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FordDie Jagd auf Ferrari & Co. geht im Ford GT weiter

Thomas Geiger sass am Steuer des neuen Ford GT. Sein Fazit: «Mit diesem Renner stiehlt Ford jedem roten Renner aus Maranello die Show.»

von
tg
12.5.2017
Wer im GT sitzt, der kann einfach nicht langsam. Und der will es auch nicht. Zu riesig ist der Reiz des Rasens und zu gross die Versuchung, schnell wieder in den Trackmode zu wechseln.

Wer im GT sitzt, der kann einfach nicht langsam. Und der will es auch nicht. Zu riesig ist der Reiz des Rasens und zu gross die Versuchung, schnell wieder in den Trackmode zu wechseln.

wes Duenkel
Eine halbe Million muss man schon anlagen, wenn man im teuersten Ford aller Zeiten ab diesem Sommer noch einmal Ferraris jagen will.

Eine halbe Million muss man schon anlagen, wenn man im teuersten Ford aller Zeiten ab diesem Sommer noch einmal Ferraris jagen will.

wes Duenkel
Zwar ist der GT für die Rennstrecke entwickelt und deshalb auf einem Rundkurs in seinem Element. Doch kann man mit dem Boliden tatsächlich auch ein bisschen Bummeln.

Zwar ist der GT für die Rennstrecke entwickelt und deshalb auf einem Rundkurs in seinem Element. Doch kann man mit dem Boliden tatsächlich auch ein bisschen Bummeln.

wes Duenkel

Ein Ford, der es mit einem Ferrari aufnehmen kann? Das ist kein Fall von Grössenwahn, sondern das nächste Kapitel einer ebenso alten wie guten Geschichte. Denn wenn die Amerikaner in diesem Sommer endlich ihren neuen GT vom Stapel lassen, ist das nicht weniger als die Wiedergeburt einer Legende.

Die beginnt vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert mit Verhandlungen darüber, ob Ford nicht vielleicht Ferrari kaufen sollte. Weil die Italiener den Deal auf der Zielgeraden platzen liessen, war Firmenchef Henry Ford so sauer, dass er zu einem unkonventionellen Gegenschlag ausholte: Denn eigentlich nur um Enzo Ferrari für die gescheiterte Übernahme zu bestrafen, hat der PS-Patriarch aus Detroit Anfang der Sechzigerjahre einen eigenen Supersportwagen entwickeln lassen, mit denen die Amerikaner den Italienern «mal kräftig in den Hintern treten» sollten. Und dieser Tritt hat so gut gesessen, dass Ford bei den «24 Stunden von Le Mans» 1966 gleich alle drei Podiumsplätze erobert und der Konkurrenz die Rücklichter gezeigt hat. Kein Wunder, dass der GT auch als Strassensportwagen ein Renner war und bis heute für Millionen gehandelt wird: Weil von 1964 bis 1968 nur 134 Exemplare gebaut wurden, hat es die Flunder von Ford mittlerweile zum wertvollsten US-Oldtimer der Welt gebracht.

Ein Auto das alle Grenzen sprengt

Achtstellig sind die Summen zwar nicht, die ein paar handverlesene Raser für die pro Jahr gerade einmal 250 Exemplare des neuen GT bezahlen sollen. Doch eine halbe Million muss man schon anlagen, wenn man im teuersten Ford aller Zeiten ab diesem Sommer noch einmal Ferraris jagen will. Allerdings bekommt man dafür auch ein Auto, das alle Grenzen sprengt.

