Aktualisiert 20.11.2013 10:20

Gruppendruck

Die Jungen sind im Sex-Stress

Teenager steigen heute mit mehr verschiedenen Personen ins Bett als noch vor ein paar Jahren. Junge Männer sind zudem immer häufiger bereit, für Sex zu bezahlen.

von
Nina Jecker
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Die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zeigen: Junge haben heute mit viel mehr verschiedenen Partnern Sex als noch vor ein paar Jahren. Das kann laut einer neuen Studie Depressionen auslösen.

Die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zeigen: Junge haben heute mit viel mehr verschiedenen Partnern Sex als noch vor ein paar Jahren. Das kann laut einer neuen Studie Depressionen auslösen.

Photographer: Artem Furman
Jeder siebte Mann zwischen 18 und 20 Jahren gab sogar an, bereits mindestens einmal mit einer Prostituierten geschlafen zu haben.

Jeder siebte Mann zwischen 18 und 20 Jahren gab sogar an, bereits mindestens einmal mit einer Prostituierten geschlafen zu haben.

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Sexualpädagogin Elisabeth Schütz findet den freieren Umgang mit Sex grundsätzlich begrüssenswert: «Die Jugendlichen können so wichtige Erfahrungen sammeln.» Wichtig sei aber, dass die Aufklärung in Bezug auf eigene Entscheidungen und Verhütung gut funktioniere.

Sexualpädagogin Elisabeth Schütz findet den freieren Umgang mit Sex grundsätzlich begrüssenswert: «Die Jugendlichen können so wichtige Erfahrungen sammeln.» Wichtig sei aber, dass die Aufklärung in Bezug auf eigene Entscheidungen und Verhütung gut funktioniere.

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In den Betten der Schweizer Jugendlichen herrscht heute deutlich mehr Verkehr als früher. Dies zeigen aktuelle Zahlen vom Bundesamt für Gesundheit. Jeder dritte Mann zwischen 18 und 20 Jahren hatte demnach während der letzten zwölf Monaten Schäferstündchen mit drei oder mehr unterschiedlichen Personen. Bei Frauen ist es bereits jede zehnte. Damit hat sich seit dem Jahr 2000 die Zahl der Teenager, die häufig den Sexpartner wechseln, verdoppelt. Nicht immer haben junge Frauen und Männer jedoch gleichermassen Lust: In der Befragung der 18- bis 20-Jährigen gab jeder siebte Mann an, bereits mindestens einmal für sexuelle Dienste bezahlt zu haben. Auch hier spricht das BAG von einer starken Zunahme.

Urs Kiener, Jugendpsychologe von Pro Juventute, erstaunen diese Zahlen nicht. «Die heutigen Jugendlichen sind die erste Generation, die in Sachen Sex eine totale Freiheit geniesst.» Die soziale und religiöse Kontrolle habe stark abgenommen und es sei nicht mehr verpönt, mehrere Partner kurz hintereinander zu haben. Dasselbe gelte für den Besuch im Bordell. «Sex ist zu einem Konsumgut geworden, das man sich bei Bedarf besorgen kann.»

«Den Jungen ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln»

Laut Sexologin Elisabeth Schütz vom Institut für Sexualpädagogik und Sexualtherapie Uster tragen auch Werbung und Internet zur neuen Freizügigkeit bei: «Jugendliche werden heute von allen Seiten dazu inspiriert, ihre Sexualität zu leben. Das beginnt bei erotischen Werbekampagnen und geht bis zur ständig verfügbaren sexuellen Angeboten im Internet.» Den Jugendlichen sei es wichtig, Dinge auszuprobieren und sexuelle Kompetenzen zu entwickeln.

Doch das freizügige Verhalten stelle Teenager vor neue Herausforderungen. «Der Druck, bereits früh sehr viel Erfahrung zu haben, steigt», sagt Schütz. Mit Sex sei es heute wie mit Konsumgütern: «Wer keinen Flatscreen-Fernseher daheim hat, braucht viel Selbstsicherheit.» Genauso gehe es einem 19-Jährigen, der noch Jungfrau ist. Was die Puff-Besuche der jungen Männer angeht, bräuchten sie Entscheidungskompetenzen – «welche Frau wählen sie und wie schützen sie sich?». «Wenn es einmal als Jugenderfahrung vorkommt, ist das in Ordnung.»

Bordell-Fans verlernen die Kunst des Flirtens

Problematisch werde es, wenn Heranwachsende nur noch zu Prostituierten gingen. «Weil sie dort keinerlei Verführungskünste anwenden müssen, verlernen sie, wie sie bei Frauen ankommen, die nicht für Geld zu haben sind.» Kiener sieht folgende Gefahr: «Verliert jemand den Zusammenhang von Sex und Liebe aus den Augen und sucht nur noch käuflichen Sex, drohen irgendwann finanzielle Probleme.» Nicht ohne Grund stünden Ausflüge ins Bordell bei vielen Kreditkartenfirmen auf Platz Zwei der Risikofaktoren für Geldprobleme – gleich nach Besuchen im Casino.

Beim BAG macht man sich vor allem um die Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten Sorgen. Beim Sex mit Prostituierten greifen nur 77,5 Prozent der jungen Männer zu einem Gummi. Das sind sechs Prozent weniger als sich beim Geschlechtsverkehr mit einer Gelegenheitsbekanntschaft schützen. Von den befragten Frauen verzichtet eine von vier beim One-Night-Stand auf ein Kondom.

20 Minuten sucht junge Erwachsene, die bereit sind, mit uns in einem Gruppengespräch offen über Sex zu sprechen. Melden Sie sich auf feedback@20minuten.ch

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