Streichkonzert: Die Jobvernichter
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StreichkonzertDie Jobvernichter

Kein Tag vergeht ohne Hiobsbotschaft zu einem Stellenabbau. Die Schweizer Konzerne haben in den letzten sechs Monaten mehr als 2000 Jobs gestrichen.

von
egg

Banken, Pharma-Unternehmen und Energiekonzerne – sie alle bauen weltweit im grossen Stil Stellen ab. Auch die Schweiz als Firmenstandort ist betroffen von den Sparmassnahmen der global tätigen Konzerne. In den Ballungszentren Zürich und Basel sowie im Mittelland werden in den nächsten Monaten Tausende von Jobs verschwinden. Die folgende Aufstellung zeigt, wo und wie sie abgebaut werden:

1. November, CS: Die Credit Suisse kündigt am Dienstag an, noch einmal rund 1500 Stellen zusätzlich abzubauen. Bereits im Juli hatte die Grossbank die Streichung von weltweit 2000 Stellen angekündigt. Der Abbau trifft vor allem die Investmentbank. Auch Mitarbeiter im Privatkundengeschäft dürfte der neuerliche Stellenabbau treffen. Diese arbeiten zu einem grossen Teil in der Schweiz, im Gegensatz zu den Investmentbankern, welche die CS vor allen in den Weltfinanzzentren London und New York beschäftigt. Genaue Zahlen für die Schweiz will sich die Bank noch nicht entlocken lassen.

31. Oktober, Kudelski: Der Westschweizer Verschlüsselungsspezialist baut 270 seiner weltweit rund 3000 Stellen ab. In der Schweiz gehen rund 90 Stellen verloren. Alle Bereiche seien vom Personalabbau betroffen, sagte CEO und Verwaltungsratspräsident André Kudelski. Immerhin spart die Firma auch in den oberen Etagen: Die Geschäftsleitung wird auf vier Mitglieder reduziert.

26. Oktober, Schindler: Trotz eines Gewinns von mehr als einer halben Milliarde Franken in den ersten neun Monaten des Jahres 2011, muss der Lift- und Rolltreppenbauer Stellen abbauen: Weltweit sollen es etwa 1700 sein, in der Schweiz rechnet das Unternehmen mit einem «marginalen» Abbau von rund 30 Stellen bis Ende 2012. Diese sollen über natürliche Fluktuation und interne Wechsel erfolgen.

25. Oktober, Novartis: Letzte Woche kam die Hiobsbotschaft aus Basel: Beim Pharmakonzern Novartis stehen insgesamt 2000 Stellen auf der Kippe. 1100 sollen es in der Schweiz sein. Eine Massenentlassung droht mit 270 Stellen erstmals auch im Bereich Forschung und Entwicklung.

September und Oktober, Stromkonzerne: In den Herbstmonaten kündigen gleich drei grosse Schweizer Stromkonzerne einen Stellenabbau an: Zuletzt der Berner Energiekonzern BKW. Er will im Netzgeschäft 55 Stellen streichen. Auch bei den beiden grössten Energiekonzernen Alpiq und Axpo stehen in den nächsten Monaten «Restrukturierungen» – das heisst: ein Stellenabbau – an. Über die Grössenordnung haben sich beide Konzerne noch nicht geäussert, doch es geht um Sparprogramme in Millionenhöhe. Details dürften in den kommenden Monaten bekannt werden. Die Unternehmen in der Strombranche reagieren damit auf die veränderte Situation nach Fukushima und den vom Parlament beschlossenen Atomausstieg. Auch der starke Franken macht ihnen zu schaffen.

30. September, Bank Julius Bär: Die Zürcher Privatbank kündigt die dritte Sparrunde im laufenden Jahr an. Wieviele der weltweit 3500 Stellen von einem Abbau betroffen sein werden, teilt die Bank nicht mit. Die «Neuen Zürcher Zeitung» schätzt: Es könnten rund 150 sein.

29. September, SR Technics: Die Flugzeugwartungsfirma sieht sich wegen der Frankenstärke gezwungen, Jobs abzubauen. In Zürich sollen bis zu 250 Stellen betroffen sein. Die Gewerkschaft VPOD rechnet inzwischen allerdings mit weniger als 200 Entlassungen. Laut der «Handelszeitung» steckt SR Technics in einer Krise. Bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Franken soll das Unternehmen im vergangenen Jahr 125 Millionen Franken Verlust geschrieben haben.

28. September, Huntsman: Der amerikanische Chemiekonzern will in Basel massiv Stellen abbauen. Die Rede ist von rund 600 Stellen. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, sollen es dann aber «nur» noch rund 80 Stellen sein, zu zwei Dritteln in Basel, zu einem Drittel in Monthey VS.

23. August, UBS: Der Gewinneinbruch der UBS im dritten Quartal 2011 bleibt ebenfalls nicht ohne Folgen: Der damalige Konzernchef Oswald Grübel kündigt an, bis Ende 2013 weltweit 3500 Stellen zu streichen – rund jeden 20. Arbeitsplatz. Am stärksten ist auch bei der UBS das Investmentbanking betroffen, 35 Prozent der 3500 Arbeitsplätze werden im Bereich Vermögensverwaltung gestrichen. Inzwischen sollen rund 400 Angestellte in der Schweiz die Kündigung erhalten haben.

17. Mai, Valora: Der Nachfragerückgang im Pressemarkt macht der Kioskbetreiberin zu schaffen. 27 Jobs im Geschäftsfeld «Services» am Hauptsitz in Muttenz werden gestrichen. Betroffen sind kaufmännische Mitarbeiter des Printmedien-Einkaufs in Europa, namentlich die Abteilungen Disposition/Vertriebssteuerung, Kundenservice und Verlagsabrechnung.

Mai, Alstom: Der französische Industriekonzern hatte im Oktober 2010 einen weltweiten Abbau von 4000 Stellen angekündigt. Im Mai 2011 wird klar: In der Schweiz, genauer in den Werken in Birr und Baden AG sind in einer ersten Phase 180 Kündigungen ausgesprochen worden. Zunächst hatte ein Verlust von bis zu 760 Stellen gedroht. Die Zahl konnte durch Frühpensionierungen, Versetzungen und Abgänge aber auf 350 gesenkt werden.

Die weiteren Aussichten: Durchzogen bis trüb

Soweit der ernüchternde Blick zurück. Doch auch in Zukunft sieht es für gewisse Arbeitnehmer nicht viel besser aus. So dürfte es für viele Bankangestellte in den kommenen Monaten schwierig werden, einen neuen Job zu finden. Gemäss dem quartalsweise erhobenen Finews-JobDirectory-Index ist die Zahl der offenen Arbeitsstellen bei Banken im September 2011 um 42 Prozent auf 1024 zurückgegangen. Einzig die Kantonalbanken suchten etwas mehr Personal als noch im Sommer.

Einige Finanzfachleute aus den Banken dürften immerhin noch bei den Versicherungen unterkommen: In der Versicherungsbranche sieht es für offene Stellen etwas besser aus: Ende September wurden mit 1223 zwar weniger offene Stellen angeboten als noch im Sommer, doch über fünf Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

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