Aktualisiert 01.06.2010 06:49

Federer und NadalDie Hürden bis zum Traumfinale

Tennisexperten frohlocken bereits von einem (erneuten) French-Open-Final zwischen Roger Federer und Rafael Nadal. Das liegt vor allem am Formstand der Gegner.

von
Patrick Toggweiler

Betrachtet man die potentiellen Gegner der beiden besten Tennisspieler dieser Ära, fällt auf: Roger Federers Hürden in den Final sind auf dem Papier weniger hoch: Im Viertelfinal spielt der Schweizer gegen den Schweden Robin Söderling. In den bisherigen zwölf Begegnungen an ATP-Turnieren verlor Federer keine einzige Partie gegen den eigensinnigen Mann aus Tibro. Sonderling Söderling hofft nun, ausgerechnet auf ein glückbringendes 13. Aufeinandertreffen. Immerhin: In einem Vorbereitungsturnier auf die Saison 2010 ausserhalb der Tour bezwang Söderling die Weltnummer 1. Trotzdem wird er – vor allem aufgrund der klaren Finalniederlage vom letzten Jahr – als krasser Aussenseiter in die Partie gehen.

Im Halbfinale würde die Schweizer Weltnummer 1 entweder auf Michael Juschni oder Tomas Berdych treffen. Gegen den Russen Juschni hat Federer ebenfalls noch nie verloren – und bereits zehn Mal gewonnen. Das letzte Aufeinandertreffen liegt allerdings bereits drei Jahre zurück. An gleicher Stätte – in Roland Garros – marschierte Federer in drei Sätzen durch (7:6, 6:4, 6:4).

Eher aber trifft Roger Federer auf Tomas Berdych. Der Tscheche bleibt den Federer-Fans unwiderruflich im Gedächtnis, weil er den Schweizer an den Olympischen Spielen von Athen 2004 völlig überraschend besiegte. Auch in diesem Jahr konnte der aufschlaggewaltige Hüne (1,96 Meter, 91 Kilo) die Weltnummer 1 bereits bezwingen. Beim 1000er Turnier von Miami schaltet er den Baselbieter in der Runde der letzten 16 aus. Das wars dann aber auch schon mit Erfolgsmeldungen von Berdych gegen Federer. Den beiden Siegen stehen acht Niederlagen gegenüber. Die einzigen beiden Duelle auf Sand gewann Federer: 2005 in Hamburg locker die direkte Revanche für die Olympia-Schmach 6:2, 6:1 und 2006 in Roland Garros 6:3, 6:2, 6:3 nicht minder souverän.

Trotzdem darf man den Tschechen nicht abschreiben. Wie Federer gab er noch keinen Satz ab und liess unter anderem Andy Murray und John Isner nicht den Hauch einer Chance. Berdych servierte in beiden Partien seinen ersten Aufschlag mit durchschnittlich über 200 km/h.

Rafael Nadal kann nur sich selber besiegen

Rafael Nadal, der beste Sandplatzspieler aller Zeiten, muss sich seinen fünften Finaleinzug gegen besser klassierte Gegner erkämpfen als der Schweizer. Heute trifft er im Achtelfinal auf den Linkshänder Thomaz Bellucci. Ein aufstrebender Brasilianer, der dem Sandplatzkönig allerdings keine Probleme bereiten dürfte. Danach aber wartet entweder Fernando Verdasco oder Nicolas Almagro. Verdasco gewann in diesem Jahr bereits zwei Turniere. Im Final von San Jose bezwang er Andy Roddick, in Barcelona triumphierte er gegen Robin Söderling. Gegen Nadal bezog er allerdings bereits eine empfindliche Niederlage. Im Final von Monte Carlo schaffte der Madrilene gegen seinen Landsmann gerade mal ein Game und verlor 0:6, 1:6. Diese Niederlage gilt es auszublenden. Sonst ist er gegen Rafa erneut chancenlos.

Nimmt alles den erwarteten Gang, trifft Nadal im Halbfinale auf Novak Djokovic. Ausser gegen den Japaner Ken Nishikori musste der «Joker» noch in jeder Partie einen Satz abgeben. Der Serbe befindet sich im Moment in einem kleinen Zwischentief. Seit seinem Triumph von Dubai im Februar konnte die Weltnummer 3 nie mehr in ein Endspiel einziehen. Ein Sieg gegen Nadal könnte für ihn die richtige Motivationsspritze für den weiteren Verlauf der Saison darstellen. Djokovic wird sich daran aufbauen, dass er die letzten drei Partien gegen Nadal gewinnen konnte. Dass er den Mallorquiner noch nie auf Sand bezwingen konnte und er in Roland Garros bereits drei Mal an an ihm scheiterte, spricht dafür, dass es nach einem Jahr Pause wieder zum Standartfinal seit 2006 kommen kann: Roger Federer vs. Rafael Nadal.

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