«Generation Gähn»: Die Jugendlichen von heute sind Langweiler

Publiziert

«Generation Gähn»Die Jugendlichen von heute sind Langweiler

Die nach 1990 Geborenen sind um einiges braver als ihre älteren Geschwister: Sie trinken weniger Alkohol, rauchen praktisch nicht mehr und wählen politisch konservativer.

von
N. Glaus/ S. Marty

Im Vergleich zu ihren älteren Geschwistern sind die heutigen Jugendlichen brav. Das zeigen Zahlen in der Schweiz. Waren 2001 noch 66 Prozent der 14- bis 19-Jährigen Nichtraucher, sind es nun bereits 73 Prozent. Auch den Alkoholkonsum haben sie gedrosselt. Nur noch ein Prozent der Jugendlichen der 15- bis 24-Jährigen gibt an, täglich Alkohol zu konsumieren. Im Jahr 1992 waren es noch 5 Prozent. Auch der Wähleranteil bei den konservativen Kräften wie etwa der SVP steigt. Dieser nimmt aber nicht nur bei den Jungen, sondern auch bei älteren Stimmbürger zu.

In England zeigen die Zahlen ebenfalls den Trend hin zu einer «Generation Gähn», wie storyfilter.ch die englische Zeitschrift «The Telegraph» zitiert. Der englische Autor Will Self analysiert: «Ihr habt nichts, wogegen ihr rebellieren könnt.» Auch die Uni-Professorin Fiona Measham pflichtet ihm bei: «Jetzt gibt es eine neue Bewegung in Richtung Nüchternheit bei Jungen.» Die Generation zuvor habe sich hingegen ins Koma getrunken und Kokain genommen.

Der Rebell ist ein Auslaufmodell

Das angepasste Verhalten der heutigen Jugendlichen fällt auch dem Schweizer Jugendpsychologen Leo Gehrig auf. Zwar habe es unter den Jugendlichen schon immer auch eine Vorliebe für konservative Werte gegeben. Dass sich dieser Trend hierzulande verstärke, habe auch etwas mit den unzähligen Möglichkeiten zu tun, die ihnen heute offenstünden: «Viele Jugendliche fühlen sich von dieser Multioptionsgesellschaft überfordert.» Traditionelles wie eine feste Beziehung oder eine eigenes Haus sei deshalb auch ein Ausdruck der Suche nach Halt in «dieser Welt der tausend Möglichkeiten».

Unter den Jugendlichen vermisse man zunehmend einen Typ: «Den gesunden, liebenswürdigen Rebellen gibt es heute tatsächlich weniger», so Gehrig. Bereits seit dreissig Jahren führe er während einzelner Wochenenden Freikurse mit Maturanden durch: «Früher haben mich die Jugendlichen viel mehr gefordert.»

Dass die Jungen weniger rebellieren, lasse sich auch damit erklären, dass die Grenzen heute viel weiter gesteckt seien. Noch vor 50 Jahren habe man sich gegen die engen gesellschaftlichen Werte auflehnen können. «Im Gegensatz zu damals wird vieles heute einfach toleriert.» Für Gehrig braucht es deshalb wieder viel mehr konstruktive Auseinandersetzung mit den Jugendlichen: «Wie will man sich schon gesund gegen etwas auflehnen, wenn die Erwachsenen zu wenig Widerstand mehr geben?»

Junge sind disziplinierter

Mit dem gesellschaftlichen Leistungsdruck und einem Trend hin zu einer «stärkeren Disziplinierung» begründet der Sprecher von Sucht Schweiz, Markus Meury, etwa den Rückgang des Rauchens: «Heute wissen alle, dass Rauchen tödlich ist.» Zudem würden Jugendliche sehr stark auf Preiserhöhungen beim Tabak, aber auch beim Alkohol reagieren. «Glücklicherweise haben wir diesbezüglich auch beim Rauschtrinken nach einer starken Zunahme wieder eine leichte Abnahme festgestellt.» Hier von einem Trend zu sprechen, wäre für Meury aber noch zu früh.

Deine Meinung