Ein Ägypter in Uri: Die Italiener zieht es nach Andermatt
Aktualisiert

Ein Ägypter in UriDie Italiener zieht es nach Andermatt

Investor Samih Sawiris spricht über den Erfolg seines Resorts, die Angst vor einer Immobilienblase – und erklärt, weshalb er täglich bis zu 140 SMS schreibt.

von
Sandro Spaeth

Der Ägypter Samih Sawiris baut in Andermatt ein riesiges Ferienresort. Für den Kauf der Luxuswohnungen hatten Schweizer bisher ein Vorkaufsrecht. Bald werden Appartements auch an Ausländer verkauft.

Sie werden von der Andermatter Bevölkerung als Messias bezeichnet. Haben Sie Angst, dass man Sie bei Misserfolg in fünf Jahren kreuzigt?

Samih Sawiris: Wenn sie mich dann kreuzigen würden, dann mit Recht. Beim Projekt in Andermatt wird aber nichts schiefgehen. Es kommt zu einem Zeitpunkt, bei dem ich kapital- und erfahrungsmässig viel weiter bin als bei früheren Projekten.

In den Medien las man, dass die Schweizer Ihre Wohnungen nicht mögen. Weshalb harzt es?

Es harzt gar nicht. Ich bin überrascht, dass so viele Schweizer gekauft haben. Hier ist es nicht üblich, dass man ab Plan kauft. Wir brauchen in diesem Jahr Verkäufe von 100 Millionen Franken und haben bereits die halbe Summe erreicht. Damit sind die Baukosten für die zwei ersten Gebäude gedeckt.

Im September geht der Verkauf im Ausland los. Wer wird kaufen?

Deutsche, Italiener, Engländer, Skandinavier und vielleicht auch Leute aus dem Nahen Osten – vor allem Italiener haben sich viele gemeldet. Sie hatten Erfolg mit ihren Immobilien in El Gouna. Sie kauften Häuser für 150 000 Euro. Nach sieben Jahren können sie nun für eine Million verkauft werden.

Was soll die Leute nach Andermatt locken? Es herrscht dort oft unbeständiges Wetter.

Die ausländischen Gäste kommen nicht wegen des Wetters nach Andermatt. Für sie macht die Schweiz die Faszination aus. Sie freuen sich auf Abwechslung – auch beim Wetter. Leute aus meiner Region sind froh, wenn es endlich kühler ist.

Wie sonst wollen Sie die Leute nach Andermatt holen?

Wir bieten Möglichkeiten, die es sonst nirgends gibt. Es werden Konzerte in Zusammenarbeit mit dem Lucerne Festival angeboten. So was kann sich kein Hotelier leisten. Das ist die grosse Chance des Projekts und auch die Lösung für die Zeit im November, wo man weder Golf spielen noch Ski fahren kann.

Wollen Sie St. Moritz und Zermatt konkurrenzieren?

Wir konkurrenzieren niemanden, sondern bieten eine zukunftsgerichtete Alternative. Wir haben in El Gouna aber bewiesen, dass wir qualitativ besser sein können als etablierte Orte. Dass es Gstaad oder St. Moritz gibt, macht es uns einfacher. Wegen dieser Orte hat die Destination Schweiz eine grosse Akzeptanz. Diese ist die Ausgangsbasis, um ein solches Projekt zu realisieren.

Gehen Sie mit Andermatt nicht ein grosses Risiko ein? Ein weiteres Resort an der Wärme würde doch mehr Erfolg bringen.

Ob im Schnee oder Sand – es geht um dasselbe. Die Menschen gehen nicht an einen Ort, weil es dort Sand hat, sondern weil der Ort attraktiv ist. Andermatt hat diese Attraktivität und ist für Leute aus aller Welt einen Besuch wert. Für uns ist das Risiko bei einem Resort in den Alpen kleiner als am Meer. In der Schweiz gibt es keine Möglichkeit, unser Projekt zu kopieren. Diese Exklusivität hat man am Strand nicht.

Vor kurzem ist man auf dem Golfplatz auf archäologische Funde gestossen. Werden weitere Funde das Projekt verzögern?

Nein, auf keinen Fall. Wir sind beim Golfplatz dem Zeitplan sogar voraus. Ich hoffe, dass noch weitere Funde gemacht werden. Dann könnten wir ein kleines Museum eröffnen. Eventuell werden wir für eine Ausstellung weitere Objekte hinzukaufen.

In der Schweiz warnen einzelne Experten vor einer Immobilienblase. Wie sehen Sie das?

Ich sehe keine Gefahr für eine Blase. Die Haltung der Schweizer zum Risiko schützt das Land vor der Blasenbildung. Hierzulande wird vor allem eigenes Geld in Immobilien gesteckt und der Anteil des Immobiliensektors an der gesamten Volkswirtschaft ist im Vergleich zu Ländern wie Spanien und England klein. Voraussetzung für eine Blase wäre eine Spekulantennachfrage – und diese ist in der Schweiz nicht gegeben. Ich suche derzeit eine Wohnung in Zürich und sehe dies an den vorhandenen Objekten und Preisen.

Dann suchen Sie ein Objekt am Zürichberg?

Um Gottes Willen, nein. Ich bin ein richtiger Stadtmensch. Ich möchte mitten im Zentrum sein. Irgendwo, wo ich zu Fuss zum nächsten Kaufhaus und zur Bahnstation gehen kann.

Sie kommunizieren mit ihren Mitarbeitern oft per SMS. Sind Sie kein Mann der langen Worte?

Im Geschäftlichen mag ich viele Worte überhaupt nicht. SMS forciert die Leute, direkt zum Punkt zu kommen. Dies ist für meine knappe Zeit enorm wichtig. Ich schreibe täglich 120 bis 140 SMS.

Der ägyptische Baulöwe hat grosse Pläne. 6 Hotels, 42 Häuser mit insgesamt 490 Ferienwohnungen sowie 25 Luxusvillen sollen einst in Andermatt entstehen. Dazu kommen ein Golfplatz, ein Sport- und Freizeitzentrum sowie eine Konferenz- und Konzerthalle. Auch der Bahnhof Andermatt soll attraktiv umgestaltet werden. (sda)

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