Aktualisiert 20.06.2008 11:36

FinanzkriseDie Inflation ist überall

Die Konjunktur schwächelt, das Öl ist so teuer wie nie und die Lebensmittelpreise steigen schier unaufhaltsam. Die Inflation ist wieder da, und zwar weltweit. Und ein afrikanisches Land ist Weltmeister.

von
Dajan Roman

Besonders die Notenbanken haben es im Moment ganz und gar nicht einfach: Sie stehen vor der schwierigen Frage, ob sie die Leitzinsen anheben oder senken sollen. Senken sie die Zinsen, wird zwar das Geld für die Wirtschaft billiger, gleichzeitig steigt aber die Gefahr der Geldentwertung. Erhöhen sie die Zinsen, können sie zwar die Währung stabilisieren, dabei steigt aber die Gefahr, die Konjunktur abzuwürgen. «Financial Times Deutschland» hat einen Überblick zusammengestellt. Dabei fällt auf, dass überall die hohen Öl- und Lebensmittelpreise eine wesentliche Rolle spielen.

Euro-Zone: Ziel verfehlt

Seit ihrer Gründung 1998 betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Anti-Inflations-Politik. Dabei setzt sie vor allem auf die Regulierung der Geldmenge, die sie dem Markt zur Verfügung stellt. Das Ziel ist eine jährliche Inflation von 2 Prozent – das gleiche Ziel, das auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat. Im Mai lag die jährliche Inflationsrate in der Eurozone bei 3,7 Prozent, ein Jahr zuvor war sie bei 1,9 Prozent. Besonders die gestiegenen Lebensmittelpreise waren Inflationstreiber. Seit 1996 sind die Preise in der Eurozone um insgesamt 27,2 Prozent gestiegen.

Schweiz: Besserung in Sicht

Die Inflation ist in der Schweiz so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Seit Anfang 2008 wird die als Preisstabilität definierte Marke von 2 Prozent deutlich überschritten. Im Mai schnellte die Jahresteuerung sogar auf 2,9 Prozent hoch. Bereits im kommenden Jahr soll die Teuerung gemäss SNB wieder auf 1,7 Prozent sinken. Im laufenden Jahr wird aber noch mit einer Rate von 2,7 Prozent gerechnet.

Deutschland: Besser als EU

Deutschland lag im Mai mit einer Inflationsrate von 3,1 Prozent deutlich unter dem Schnitt der Eurozone von 3,7 Prozent. Genau wie in der Schweiz ist die Teuerungsrate so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Belgien: Der Inflationstreiber

Belgien ist das Land mit der zweitschnellsten Geldentwertung in der Eurozone. Nur Slowenien hat eine höhere Inflation. In Belgien gingen die Leute wegen der Schwächung der Kaufkraft bereits auf die Strasse. In Belgien sind die Löhne an die Inflation gekoppelt, es droht eine schwer zu beherrschende Inflationsspirale.

Grossbritannien: Zinssenkungspolitik

Im Mai erreichte die Inflation mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit 1997. Um die von Finanz- und Immobilienkrise angeschlagene Wirtschaft zu stützen, verfolgte die Bank of England bis jetzt eine Zinssenkungspolitik. Damit hat sie die Inflation angeheizt.

Russland: Kritik von Weltbank

Im Mai lag die Teuerungsrate bei 15,1 Prozent, so hoch war sie zuletzt 2003. 2008 liegt das Inflationsziel bei 10,5 Prozent. Diese Entwicklung brachte Russland Kritik der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds ein: Die Inflation sei die grösste Gefahr für das russische Wirtschaftswachstum.

USA: Inflation auf Rekordniveau

Die USA kämpfen mit der höchsten Geldentwertung seit Jahren. Im Mai stieg die jährliche Inflation im Verglich zum April nochmals um 0,3 Punkte auf jetzt 4,2 Prozent. Die US-Notenbank hat seit Beginn der Hypothekarkrise den Leitzins stetig gesenkt – und das immer hektischer. Alleine im Januar senkte sie den Leitzins in acht Tagen zwei Mal. Ende Juni könnten die Zinsen wieder steigen.

China: Fleisch doppelt so teuer

Die Inflation liegt auch in China deutlich über dem Ziel von 4,8 Prozent: Im April bei 8,1 Prozent, im Mai bei 7,7 Prozent. Daran sind vor allem die drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise schuld: Fleisch ist fast 50 Prozent teurer als vor einem Jahr, Weizen rund 38 Prozent.

Simbabwe: Unangefochtener Inflations-Champion

Das afrikanische Land hält den Weltrekord bei der Teuerungsrate: Im Januar betrug sie mehr als 100'000 Prozent! Die einst gesunde Volkswirtschaft ist das achte Jahr in der Rezession und die Nationalbank hat fehlende Gelder einfach nachgedruckt. Für einen Franken erhält man im Moment etwa 430'000 Simbabwe-Dollar ist etwa Es gibt im Land 200'000-Dollar-Noten. (scc/rmd)

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