Aktualisiert

Amoklauf in München«Die Hürde für Anschläge ist höher geworden»

Sicherheitsexperte Stephan Humer lobt den Einsatz der Polizei in München. Und er glaubt, dass er abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter haben wird.

von
O.Fischer
1 / 61
Die Polizei hat einen «möglichen Mitwisser» festgenommen: Sicherheitskräfte stehen vor dem McDonalds nahe des Olympia Einkaufszentrums, wo die Schiesserei stattgefunden hat. (23. Juli 2016)

Die Polizei hat einen «möglichen Mitwisser» festgenommen: Sicherheitskräfte stehen vor dem McDonalds nahe des Olympia Einkaufszentrums, wo die Schiesserei stattgefunden hat. (23. Juli 2016)

Keystone/Sven Hoppe
Mehrere tausend Menschen haben am Sonntagabend in München der Opfer des Amoklaufs gedacht. (24. Juli 2016)

Mehrere tausend Menschen haben am Sonntagabend in München der Opfer des Amoklaufs gedacht. (24. Juli 2016)

Keystone/Josef Hildebrand
Ein Blumen- und Lichtermeer: Trauernde legen vor dem Olympia Einkaufszentrum Blumen, Kerzen, Bilder und Briefe nieder. (23. Juli 2016)

Ein Blumen- und Lichtermeer: Trauernde legen vor dem Olympia Einkaufszentrum Blumen, Kerzen, Bilder und Briefe nieder. (23. Juli 2016)

Keystone/AP Photo/Jens Meyer

Herr Humer, die Polizei in München reagierte gestern Abend sehr schnell. Die Koordination zwischen verschiedenen Behörden, auch über die Grenzen des Bundeslandes hinaus, funktionierte offenbar gut. Wie schätzen sie diesen Einsatz ein?

Der Einsatz war rückblickend vorbildlich. Das passt absolut ins Bild, das ich von der bayrischen Polizei habe, die sehr leistungsfähig und leistungswillig ist. Da herrscht eine Entschlossenheit und ein Wille zur Professionalität, der sich gestern gezeigt hat. Darum war der Einsatz auch so erfolgreich und professionell.

Gibt es in allen deutschen Bundesländern solche Einsatzpläne, die dann auch so professionell umgesetzt würden?

Die Situation ist zwischen den Bundesländern schon unterschiedlich und nicht überall ist der Stand so gut wie in Bayern. Aber durch Ereignisse in der Vergangenheit – die Amokläufe in Winnenden und Erfurt aber auch die Anschläge in Frankreich und Belgien – hat sich in Deutschland schon viel getan und die Bemühungen wurden überall verstärkt. Aber Bayern ist ganz klar bemüht eine Spitzenposition zu haben und auch zu behalten.

Wäre so eine Situation denn in einem anderen Bundesland weniger professionell gehandhabt worden?

Es war in Bayern gut handhabbar, weil man im Hintergrund schon lange über verschiedene Szenarien nachgedacht hat und anders als in anderen Bundesländer offen war für neue Szenarien und für die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Darum hat es sicher besser geklappt. Es wäre jetzt anderswo nicht grundlegend schief gegangen, aber manchmal kommt es halt auf Nuancen an. So hatte man die Situation in München schon sehr gut im Griff.

Polizeipräsident von München - "Keinerlei Anhaltspunkt für Bezug zum IS"

Werden die Polizeibehörden der Bundesländer nach den jüngsten Zwischenfällen in Zukunft denn besser zusammenarbeiten?

Ich hoffe es und ich plädiere schon lang dafür. Es gibt wie schon gesagt ein Gefälle zwischen den Bundesländern. Es gibt welche, die lieber ihr eigenes Ding durchziehen. Aber das hat auf Dauer keine Zukunft. Es muss eine stärkere Zusammenarbeit geben und die Bundesländer müssen eigene Befindlichkeiten zurückstellen. Politische Überlegungen, die da im Hintergrund vorhanden sind, müssen zurückstehen. Man darf sich keine Fehler erlauben. Der Informationsaustausch muss viel besser werden.

Steigt durch diesen Einsatz das Vertrauen der Bevölkerung in den deutschen Sicherheitsapparat und die Polizei?

Das ist sicher ein Ziel dieses schnellen und professionellen Auftretens. Lieber jetzt mehr machen, als später Fehler aufholen zu müssen. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung hängt aber auch von der allgemeinen Stimmung ab. Ein martialisches Auftreten der Polizei wird in ruhigen Zeiten sicher kritischer wahrgenommen. Dass der ganze Nahverkehr lahmgelegt wird kann die Menschen natürlich auch einschüchtern und Panik auslösen. Wenn ich gewichten muss, würde ich aber sagen, entschlossenes Einschreiten hat eher eine beruhigende Wirkung.

Kann dieser Einsatz abschreckend wirken auf potenzielle künftige Attentäter haben?

Wir können natürlich nie für eine absolute Sicherheit sorgen, aber die Gefahr kann sinken. Wir haben eine Hürde, die es jemandem schwieriger oder einfacher macht, so eine Tat umzusetzen. Und ich glaube schon, dass die Hürde jetzt in der Wahrnehmung der Menschen höher geworden ist. Man kann sicher nie alle abschrecken, aber wenn potenzielle Täter jetzt nur schon zu zögern und zweifeln beginnen ist viel erreicht.

Das Gefühl der Sicherheit in Deutschland ist also gestärkt worden?

Ja absolut.

Stephan Humer ist im Vorstand des Netzwerkes Terrorismusforschung in Deutschland.

Deine Meinung