Aktualisiert 10.06.2014 08:01

Mehlwürmer-MenüsDie Insekten-Farm fürs Wohnzimmer

Insekten sollen eine wichtige Nahrungsergänzung werden: Davon sind drei Schweizer Studenten überzeugt. Sie haben eine Mehlwürmer-Farm entwickelt.

von
num

Mehlwürmer-Burger, Heuschrecken mit Schokolade überzogen - schon viele Menüs hat HSG-Student Matthias Grawehr (25) ausprobiert. Seit einem Jahr verspeist er regelmässig Insekten. Er ist überzeugt: «Es hat nur Vorteile: Insekten haben vergleichbare Nährwerte wie Fleisch und Fisch, aber einen tieferen Fettgehalt.» Gleichzeitig sei die Herstellung viel nachhaltiger als beispielsweise bei Rind.

Oft kommen bei Grawehr Heuschrecken auf den Teller, «die schmecken nach Poulet», aber auch Mehlwürmer, «nussig», oder Ameisen, «nach Zitrone», finden den Weg auf seine Speisekarte. «Es gibt 1900 essbare Insekten und alle haben einen unterschiedlichen Geschmack», sagt er.

Doch den Insektenverrückten Studenten legt das Gesetz bisher einen Stolperstein in den Weg: In der Schweiz ist es derzeit noch verboten, Insekten zum Verzehr anzubieten. Was allerdings in privatem Rahmen den Weg in den Kochtopf findet, ist dem Gesetzeshüter egal. Deshalb haben die Studenten, die die Firma Essento gegründet haben, nun eine Insektenfarm fürs traute Heim mit dem Industrie-Design-Student Marc Eberle entwickelt - die «EntoPlant». Es ist seine Bachelorarbeit in Industriedesign an der Zürcher Hochschule der Künste. Mit dem Projekt war Essento gleich im Startup-Wettebewerb Innovate4climate siegreich.

Mehlwurm-Kreislauf

Der erste Prototyp ist fertiggestellt und derzeit im Museum für Gestaltung noch bis am 12. Juni ausgestellt. In der schubladenartig aufgebauten Konstruktion können private Züchter einen Mehlwurm-Kreislauf bilden.

So funktionierts: Ins oberste Fach kommen Mehlkäfer, diese legen Eier, die durch ein Gitter eine Etage tiefer fallen. Daraus schlüpfen Mehlwürmer, die je nach Alter auf verschiedenen Ebenen gedeihen. Sind sie genug alt, werden sie geerntet und verspiesen - ein Teil davon wandert wieder ins oberste Fach und legt Eier für die nächste Generation.

Die Farm wird 400 bis 500 Franken kosten

Wann EntoPlant auf den Markt kommt, ist noch unklar. Matthias Grawehr hofft, dass es im November so weit ist. «Da die Nachfrage noch nicht allzu hoch sein wird, ist die Herstellung teurer - wir glauben, dass sie rund 400 bis 500 Franken kosten wird.»

Denn noch haben sich Insekten noch nicht als Fleischersatz etabliert. Zu viele Menschen ekeln sich noch vor allem, was da kreucht und fleucht. Den drei Mitbegründern von Essento ging es bis vor einem Jahr auch noch so. Dann aber brach das Eis. Grawehr sagt: «Es braucht eine einmalige Überwindung, dann überzeugt der Geschmack.»

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