Denn das Serienmodell sieht nicht nur fast genauso aus, wie der Rennwagen, mit dem die Amerikaner im letzten Jahr pünktlich zum 50. Jubiläum ihres Sensationssieges in Le Mans noch einmal einen Klassensieg errungen haben, sondern er fährt auch so. Auf Tempo und auf nichts anderes als Tempo getrimmt, gibt der GT den kompromisslosen Tiefflieger, der nur wiederwillig in das Korsett der Strassenzulassung gezwungen wurde: Die Sitze so fest mit der Karosserie aus Karbon verbacken, dass man für die perfekte Position stattdessen die Pedale verstellen muss, das Lenkrad mit Knöpfen und Schaltern gespickt wie in der Formel 1 und das Display dahinter nur Daten und kein Kino – so fokussiert sich der Fahrer wie von selbst auf die Strasse und rast ohne Ablenkung dem Horizont entgegen.

Die Jagd auf Ferrari & Co. geht im Ford GT we

Thomas Geiger sass am Steuer des neuen Ford GT. Sein Fazit: «Mit diesem blauen Renner stiehlt Ford jedem roten Renner aus Maranello die Show.»

Als Treibsatz dient dabei ein 3,5 Liter grosser V6-Motor, der zwar für einen Supersportwagen ungewöhnlich leise ist, trotzdem Leistung und Leidenschaft bietet. Nicht umsonst pressen die von mächtigen Lüftern beatmeten Lader den sechs Zylindern etwas mehr als 650 PS ab und mobilisieren knapp 750 Nm, die von den breiten Walzen im Heck locker auf die Strasse gebracht werden. Weil der GT dabei weder dem Wind noch der Waage viel Widerstand zu bieten hat, fällt die Tempo 100-Marke nach nur etwa 2,8 Sekunden, und wen unterwegs auf der Rennstrecke der Mut nicht verlässt, den beschleunigt der GT danach mir nichts dir nichts weiter auf knapp 350 km/h. So schnell war noch kein anderer Ford mit Strassenzulassung. Dabei verwächst der Ami fast mit der Fahrbahn, hält narrensicher seine Spur, nutzt jede noch so kurze Gerade zum Zwischenspurt und verzögert mit den Keramikbremsen und der riesigen Airbrake vor den Kurven derart eisern, dass einem die Fliehkraft fast die Augen aus dem Schädel treibt.

Der GT funktioniert auch im Alltag

Zwar ist der GT für die Rennstrecke entwickelt und deshalb auf einem Rundkurs in seinem Element. Doch kann man mit dem Boliden tatsächlich auch ein bisschen Bummeln. Natürlich ist er viel zu breit und unübersichtlich für den Stadtverkehr, und bei einem Kofferraum kaum grösser als eine Schuhschachtel dürfte es mit der Fahrt in die Sommerferien schwierig werden. Doch im Komfortmodus sind die Federn sanft und die Automatik bedächtig genug für eine langsame Landpartie. Nicht umsonst haben die Amerikaner einen Navi-Bildschirm in den Querträger aus Karbon geschnitten, eine Klimaanlage in das Puzzle der Versteifungsröhren für die Kabine gequetscht und sogar zwei offenbar unverzichtbare Cupholder in den Mitteltunnel gepasst.

Das Problem ist deshalb weniger das Auto als sein Fahrer. Denn wer im GT sitzt, der kann einfach nicht langsam. Und der will es auch nicht. Zu riesig ist der Reiz des Rasens und zu gross die Versuchung, schnell wieder in den Trackmode zu wechseln, sich fünf Zentimeter tiefer auf den Asphalt plumpsen zu lassen und einmal mehr zur Jagd auf Ferrari & Co. zu blasen.

Das ist ein Privileg, das allerdings nicht viele Ford-Fahrer haben werden. Nicht nur, weil das Auto so teuer ist. Sondern mehr noch, weil es so selten gebaut wird. Denn obwohl Ford die geplante Laufzeit bereits auf vier Jahre verdoppelt hat, wird es nur 1000 Exemplare geben. Aber für alle Enttäuschten haben die Amerikaner einen Trost: «Alles, was wir bei diesem Auto ausprobieren», verspricht Technikvorstand Raj Nair, «kommt irgendwann auch der Grossserie zugute.»

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