Hightech-Campus: Die Jungfraubahn fährt in China bis nach Freiburg
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Hightech-CampusDie Jungfraubahn fährt in China bis nach Freiburg

Im südchinesischen Dongguan hat der Technologiekonzern Huawei für seine Mitarbeiter einen Campus im europäischen Stil gebaut. Ein Besuch vor Ort.

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swe

Einige Impressionen, wie es auf dem Campus von Huawei aussieht. (Video: 20M)

Die Entdeckungsreise auf dem Huawei-Campus startet am Pariser Bahnhof. Das Klima ist hier deutlich wärmer und feuchter, als man es sich in der französischen Hauptstadt gewohnt ist. Doch architektonisch könnte man – wenn nicht überall chinesische Schriftzeichen wären – tatsächlich denken, man befinde sich inmitten Europas.

Hier sind jene Mitarbeiter tätig, die bei Huawei in der Forschung und Entwicklung arbeiten. Und Paris ist nur einer von zwölf Bereichen, die europäischen Städten und Regionen nachempfunden sind. Innert vier Jahren wurde in Dongguan auf einer Fläche von etwa 1,4 Millionen Quadratmetern ein neues Zuhause für die Mitarbeiter des Konzerns geschaffen.

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Im Süden von China in der Stadt Dongguan befindet sich der neue Firmencampus von Huawei. Auf einer Fläche von etwa 1,4 Millionen Quadratmetern wurde hier innert vier Jahren ein neues Zuhause für die Mitarbeiter des Konzerns geschaffen.

Im Süden von China in der Stadt Dongguan befindet sich der neue Firmencampus von Huawei. Auf einer Fläche von etwa 1,4 Millionen Quadratmetern wurde hier innert vier Jahren ein neues Zuhause für die Mitarbeiter des Konzerns geschaffen.

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Im Gegensatz zu anderen Unternehmen in der Branche wurde jedoch kein futuristisches Mega-Gebäude erstellt. Eher erinnert die Architektur und die Gestaltung der Anlagen an Europa.

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen in der Branche wurde jedoch kein futuristisches Mega-Gebäude erstellt. Eher erinnert die Architektur und die Gestaltung der Anlagen an Europa.

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Und dies ist kein Zufall. Die insgesamt 108 Gebäude auf dem Campus sind verschiedenen Städten und Regionen der alten Welt nachempfunden.

Und dies ist kein Zufall. Die insgesamt 108 Gebäude auf dem Campus sind verschiedenen Städten und Regionen der alten Welt nachempfunden.

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Schweizer Vorlage

Da die Mitarbeiter auf dem Campus nicht mit dem Auto herumfahren dürfen, nimmt man am besten den Zug, um von A nach B zu gelangen. Und das Rollmaterial sieht praktisch genau gleich aus wie die bekannte Jungfraubahn im Berner Oberland. Das ist kein Zufall: Die Züge wurden vom Schweizer Hersteller Stadler Rail gebaut.

Mit dem nächsten Zug geht es weiter. Nach einer kurzen Fahrt landet man in Verona, der italienischen Stadt, in der die Geschichte von Romeo und Julia spielt. Von einer kleinen Arena aus hat man eine gute Sicht auf das Heidelberger Schloss. Der Nachbau sieht noch aus wie am ersten Tag, das originale Gebäude in der deutschen Universitätsstadt ist hingegen zum Teil eine Ruine.

Weitere europäische Bereiche

Neben Paris, Verona und Heidelberg gibt es auf dem Campus auch einen Bereich, der der französischen Weinbauregion Burgund nachempfunden ist. Zudem können Besucher auf dem Campus die Altstadt des tschechischen Cesky Krumlov entdecken, die 1992 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Zu den weiteren Vorbildern zählen auch das italienische Bologna, das englische Windermere, Luxemburg, das belgische Brügge, die Universitätsstadt Oxford und das spanische Granada. Und neben dem Schweizer Zug gibt es auch einen Bereich, der von der Stadt Freiburg in der Westschweiz inspiriert wurde.

Entspannung in der Pause

Das Zugsystem auf dem Campus erstreckt sich über eine Distanz von 7,8 Kilometern. Und natürlich hat auch das chinesische Freiburg einen eigenen Bahnhof, an dem die Jungfraubahn regelmässig haltmacht. Von hier sind es nur einige Schritte bis zu einem kleinen Garten, der zum Verweilen einlädt.

Im benachbarten Gebäude können sich die Mitarbeiter verpflegen. Ein Buffet bietet alles, was das Herz begehrt. Neben chinesischen Gerichten und internationalen Speisen wie Sushi gibt es auch westliche Menüs. Zudem gibt es in der Nähe von Freiburg einen 7-Eleven-Laden, in dem sich die Mitarbeiter mit dem Nötigsten eindecken können.

