Schweizer Tourismus: Die Hotellerie ist vorerst über dem Berg
Aktualisiert

Schweizer TourismusDie Hotellerie ist vorerst über dem Berg

Trotz Schneemangel und Frankenstärke sind die Schweizer Hotels mit einem blauen Auge davon gekommen. Den Gästen aus Asien und den Einheimischen sei Dank.

von
Balz Bruppacher
Die Schweizer Tourismusbranche hat sich trotz Schneemangel und starkem Franken gut gehalten. Die Zahl der Hotelübernachtungen ging um lediglich 0,7 Prozent zurück.

Die Schweizer Tourismusbranche hat sich trotz Schneemangel und starkem Franken gut gehalten. Die Zahl der Hotelübernachtungen ging um lediglich 0,7 Prozent zurück.

Mit einem Rückgang der Hotelübernachtungen um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr hat sich die Schweizer Hotellerie in der abgelaufenen Wintersaison (November bis April) überraschend gut gehalten. Stabilisierend wirkte sich das Verhalten der Schweizer Gäste aus, wie den Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) zu entnehmen ist. Die Zahl der einheimischen Logiernächte erhöhte sich um 1,2 Prozent auf 7,1 Millionen.

Schweizerinnen und Schweizer haben dem Ferienland Schweiz also nicht in Scharen den Rücken gekehrt. Solche Befürchtungen gab es, weil die Aufwertung des Frankens Skiferien in den Nachbarländern und Badeferien im Süden günstiger machte. Der teure Franken hat aber Spuren bei den ausländischen Hotelübernachtungen hinterlassen. Sie sanken im Vorjahresvergleich um 2,2 Prozent auf 8,8 Millionen.

Weniger Deutsche und Briten

Vor allem aus dem Euroraum und aus Grossbritannien kamen deutlich weniger Besucher als im Vorjahr. Deutschland als mit Abstand wichtigster Einzelmarkt für den Schweizer Tourismus verzeichnete ein Minus von 7,1 Prozent. Die britischen Übernachtungen gingen um 6,8 Prozent zurück. Im Falle Belgiens machte die Einbusse sogar 13,1 Prozent aus. Trotz schwachem Dollar nahm die Zahl der US-amerikanischen Gäste hingegen um 6,0 Prozent zu. In der Branche wird dies unter anderem auf das längerfristige Buchungsverhalten zurückgeführt. Zudem ist die teure Schweiz für die Amerikaner oft nur eine Etappe auf einer grösseren Europareise.

Entscheidend für das nur leicht rückläufige Gesamtresultat war aber auch der wachsende Zustrom der Touristen aus Asien. Die Zahl der chinesischen Gäste schnellte um 27,8 Prozent in die Höhe. Indien verzeichnete eine Zunahme um 22,3 Prozent. Und aus den Golfstaaten wurden 15 Prozent mehr Übernachtungen gezählt als ein Jahr zuvor. Deutlich mehr Touristen kamen auch aus den aufstrebenden Ländern Brasilien (+ 16%) und Russland (+ 11%) in die Schweiz.

Vier W als entscheidende Faktoren

«Ganz leicht besser als erwartet» lautet das Fazit des Dachverbands der Schweizer Hotellerie (hotelleriesuisse) zur Wintersaison. Sprecherin Susanne Daxelhoffer verwies auf das differenzierte Bild mit den Boommärkten China, Indien und Golfstaaten einerseits sowie den klaren Einbussen bei Gästen aus dem Euroraum und aus Grossbritannien anderseits. Erfreulich sei die stabile Entwicklung bei den Gästen aus der Schweiz. Wetter, Wirtschaft, Währung und Werbung: Dies sind laut der Sprecherin die Faktoren, die den Geschäftsgang in der Hotellerie beeinflussen. Im Falle des Einbruchs der Gäste aus dem Euroraum und aus Grossbritannien sei die Aufwertung des Frankens sicher die primäre Ursache, sagte Daxelhoffer.

Saisonschluss weggeschmolzen

Die Zahlen des Monats April machen zudem die Folgen des Faktors Wetter deutlich. Der Abschluss der Wintersaison mit dem späten Ostertermin fiel mancherorts dem trockenen und ausserordentlich warmen Frühling zum Opfer. Für Graubünden bedeutete das ein Einbruch der Hotelübernachtungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23 Prozent. Die Bergregionen blieben auch in der ganzen Wintersaison zwischen vier und sechs Prozent im Minus.

Bergbahnen leicht unter Fünfjahresmittel

Die Schweizer Seilbahnbranche hat sich in der Wintersaison trotz schwierigen Schnee- und Wechselkursbedingungen knapp behauptet. Nach Auskunft von Roman Weissen, Sprecher des Dachverbands Seilbahnen Schweiz, blieben Umsätze und Frequenzen nur leicht unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Dies sei vor allem der Qualität der Bahnen und den Investitionen in den Jahren 2008 und 2009 von insgesamt 160 Millionen Franken in den Ausbau der Beschneiungsanlagen zu verdanken. Während Gebiete mit hochalpinen Bahnen laut Weissen zufrieden sein können, mussten tiefer liegende Bahnen und Gebiete zum Teil schmerzvolle Umsatzrückgänge hinnehmen. Vor allem das Tessin sowie die Freiburger und Waadtländer Alpen seien von deutlichen Besucherrückgängen nicht verschont geblieben.

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