Christina Chubbuck: Die Journalistin, die sich live im TV erschoss
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Christina ChubbuckDie Journalistin, die sich live im TV erschoss

Sie war erfolgreich, doch glücklich war Christine Chubbuck nicht: Mitten in einer Live-Sendung greift sie zur Waffe und erschiesst sich.

von
Fee Riebeling

Der 15. Juli 1974 schien in Florida ein Tag wie jeder andere zu werden: Pünktlich um 9.30 Uhr in der Früh begrüsst Moderatorin Christine Chubbuck all diejenigen, die die TV-Nachrichtensendung «Suncoast Digest» eingeschaltet haben. Es folgen drei Beiträge über Geschehnisse in den USA. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

Der von Chubbuck anmoderierte vierte Beitrag wird nicht angezeigt. Anstatt wie sonst über die Panne hinweg zu moderieren, schaut sie ruhig in die Kamera und sagt: «Übereinstimmend mit der Tradition von Channel 40, Ihnen die neusten Blut- und Eingeweide-News live und in Farbe zu bringen, sehen Sie nun eine weitere Premiere – einen Selbstmordversuch.» Sie greift unter den Tisch, zieht einen Revolver und schiesst sich in den Kopf.

Ein ganz besonderer Abschiedsbrief

Dass sie zunächst vornüberfällt und dann zu Boden rutscht, wie später die Zeitungen berichten, bekommen die Zuschauer nicht mit. Der technische Leiter hat geistesgegenwärtig die Regler nach unten gezogen – die Bildschirme wurde schwarz. Christine Chubbuck überlebt zunächst schwer verletzt, stirbt jedoch 14 Stunden später im Alter von nur 29 Jahren im Sarasota Memorial Hospital.

Auf ihrem Pult wird später das blutgetränkte Skript zu den Vorkommnissen gefunden, das auch ihre Einlieferung ins Spital vorsieht, wo sie wenig später stirbt. In ihren Notizen verabschiedet sich Chubbuck zudem von ihren Kollegen und versichert, dass sie genau das getan habe, was sie habe tun wollen, und zwar auf eine Art und Weise, dass alle es sehen könnten.

Anzeichen gab es genug

So überraschend der Suizid für ihre Kollegen und die Zuschauer auch war: Er hatte sich schon früh angekündigt. Schon als Kind sei sie anders gewesen, erzählte ihr Bruder Greg später dem «People»-Magazin: «Wir haben immer gewusst, dass uns nicht viel Zeit mit Chrissie bleibt.»

Und damit der Anzeichen nicht genug: Bereits 1970 hatte die studierte Journalistin und Moderatorin versucht, sich mithilfe einer Überdosis das Leben zu nehmen. Zudem konsultierte sie wegen ihrer Depressionen und Selbstmord-Gedanken regelmässig einen Psychiater. Beim Sender erzählte sie jedoch niemandem davon – aus Angst, man würde sie feuern.

Konsequentes Vorgehen

Und so nahm an ihrem Arbeitsplatz niemand die Hinweise ernst, die sich in den Wochen vor ihrem Freitod häuften: So bat sie etwa ihren Vorgesetzten Mike Simmons darum, einen Beitrag über Suizid machen zu dürfen. Er gestattete es ihr.

Ein Fehler: Denn bei den Recherchen erfuhr Chubbuck von einem Polizisten, wie man sich punkto Kaliber und Einschussstelle am sichersten erschiessen könne – Wissen, das sie am 15. Juli anwenden konnte.

Auch dass sie in der Woche vor ihrer Tat erwähnt, sich eine Waffe gekauft zu haben, irritiert beim Sender niemanden. Auch nicht, dass sie darüber scherzt, dass sie sich damit on-air eine Kugel in den Kopf schiessen könnte. «Ich wechselte einfach das Thema. Der Witz war mir einfach zu krank», zitiert die «Washington Post» damals Chubbucks Kollegen Rob Smith.

Zwei Filme zum Thema

Beim Sundance Film Festival feierten in diesem Jahr gleich zwei Filme Premiere, die sich den Geschehnissen vom 15. Juli 1974 widmen.

«Christine» verkörpert die britische Schauspielerin Rebecca Hall die Journalistin Christine Chubbuck in den letzten Tagen vor ihrem Tod.

«Kate plays Christine» hingegen ist ein experimenteller Dokumentarfilm über eine Schauspielerin, die sich auf ihre Rolle der Christine Chubbuck vorbereitet.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (www.143.ch); Online-Beratung für Jugendliche mit Suizidgedanken: www.u25-schweiz.ch

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (www.nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (www.verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (www.verein-regenbogen.ch).

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