Aktualisiert 21.08.2012 16:17

Hochfrequenz-HandelDie Invasion der Börsenroboter

An den Börsen haben die Computer längst das Ruder übernommen. Das birgt grosse Risiken. Eine Visualisierung zeigt erstmals die Machtübernahme der Trading-Roboter.

von
Alex Hämmerli
Computerprogramme sind heute jeden Tag für Millionen von Börsentransaktionen verantwortlich.

Computerprogramme sind heute jeden Tag für Millionen von Börsentransaktionen verantwortlich.

Finanzthemen sind für Laien oft nur schwer zugänglich. Zu fremd ist die Materie – und zu häufig wird man mit unverständlichen Fachwörtern bombardiert. So ist es auch mit dem High Frequency Trading. Börsenkenner kürzen den Begriff oft mit den drei Buchstaben HFT ab. Meinen tun sie damit die Roboter-Armee an der Wall Street, der London Stock Exchange oder an der Schweizer Börse.

Der Clou: Die Computerprogramme beobachten den Markt anhand von vorgegebenen Indikatoren. Aufgrund dieser kaufen und verkaufen sie für ihre Besitzer blitzschnell Aktien und nutzen kleinste Preisunterschiede aus, um Gewinne zu erzielen. Sie agieren dabei rascher als es ein Mensch je tun könnte. Und die Geschwindigkeit scheint zu rentieren, denn der Hochfrequenzhandel hat über die Jahre massiv zugenommen.

Ein Milliardengeschäft mit Millisekunden

Nun zeigt eine Visualisierung des Finanzdaten-Dienstleisters Nanex erstmals und eindrücklich, wie stark die Roboter heute schon am Werk sind: Ihre Geschäftstätigkeit hat sich von 2007 bis Anfang 2012 vervielfacht, wie das Flackern der einem Feuer ähnlichen Grafik verdeutlicht. Mittlerweile sollen alleine an der Wall Street mehr als 70 Prozent der Geschäfte durch Computer getätigt sein. Analysten schätzen, dass der reine Hochfrequenzhandel heute fast die Hälfte des Amerikanischen und Schweizerischen Aktienhandels ausmacht. In Europa sollen es im Schnitt etwa 40 Prozent sein. Die Roboter generieren Milliardensummen.

Die Machtübernahme der Roboter birgt aber grosse Risiken. Das zeigen verschiedene Beispiele aus der Vergangenheit. Erst kürzlich, Anfang August, hat etwa ein Softwarefehler bei einem Trading-Roboter des grossen US-Finanzdienstleisters Knight Capital dazu geführt, dass die Kurse von 150 Aktien an der New Yorker Börse NYSE auf Achterbahnfahrt gingen. Das Unternehmen verlor innert 45 Minuten 440 Millionen Dollar. NYSE-Chef Duncan Niederauer erklärte danach, man habe es mit einer «tiefen Vertrauenskrise» in der Öffentlichkeit zu tun.

Immer noch nicht richtig aufgearbeitet ist zudem der «Flash Crash» im Mai 2010. Damals sackte der Aktienindex Dow Jones innert weniger Minuten um etwa 1000 Punkte ab. Vermutlich war die Ursache ein Händler, der unabsichtlich einen viel zu grossen Aktienverkauf tätigte. Im Dominoeffekt verstärkten die Roboter die Abwärtsbewegung – bis die US-Börsenaufsicht den Handel einstellte.

Angesichts der beängstigenden Ausmasse, die der Hochfrequenzhandel mittlerweile angenommen hat, drängen etliche Experten darauf, die Roboter an die Leine zu nehmen. Wie dies geschehen soll, scheint jedoch kaum einer so genau zu wissen. «Die technologischen Fortschritte haben uns der Fähigkeit beraubt, diese zu regulieren», sagte Andrew Lo, Direktor des Laboratory for Financial Engineering am Massachusetts Institute of Technology kürzlich gegenüber der «Financial Times».

(Quelle: Youtube/CBS)

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