Kreuzfahrts-Boom: Die Invasion der US-Luxusschiffe
Aktualisiert

Kreuzfahrts-BoomDie Invasion der US-Luxusschiffe

Der Kampf um Kreuzfahrtgäste wird zum Seegefecht. Amerikanische Reeder senden über dreissig Schiffe nach Europa und machen sich hier die Gäste streitig.

von
Sandro Spaeth
Die «Oasis of the Seas» ist das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt. Ihre Reederei Royal Caribbean International sendet im Sommer elf Schiffe nach Europa.

Die «Oasis of the Seas» ist das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt. Ihre Reederei Royal Caribbean International sendet im Sommer elf Schiffe nach Europa.

Europäer lieben Kreuzfahrten. 2010 haben laut dem European Cruise Council (ECC) über 4,5 Millionen Europäer eine Kreuzfahrt gebucht. Das entspricht einer Zunahme um 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Damit ist Europa laut Travel Inside der am schnellsten wachsende Kreuzfahrtenmarkt der Welt. Von diesem Boom wollen auch die amerikanischen Grossreedereien profitieren, die bald mit einer ganzen Armada von Schiffen auf dem alten Kontinent einlaufen.

Im Sommer wird beispielsweise der US-Gigant Royal Caribbean International (RTI) ganze elf Schiffe diesseits des Atlantiks stationieren. (Zur US-Reederei gehören u.a. die Luxusliner Oasis of the Seas so wie deren Schwesterschiff Allure of the Seas). Die Reederei Princes kommt auf sieben Schiffe. Total entsenden die US-Anbieter ganze 33 Schiffe nach Europa.

Preiszerfall und Aktionitis

Das dürfte nicht spurlos am europäischen Geschäft vorübergehen. «Es wird zu Überkapazitäten kommen», sagt Alexander Esslinger, Geschäftsführer vom Kreuzfahrten-Buchungsportal e-hoi.ch, zu 20 Minuten Online. Für den Kunden habe das günstigere Tickets zur Folge. Mit Überkapazitäten, insbesondere in der Nebensaison, rechnen auch Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin und Marianne Häuptli von Kuoni.

Im Kreuzfahrtengeschäft herrscht ein rauer Wind. Die Preise sinken ständig. Über die ganze Branche gesehen ist die Zahl der Passagiere zuletzt stärker gewachsen als der damit generierte Umsatz, ein Umstand, den auch Hotelplan-Sprecherin Huguenin bestätigt. Das spricht für einen von Aktionen getriebenen Preiszerfall. So verhökern die Anbieter die Tickets zu Frühbucherpreisen oder kurbeln den Verkauf mit anderen Massnahmen an. Letztes Jahr gab es bei der Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises zeitweilig Angebote, bei denen nur die erste Person den vollen Preis bezahlte, die zweite hingegen lediglich einen Franken.

Keine Panik bei MSC

Im Preiskampf sieht Alexander Esslinger von e-hoi.ch aber nicht nur für die Kunden Vorteile. Auch auf den ganzen Kreuzfahrtmarkt könnten sich die tieferen Preise erfreulich auswirken, da neue Kundengruppen angesprochen würden. «In Branchenkreisen geht man davon aus, dass sich die zwischenzeitliche Überkapazität wegen der neuen Gästesegmente mittelfristig wieder reguliert und die Preise ansteigen», erklärt Esslinger.

Keine Panik vor schwindenden Erträgen wegen der Invasion der US-Kreuzfahrtschiffe hat man bei MSC Cruises. «Die US-Reedereien legen aufgrund der Flugverbindungen hauptsächlich in Barcelona und Civittavecchia an», sagt Sprecherin Marilena Rotundo. Das sei für Schweizer Gäste nicht interessant, da sie bei europäischen Reedereien im nahegelegenen Genau an Bord gehen könnten.

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