Wahlanalyse: «Die jungen Wähler trugen zum klaren Ergebnis bei»
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Wahlanalyse«Die jungen Wähler trugen zum klaren Ergebnis bei»

Emmanuel Macron gewann die Präsidentschaftswahlen überraschend klar. Woran das lag, erklärt Politologe Christoph Glauser.

von
Ann Guenter
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Paris feiert den neuen Präsidenten: Vor dem Louvre stieg am Sonntag die Party.

Paris feiert den neuen Präsidenten: Vor dem Louvre stieg am Sonntag die Party.

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Der frischgewählte Präsident machte sich nach seiner Rede vor dem Louvre auf dem Weg zum Wahlbunker in Paris.

Der frischgewählte Präsident machte sich nach seiner Rede vor dem Louvre auf dem Weg zum Wahlbunker in Paris.

Philippe Lopez
Vor dem Louvre tanzten und feierten seine Fans aber noch lange.

Vor dem Louvre tanzten und feierten seine Fans aber noch lange.

AP/Emilio Morenatti

Herr Glauser, wie interpretieren Sie den klaren Sieg Macrons?

Er zeigt, dass die Wähler der etablierten Parteien geschlossen für Macron gewählt haben. Damit haben wir tatsächlich nicht gerechnet, wir gingen eher von 55 Prozent Zustimmung aus. Denn viele Wähler monierten, dass sie keine Auswahl zwischen den Kandidaten hätten. Aber Le Pen war für sie dann doch nicht wählbar. Auch die jungen Wähler dürften zu dem klaren Ergebnis beigetragen haben. Sie gingen wählen, denn sie wollen ein weltoffenes Frankreich.

Was heisst Macrons Sieg für die etablierten Parteien?

Die Leute haben genug vom Establishment. Gleichzeitig setzt sich aber auch die Erkenntnis durch, dass sich im Land etwas tun muss. Das Programm von François Fillon hätte vielen Leuten gepasst, wäre der Konservative nicht in die Beschäftigungs-Affäre gerasselt. Er wollte einschneidende Veränderungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und machte auch klar, dass man in einige saure Äpfel beissen wird müssen, etwa bei den frühen Pensionen oder den Arbeitsstunden. Es wird den Franzosen langsam bewusst, dass es wie bisher nicht weitergeht. Offensichtlich trauen sie Macron diese Neuerungen zu.

Wo sehen Sie Gründe für die Niederlage Le Pens?

Für die ganz Rechte in Frankreich gibt es eine Grenze, die etwa bei 35 Prozent liegt und die sie nicht durchbrechen kann – es sei denn, sie beginnt, sich thematisch der Mitte anzunähern. Ein weiterer Grund für die Niederlage war sicher auch die TV-Debatte, in der Le Pen gar nicht gut ankam, weil sie sich dort gar nicht anständig aufführte. Da hats vielen Franzosen abgestellt. Viele wussten noch kurz vorher noch nicht, für wen sie stimmen sollten, die Debatte war matchentscheidend. Man merkte, wie nervös sie war und wie staatsmännisch Macron sein kann.

Inwiefern sind die fast 35 Prozent ein Achtungserfolg Le Pens?

Viele Franzosen sind unzufrieden, gerade mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Sie sind dieses eine Drittel, das man ernst nehmen muss, auch wenn Frankreich jetzt klar ein Votum gegen eine Abschottung und gegen den Extremismus gesprochen hat.

Sie sagten schon lange einen Sieg Macrons voraus. Wagen Sie schon eine Prognose für die Parlamentswahlen im Juni?

Nein, noch nicht. Regional werden die Karten wohl noch einmal ganz anders gemischt als auf der nationalen Ebene.

Christoph Glauser ist Politologe und Forschungsleiter bei der Analysefirma ArgYou.com. Diese wertet Daten über das Suchverhalten von Usern im Internet aus und misst bei Wahlen – als Ergänzung zu den klassischen Umfrageinstituten –

täglich, welche Kandidaten von User aufgerufen werden.

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