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Die spinnen die WalliserDie Jagd auf Jäger ist eröffnet

Verteidigen Walliser Waidmänner ihre Reviere neuerdings mit Waffengewalt? Nachdem innert Stunden zwei Jäger unter Beschuss gerieten, ermittelt nun die Polizei.

von
Adrian Müller
Der Kampf um das Wild nimmt im Wallis gefährliche Formen an.

Der Kampf um das Wild nimmt im Wallis gefährliche Formen an.

Gleich zweimal gerieten im Wallis Jäger selbst unter Beschuss: Ein Mann streifte am 28. September während der Hochwildjagd durch das Val d'Hérens, als plötzlich ein Schuss fiel. Steinsplitter trafen den Jäger am Körper. Nur knapp eine Stunde später knallte es erneut, diesmal in der Region Crosets. Die Kugel schlug in einem Felsen in unmittelbarer Nähe des Mannes ein.

«Wir vermuten, dass Jäger ihre Territorien verteidigen und mit den Schüssen ihre Kollegen einzuschüchtern versuchen», sagt Polizeisprecher Jean-Marie Bornet zu 20 Minuten Online. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Konflikte zwischen Jägern haben sich im Wallis verschärft: «Es werden Drohnungen ausgesprochen, wir haben Beschwerden erhalten», so Bornet, der selbst auch auf die Pirsch geht.

«Reibereien, wie auf dem Fussballplatz auch»

Die Jagd auf Jäger scheint eröffnet. Daniel Lauber, Vizepräsident des Walliser Jägerverbands, ist entsetzt: «Die Täter müssen hart bestraft werden. Das hat mit Jagd nichts mehr zu tun». Wie überall gebe es aber auch unter den Jägern schwarze Schafe. Er glaubt aber nicht, dass sich die Rivalität unter den Walliser Schützen verschärft habe. «Natürlich gibt es ab und zu Reibereien – wie auf einem Fussballplatz auch», so Lauber.

Bei Hanspeter Egli, Präsident von Jagen Schweiz, lösen die Zwischenfälle Kopfschütteln aus. «Es ist nicht unüblich, dass Jäger bei der Patentjagd ihr Stammgebiet markieren – aber sicher nicht mit Waffengewalt!» Von besonders hitzigen Diskussionen habe er etwa aus dem Bündnerland gehört. Wie im Wallis kann man dort mit einer Jagdlizenz im ganzen Kanton jagen.

«Im Wallis aber ist offenbar nichts unmöglich»

Der passionierte Jäger und Chefredaktor von «Jagd & Natur», Karl Lüönd, beobachtet die Jagdszene seit 30 Jahren. Dass Jäger sich selbst jagen, ist für ihn neu. Jäger seien einander zwar durchaus nicht immer freundlich gesinnt. «Wenn man plötzlich einen Konkurrenten auf dem ‚eigenen' Hochsitz antrifft, kann dies schon einmal zu einer bösen Auseinandersetzung führen», sagt er. Aber auf ihn schiessen? «Im Wallis aber ist offenbar nichts unmöglich», so Lüönd mit einem Augenzwinkern.

Insgesamt habe sich die Rivalität unter den Jägern in den letzten Jahrzehnten stark abgeschwächt. «In der Schweiz gab es während dem zweiten Weltkrieg sogar noch Wilderer, die sich ihr eigenes Fleisch aus den Wäldern holten.»

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