Was man nach dem kurzen Besuch sagen kann, ist, dass der Konzern einen durchaus attraktiven und aussergewöhnlichen Campus erschaffen hat. Insgesamt 25'000 Mitarbeiter sollen auf dem Areal in Dongguan schlussendlich Platz finden. Und die Architektur und die Parkanlagen dürften durchaus für eine angenehme Arbeitsatmosphäre sorgen.

Wie geht es weiter mit den Handys von Huawei?

Im Mai dieses Jahres hat US-Präsident Donald Trump seiner Regierung per Dekret umfassende Möglichkeiten eingeräumt, gegen ausländische Telecomunternehmen vorzugehen, und Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. Die Folge: Amerikanische Firmen dürfen nicht mehr mit dem chinesischen Konzern zusammenarbeiten.

Unter anderem werden Huawei-Handys, die nicht bereits verkauft wurden, nicht mehr auf den Play Store von Google zugreifen dürfen und von Android-Updates abgeschnitten werden. Die Sanktionen wurden jedoch für 90 Tage ausgesetzt und Mitte August nochmals um 90 Tage bis zum 19. November verlängert.

Wie sieht die Strategie aus?

Zwar erhalten alle Huawei-Smartphones, -Tablets und -Laptops, die verkauft wurden und zurzeit auf dem Markt verkauft werden, weiterhin Sicherheitspatches, Android-Updates und Microsoft-Support. Und auch aktuelle Flaggschiff-Smartphones wie das P30 Pro werden Updates auf das kommende Android Q erhalten.

Da Huawei schlimmstenfalls künftig ohne ein Betriebssystem für seine Handys dastehen würde, hat der Konzern vorsorglich bereits ein eigenes entwickelt. An einer Entwicklerkonferenz Anfang August wurde Harmony OS offiziell vorgestellt. Dieses ist als Ökosystem für Geräte wie Wearables geeignet, es könnte aber theoretisch auch auf Smartphones zum Einsatz kommen.

Nach Angaben von Huawei soll das System – sollte es auf Handys zum Einsatz kommen – eine bessere Performance bringen als Android oder iOS. Denn das System ist von Grund neu aufgebaut und auf die Nutzung auf mehreren Geräten ausgelegt. Zudem soll Harmony OS auch mit Android-Apps kompatibel sein.

Drei Fragen an Chenglu Wang, Präsident der Software-Entwicklung bei der Huawei Consumer Business Group

Sie haben an Ihrer Entwicklerkonferenz das selber entwickelte Betriebssystem Harmony OS vorgestellt. Werden Sie dieses auch auf Handys nutzen, falls die Zusammenarbeit mit Google nicht mehr möglich ist?

Unser Plan B ist es, falls wir nicht mehr mit Google zusammenarbeiten dürfen, auf unseren Handys das eigene Betriebssystem zu verwenden. Aber ich möchte ganz klar sagen, dass unser Plan A weiterhin darin besteht, auf unseren Smartphones Android zu verwenden.

Wie lange würde es denn theoretisch dauern, von Android auf Harmony OS umzusteigen?

Wir sind zuversichtlich, dass wir weiterhin mit Google zusammenarbeiten können. Wir sind mehr als glücklich, ihre Android-Version zu benutzen. Im Notfall könnten wir das eigene System jedoch innert zwei bis drei Tagen verteilen.

Was wären denn allfällige Vorteile von Harmony OS gegenüber anderen mobilen Betriebssystemen?

Als wir Harmony OS entworfen haben, wollten wir die neueste Technologie entwickeln. Statt auf einen monolithischen Betriebssystemkern setzen wir auf eine sogenannte Mikrokernel-Architektur (Anm. d. Red. wie Googles Fuchsia). Das ist effizienter und unser Betriebssystem kann sowohl Android wie auch iOS bei der Leistung übertreffen und verbraucht weniger Energie.

Die Smartphone-Produktionsstätte von Huawei

Unweit des neuen Campus werden in der sogenannten Songshan Lake Hi-Tech Industry Development Zone auf einer Fläche von 1,4 Quadratkilometern Huawei-Handys hergestellt. Rund 20'000 Mitarbeiter kümmern sich hier um den gesamten Produktionsprozess, von der Erstellung der Platinen bis zum Verpacken des fixfertigen Smartphones. Das Unternehmen setzt auf die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, denn je nach Prozess werden zwar viele Arbeiten automatisiert von Robotern durchgeführt. Einige Schritte werden aber auch komplett manuell durchgeführt. Neben selbst entwickelter Soft- und Hardware verwendet Huawei für die Produktion auch Komponenten aus aller Welt. Unter anderem auch von Schweizer Unternehmen. Um ein Flaggschiff-Handy, beispielsweise ein Mate 20 Pro, herzustellen, benötigt die Fabrik genau 28,5 Sekunden.

Die Reise fand auf Einladung von Huawei statt.

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