Todesfalle Eigernordwand: Die jungen Bergsteiger erfroren beim Abstieg
Aktualisiert

Todesfalle EigernordwandDie jungen Bergsteiger erfroren beim Abstieg

Drama am Eiger: Zwei junge, bergerfahrene Bergsteiger sind erfroren. Sie waren seit Sonntag an der Westflanke der Eigernordwand gefangen. Das miserable Wetter verhinderte eine Rettung. Erste Bilder vom Berg zeigen, warum die Kletterer keine Chance hatten.

von
Adrian Müller
Markus Fehlmann

Wie der Rettungschef des SAC Interlaken, Marc Ziegler, an der Medienkonferenz in Interlaken mitteilte, sind die beiden jungen Schweizer Bergsteiger heute Morgen tot aufgefunden worden. Die Leichen befinden sich noch in der Westflanke der Eiger Nordwand. Die Opfer befanden sich auf dem Abstieg in Richtung Eigergletscher.

Fünf Meter fehlten

An einer Heli-Seilwinde versuchten die Retter am Mittwochmorgen um 6 Uhr 30 in die Wand zu fliegen und die jungen Bergsteiger zu retten. Fünf Meter fehlten, um die beiden zu erreichen. Doch zu diesem Zeitpunkt war es schon zu spät. Aus der Luft konnte ein Arzt aufgrund der Körperhaltung feststellen, dass die beiden Bergsteiger erfroren waren. Die Bergungsarbeiten mussten danach wegen des starken Windes abgebrochen werden.

Der Alarm ging bei der Rega am Montagabend ein. Das miserable Wetter verhinderte, dass die Rettungsaktion bereits Montagnacht gestartet wurde. Am Dienstag versuchten die Retter, zu den jungen Bergsteigern hinaufzusteigen. Ein Meter Neuschnee, minus 22 Grad und starker Wind führten jedoch dazu, dass die Retter nur 10 Meter pro halbe Stunde vorwärts kamen. «Wir waren angezogen wie in Alaska, trotzdem können wir froh sein, keine Erfrierungen davongetragen zu haben», schilderte Ziegler die Situation im Berg. Zudem herrschte grosse Lawinengefahr. Darauf brachen sie den Bergungsversuch am Dienstag um 16.30 Uhr ab.

Kein Kontakt mehr

Ein direkter Kontakt oder eine Kommunikation mit den Bergsteigern konnte heute nicht mehr hergestellt werden. Gestern gelang es dem Vater des einen Opfers noch, eine Verbindung über das Mobiltelefon aufzubauen. Zudem versuchten die Retter das Mobiltelefon der Opfer anzupeilen, was jedoch nicht klappte.

Am Mittwochmorgen sichtete ein Rega-Heli die vermissten Bergsteiger. Wegen starken Windes konnten sie die Opfer, welche seit Montag in der Eigernordwand gefangen sind, nicht bergen. «Es war eine extrem schwierige Rettung, der Wind bläst mit 80 km/h», erklärt Rettungschef Kurt Amacher.

Einer der schwierigsten Berge

Berühmt-berüchtigt ist die schwierig zu durchkletternde, ungefähr 1650 Meter hohe Nordwand des Eigers, eine der drei grossen Nordwände der Alpen.

Die Gesamtschwierigkeit wird mit «äusserst schwierig» angegeben. Im Normalfall dauert die Tour zwei bis drei Tage. Durch die vielen Quergänge ergibt sich aus der Wandhöhe von 1650 Metern eine Kletterstrecke von vier Kilometern.

Wegen der zahlreichen erfolglosen Besteigungsversuche in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts erliess die Regierung des Kantons Bern 1936 ein Verbot der Besteigung der Eiger-Nordwand, das jedoch rechtlich nicht haltbar war.

Die Opfer liegen auf 3800 Meter ü. Meer an der Westflanke der Eigernordwand.

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