Apple stellt «Hub» vor: Die iWolke ist da

Aktualisiert

Apple stellt «Hub» vorDie iWolke ist da

Steve Jobs hat iCloud und die neuen Betriebssysteme iOS 5 und Lion präsentiert. Wir fassen die spannendsten Neuigkeiten aus San Francisco zusammen.

von
Daniel Schurter

Um 19 Uhr Schweizer Zeit am Montagabend betrat Steve Jobs die Bühne des Moscone-Konferenzzentrums in San Francisco. Der Auftritt des seit längerem krankgemeldeten Apple-Chefs wurde mit Spannung erwartet. Es ging um die Zukunft der populären Elektronik-Geräte mit dem angebissenen Apfel. Mehr als 5200 Gäste wurden registriert - die Veranstaltung war innert zwei Stunden ausverkauft gewesen.

iCloud als digitaler «Hub»

Mit iCloud bietet Apple den Nutzern neu ein digitales Schliessfach an, das von überall her online zugänglich ist. Es lassen sich alle wichtigen persönlichen Daten zentral speichern, ob Texte, Fotos, Musik oder Videos. Gleichzeitig werden diese «Inhalte» automatisch allen Apple-Geräten des Nutzers über das Internet zur Verfügung gestellt und synchronisiert. Wer etwa mit der iPhone-Kamera ein Bild schiesst, kann es sofort nach dem Speichern in die iCloud hochladen und es anschliessend auf dem iPad oder via Apple TV betrachten. Steve Jobs spricht vom digitalen «Hub».

Der Apple-Chef fand kritische Worte für den bisher angebotenen Online-Service «MobileMe», der nun beerdigt wird. Wichtige iOS-Programme wie Kalender, Adressbuch und Mail seien überarbeitet worden - nun klappe das Zusammenspiel dank iCloud besser. Anders als das nicht sehr populäre MobileMe soll der Zugang zur iWolke zudem gratis angeboten werden. Das gilt für die grundlegenden Dienste, inklusive 5 Gigabyte Speicherplatz in der Wolke. iCloud wird wie iOS 5 im Herbst rund um den Globus erhältlich sein.

Unter der Bezeichnung «iTunes in the Cloud» wurde der Online-Musikdienst vorgestellt. Neu kann man auf jedem iOS-Gerät sehen, welche Songs bereits in Tunes erworben wurden. Wer den Musik-Abgleich aktiviert hat, kann neu gekaufte Lieder auf bis zu zehn Geräten automatisch herunterladen.

Apple ist bekannt für seine Geheimniskrämerei, doch eine riesige Überraschung blieb während der Keynote aus. Vom iPhone 5 war überhaupt nicht die Rede. Zum Schluss richtete der sichtlich abgemagerte Jobs seinen berühmten Satz «One more thing...» ans Publikum. Dann stellte er «iTunes Match» vor. Dabei handelt es sich um eine iCloud-Funktion, mit der sich die eigene Musik-Sammlung mit dem Angebot im iTunes-Store abgleichen lässt. So können eigene MP3-Songs (auch gerippte Titel) durch qualitativ hochwertige, nicht kopiergeschützte Original-Songs ersetzt werden. Apples iTunes umfasst 18 Millionen Titel. Der Abgleich soll innert Minuten erfolgen. Dieser Zusatz-Dienst, der ebenfalls im Herbst erhältlich sein wird, kostet lediglich 25 US-Dollar pro Jahr.

Eine Gratis-Testversion von iTunes in the Cloud wird heute veröffentlicht, wie Apple weiter mitteilte.

Neue Features fürs iPhone

Das neue mobile Betriebssystem iOS 5 für iPhone und Co. treibt die Integration von Twitter voran. In den Geräte-Einstellungen kann man sich einfach anmelden - um dann mit anderen Apps nach Herzenslust Bilder und kurze Texte (Tweets) zu verschicken.

