderisch» zurück. Das Management habe «keine Kenntnis über frühere versuchte Aggressionen» gehabt. Vor mehr als einem Jahr sei eine Telefon-Hotline für Mitarbeiter eingerichtet worden, um Vorfälle zu melden.

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