07.07.2014 03:40

Zürcher Goldküste

«Die Hundesitterin hat meinen Odin entführt»

Rüde Odin wurde vor einem Jahr an der Zürcher Goldküste von seiner ehemaligen Hundesitterin entführt. Seither fehlt vom Hund und der Entführerin jede Spur - trotz Polizeifahndung.

von
som/blum

«Wie konnte ich mich so in dieser Frau täuschen», sagt L.G. Der Architekt aus einer Goldküsten-Gemeinde hat in den letzten zwölf Monaten mehrere 10'000 Franken ausgegeben, um seinen Hund Odin wiederzufinden. Bisher vergebens. Der Weimaraner Rüde und seine mutmassliche Entführerin Andrea P.* bleiben verschwunden. Dabei hatte alles so harmlos angefangen, als sie L.G. 2010 bei einem Spaziergang mit dem damaligen Welpen zum ersten Mal ansprach.

«Sie erzählte mir, dass sie früher einen ähnlichen Hund hatte», sagt G. Sie tauschten die E-Mail-Adressen aus, immer wieder bot die 1,78 Meter grosse Schöne mit den kastanienbraunen Locken ihm ihre Dienste als Hundesitterin an. Als Odin fast zwei Jahre alt war, hat er den Hund ihr dann jeweils für einige Stunden gegen ein Entgelt anvertraut: «Sie hat immer sehr gut zu ihm geschaut und war zuverlässig.» Einzig, dass er Odin immer bei Andrea P.s Arbeitsort und nie bei ihr zu Hause abholen musste, machte ihn stutzig: «Ich hätte gerne gesehen, wo sich mein Hund aufhält.» Doch seine Vorahnung verdrängte er - zumal seine Beziehung zur Hundesitterin formell gewesen sei: «Ich wusste kaum etwas Privates über sie.»

Ausser Schuldenberg keine Spur von Andrea P.

Im vergangenen Sommer musste G. für vier Wochen nach Italien. Da er Odin nicht mitnehmen konnte, bat er Andrea P., so lange auf ihn aufzupassen. «Ich gab ihr dafür 1000 Franken, obwohl sie kein Geld wollte.» Während seines Italienaufenthalts hätten sie immer wieder Kontakt per SMS gehabt, so G.: «Als ich jedoch im September zurückkam, war Andrea P. nicht mehr erreichbar.» Erst nach zwei Tagen schrieb sie ihm, dass sie mit dem Hund in den Ferien sei.

G. schaltete einen Anwalt, die Gemeinde und die Polizei ein. «Polizisten verschafften sich Zugang zu Andrea P.s Wohnung - sie war leer», so L.G. Die heute 39-Jährige habe lediglich einen Schuldenberg in der Höhe von rund 100'000 Franken bei verschiedenen Ämtern hinterlassen. Um seinen Hund zu finden, klapperte L.G. hunderte von Tierärzten, Hundeschulen und sonstige Adressen in Andrea P.s Umfeld ab. «Ich recherchierte auch in der Yoga-Szene, da sie dort aktiv war.»

«Sie hätte sich ins Ausland absetzen können»

Mehrmals habe er zudem ihren Bruder kontaktiert: «Er versicherte mir nur, dass es Odin gut gehe. Sonst wollte er nichts sagen.» Aufschlussreicher waren die Erkenntnisse des Privatdetektivs, den G. engagiert hatte: «Er fand heraus, dass Andrea P. im Tessin und in Riehen bei Basel gesehen worden war.»

In Riehen habe sie sich offenbar bei einer Drogen-Entzugsstelle gemeldet: «Vor dieser soll der sonst so kinderliebe Odin einen Jungen geschnappt haben. Das zeigt mir, dass es ihm nicht gut geht.» Trotz dieses Vorfalles konnte Andrea P. nicht aufgespürt werden. Immer wieder schafft sie es, unterzutauchen, sagt L.G.: «Sie benutzt etwa vier verschiedene Handys und lässt ihre Post immer noch an ihren früheren Wohnort schicken.» Zudem hätten Ämter Fehler gemacht: «Sie hätte sich deshalb mit meinem Odin problemlos ins Ausland absetzen können.» Die Kantonspolizei Zürich will sich auf Anfrage zur Fahndung nicht äussern, sie bestätigt aber eine Anzeige gegen Andrea P. wegen Veruntreuung.

*Name geändert

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