Schmerzfreier Tod: «Die Hummer zu betäuben, wird zu teuer»
Aktualisiert

Schmerzfreier Tod«Die Hummer zu betäuben, wird zu teuer»

Panzerkrebse wie Hummer dürfen neu nur noch betäubt im Kochtopf landen. Gastronomen sind nicht erfreut.

von
Camille Kündig

Die Küchen nun neu zu organisieren, werde aufwendig und teuer, sagen Gastronomen.

Hummerfleisch gilt unter Geniessern unumstritten als Delikatesse. Doch: Für die Gaumenfreude der Menschen müssen die Krustentiere oft leiden. Sie werden in vielen Küchen bei lebendigem Leib gekocht, bis zum Tod können einige Minuten vergehen. Nun hat der Bund entschieden: Hummer und Co. müssen neu vor dem Garen im Kochtopf betäubt werden.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat das am Montag kommuniziert. Nach Angaben von Tierschutzorganisationen ist das Betäuben der Tiere mit Elektroschocks möglich. Das macht aber zusätzliche Technik in der Küche nötig. Bei manchen Gastronomen kommt die neue Vorschrift gar nicht gut an. Srecko Witschi, Geschäftsführer des Prime Steakhouse in Zürich, sagt: «Diese verstärkten Schutzbedingungen sind ein Witz.» Er wisse noch nicht, wie er die neuen Regelungen umsetzen werde. «Aber die Küche neu zu organisieren, wird aufwendig.»

«Ich werde nun wohl aufhören müssen, Hummer anzubieten»

Restaurant-Besitzer in der Westschweiz haben ebenfalls keine Freude an der neuen Regelung. So Nicolas Toussaint von der Auberge Hauterive im Kanton Neuenburg. Die Tiere vor dem Kochen zu betäuben, ist für ihn keine Option. Das werde zu teuer. «Die Technik für Elektroschocks zu beschaffen, ist eine zusätzliche, kostspielige Investition. Ich werde wohl aufhören müssen, Hummer auf meiner Karte anzubieten», bedauert er. Denn: Gefrorene Hummer zubereiten, das will er nicht: «Krustentiere sind sehr heikel. Werden sie getötet und eingefroren, trocknet ihr Fleisch aus und die Textur wird schlapp.»

«Unsere Hummer werden direkt nach dem Fang getötet»

Auch in der Zürcher Hummer- & Austernbar stehen lebende Hummer auf dem Menü. Küchenchef Patrick Schmutz: «Dass das Krustentier frisch ist und nicht gefroren bei mir in der Küche ankommt, ist für den Geschmack wesentlich. Wir möchten hier ja nicht Findus-Menüs zubereiten», so der Chef.

Mike Berchtold, Geschäftsführer von Braschler's Comestibles Import, beliefert täglich Restaurants mit der Delikatesse. Er sieht die Sache anders: «Wir bieten seit rund vier Jahren dem Tierwohl zuliebe gar keine lebenden Lobster mehr an. Die Hummer, die wir an unsere Kunden liefern, werden noch vor Ort, direkt nach dem Fang, getötet.»

Am meisten leiden die Hummer beim Transport

Er zähle auch Restaurants mit 17 oder 18 «Gault Millau»-Punkten zu seinen Kunden. «Wenn man die Krebse fachgerecht auftaut und speziell zubereitet, beziehungsweise sie nicht kocht, sondern in einem Holdomat (einem Wärmeofen) erwärmt, merkt man geschmacklich fast keinen Unterschied. Zudem serviert man zu Hummer meistens sowieso noch immer eine Sauce oder ein Saucenschäumchen.»

In die richtige Richtung geht die neue Vorschrift für die Organisation Fair-Fisch. Co-Geschäftsleiter Martin Orgler: «Diese Bestimmungen sind besser als nichts.» Doch er gibt zu bedenken: «Das kurze Töten ist weniger schlimm als die Zeit davor. Denn die Tiere werden oft monatelang mit gefesselten Scheren und ohne Nahrung transportiert und gelagert. Eine üble Tortur.» Deshalb sollte es seiner Meinung nach gar keinen Import von lebenden Panzerkrebsen geben.

Tierschützer kritisieren die Zubereitung von Hummern bereits seit langem. Das Töten in kochendem Wasser ist ihrer Meinung nach brutal und schmerzvoll für das Krustentier. Sehen Sie mehr dazu im Video:

Deine Meinung