Mit iOS 5 dürften viele Chat- und Kurznachrichten-Apps von Drittanbietern überflüssig werden. In Zukunft können die Nutzer dank «iMessage» untereinander kostenlos Nachrichten und Bilder verschicken - Voraussetzung ist eine WLAN- oder 3G-Verbindung. Die Verbindung erfolgt aus Sicherheitsgründen verschlüsselt.

System-Meldungen werden neu besser angezeigt. Die schlichten (und von vielen ungeliebten) Popup-Fenster gehören bald der Vergangenheit an. Alle wichtigen Informationen werden in einem «Notification Center» zusammengefasst. Auch auf dem Lock-Screen - also dem gesperrten Bildschirm - werden mehr Infos eingeblendet.

Die Kamera-Funktion wird ausgebaut. Neu kann man sie per Doppelklick des Home-Buttons aufrufen. Auch bei gesperrtem Bildschirm sind Schnappschüsse möglich. Als Auslöser dient der Lautstärke-Regler.

Für Begeisterung sorgt die Ankündigung, dass man sein neues iPhone bald «PC free» aktivieren könne. Der Griff zum Synchronisierungs-Kabel entfällt.

Das «Vorspiel»

Zum Auftakt der Veranstaltung gab es - wie üblich - positive Zahlen von Apple. Jahr für Jahr seien die PC-Verkaufszahlen gesunken, während Apple weiter zulegte. Es gebe nun über 54 Millionen Mac-Nutzer weltweit.

Marketing-Chef Phil Schiller brachte dem Publikum die Vorzüge von «Lion» näher. Das neue Mac-Betriebssystem beherrscht Multi-Touch-Gesten - es können also in Zukunft auch Macbooks und andere Rechner mit Fingerbewegungen gesteuert werden. Dank «AirDrop» lassen sich zudem Dateien zwischen zwei Macs kinderleicht tauschen. Das Lion-Upgrade wird im Online-Softwareladen App Store ab Juli erhältlich sein. Der Download des 4-Gigabyte-Pakets kostet nur 30 US-Dollar.

Noch mehr Zahlen

Seit der Lancierung des iPads vor 14 Monaten sind ingesamt 25 Millionen Tablets verkauft worden. Auf 200 Millionen Geräten läuft Apples mobiles Betriebssystem iOS. Die Kunden greifen tüchtig ins Portemonnaie beziehungsweise zur Kreditkarte. Im App Store gibt es 225 Millionen registrierte Besucher. Auch wenn Apple einen Drittel der Einnahmen aus den App-Verkäufen behält: Bis heute wurden 2,5 Milliarden Dollar an die Entwickler von Apple-Software ausbezahlt.

Video-Stream ist im Netz

Kurz vor dem Start der weltweiten Entwicklerkonferenz (WWDC) kursierten die letzten Gerüchte und Spekulationen rund um iCloud, iOS 5 und Lion. Apple hat zum Ärger vieler Interessierter keine Live-Videoübertragung des Events angeboten. Seit dem späten Montagabend kann die Aufzeichnung als Video-Stream auf der Apple-Website angeschaut werden.

Schädlinge und Jux-Video

Pünktlich zur WWDC sind auch die Betrüger auf den Apple-Zug aufgesprungen und versuchen, mit sensationellen Meldungen rund um das iPhone 5 zu locken. So warnt die Sicherheitsfirma Sophos ausgerechnet vor Windows-Malware, die sich in einer falschen Nachricht zum neuen Apple-Smartphone versteckt.

Angeblich soll das iPhone 5G über ein Keyboard verfügen, das sich ein- und ausklappen lässt. Das ist natürlich ein Fake und soll neugierige Nutzer animieren, einen gefährlichen Link anzuklicken. PC-Besitzer, die hereinfallen, müssen mit dem Befall durch einen tückischen Trojaner rechnen.

Kurz vor Eröffnung der Konferenz war zudem auf YouTube ein «exklusives Preview» zum neuen mobilen Betriebssystem iOS 5 aufgetaucht. Das Jux-Video enthält einige verblüffende Features (siehe unten).

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