Neue Internetadressen: Die ICANN hats vermasselt
Aktualisiert

Neue InternetadressenDie ICANN hats vermasselt

Bis zu 1000 neue Top-Level-Domains wie .vegas oder .zuerich sollen jedes Jahr eingeführt werden. Doch die oberste zuständige Internet-Behörde kämpft mit Problemen.

Der Präsident und Geschäftsführer von ICANN, Rod Beckstrom, musste sich öffentlich entschuldigen.

Der Präsident und Geschäftsführer von ICANN, Rod Beckstrom, musste sich öffentlich entschuldigen.

Die für die Verwaltung der Internetadressen zuständige Organisation hat sich für eine seit mehr als drei Wochen anhaltende Störung des Systems zur Anmeldung neuer Domains entschuldigt. «Qualität geht aber vor Schnelligkeit», rechtfertigte sich der Chef der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), Rod Beckstrom, gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Die ICANN musste das System, bei dem Firmen und Organisationen Anträge auf neue Internet-Endungen wie .com oder .org einreichen können, Mitte April abrupt abschalten. Durch einen Softwarefehler wurden zuvor vertrauliche Daten frei zugänglich. Damals hiess es noch, das System solle in vier Arbeitstagen wieder laufen. Inzwischen wurde dies bis auf unbestimmte Zeit verlängert.

Inzwischen sei klar, wo der Fehler lag und wie er behoben werden könne. Jetzt werde dies noch eingehend getestet, auch müssten noch die Firmen informiert werden, deren Daten zugänglich waren, sagte Beckstrom.

Ab 2013

Seit Mitte Januar nimmt ICANN Anträge für neue, sogenannte Top-Level-Domains an, die die bisher gängigen Internet-Endungen wie .com oder .ch ergänzen sollen. So könnten etwa alle Hotels in Las Vegas Internetadressen buchen, die auf .vegas enden. Bis zu 1000 neue Top-Level-Domains sollen jedes Jahr eingeführt werden können. Wenige Stunden vor Ablauf der Anmeldefrist kam es dann zu der Störung. Sie wird insgesamt aber keine grösseren Auswirkungen haben, da die neuen Adress-Endungen ohnehin frühestens erst im kommenden Frühjahr freigeschaltet werden sollten.

Bis am Freitag seien 2091 Anträge für neue Endungen eingegangen, erklärte ICANN. Weitere 214 seien noch im Anmeldeprozess. Die Prüfung werde nun in vier 500er-Blöcken erfolgen. Das bedeutet, dass der ganze Prüfprozess einige Jahre dauern kann. Wenn das Anmeldesystem wieder geöffnet wird, will ICANN genau prüfen, ob Antragsteller möglicherweise den Einblick in die vertraulichen Daten genutzt haben, um ihre Anträge entsprechend zu gestalten.

Bislang hat ICANN durch die Anträge 350 Millionen Dollar eingenommen. Jeder Antrag kostet 185 000 Dollar. Nach einer Zulassung werden zudem 25 000 Dollar pro Jahr an Gebühren fällig. Die nutzt ICANN zum Unterhalt des Systems. Dazu gehört auch die Kontrolle, ob die Besitzer einer Domain sie auch so nutzen, wie sie es zugesagt haben. (dapd)

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