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BundesratswahlenDie Kandidaten im Internet-Stresstest

Spätestens seit dem Wahlkampf von Barack Obama setzen alle Politiker weltweit auf das Internet. Nur nicht die Bundesratskandidaten. 20 Minuten Online hat die Web-Präsenz der Anwärter untersucht - und ist neben Einbahn-Kommunikation auf pikante Fotos gestossen.

von
Adrian Müller

Die Bundesratskandidaten haben die Unterstützung des Volkes nicht nötig - diesen Schluss lässt die Kurzanalyse der Webauftritte der drei Kandidaten der morgigen Bundesratswahl zu. Im Gegensatz zu den USA, wo Barack Obama seinen Wahlkampf im Web auf die Siegesstrasse lenkte, verzichten Schwaller und Co. auf eine aktuelle und interaktive Web-Präsenz. Klar: In der Schweiz wählt das Parlament und nicht das Volk die Landesväter - trotzdem sind die Web-Präsenzen eines zukünftigen Bundesrats unwürdig:

URS SCHWALLER –

DER HUNDE-FREUND

Webseite

Die Web-Präsenz des Deutsch-Freiburgers ist eingerostet: Auf der offiziellen Webseite www.urs-schwaller.ch stammt der letzte aktuelle Beitrag vom 30. August 2007, eine Rede zum 100-Jahr-Jubiläum der CVP Zürich. Wer mit dem Bundesratskandidaten diskutieren will, sucht vergebens nach einem Gästebuch oder einem Forum. Das Design ist zwar übersichtlich, basiert aber auf einer ideenlosen Content-Management-System-Vorlage – oder was haben die zwei Wolkenkratzer auf der Startseite mit dem Landei Schwaller zu tun? Den Sprachen-Streit hat der Christdemokrat wenigstens auf seiner Web-Präsenz gelöst: Sie ist auf Deutsch und Französisch abrufbar. Das Schmankerl auf der Internet-Präsenz des ewigen Bundesratskandidaten sind zwei Familienfotos, wo der Familienmensch mit dem Sohn Schach spielt und, ganz der Sämi Schmid, mit seinem Hund posiert.

Facebook

Für Schwaller ist Obama kein Vorbild: Der 56-jährige CVP-Ständerat verfügt über kein eigenes Facebook-Profil. Dafür empfehlen ihn in der Gruppe «Urs Schwaller in den Bundesrat» 957 Personen für höhere Aufgaben. Auch von Twitter hält sich Schwaller fern.

DIDIER BURKHALTER –

DAS PHANTOM

Der in der Deutschschweiz nach wie vor weitgehend unbekannte, vielfach als spröd und langweilig betitelte Neuenburger Ständerat macht seinem Ruf im Internet alle Ehre: Er betreibt weder eine eigene Webseite noch ein Facebook-Profil. Dafür fuchtelt er auf der Partei-Webseite mit seinem Zeigefinger über einer Copy-Paste-Medienmitteilung. Kein Wunder, hält sich die Euphorie der Web-Gemeinde in Grenzen: 422 Facebook-Members unterstützen ihn in der Gruppe «Didier Burkhalter au Conseil fédéral».

CHRISTIAN LÜSCHER –

DER EXHIBITIONIST

Webseite

Der Webauftritt des Genfer Bundesratskandidaten basiert weitgehend auf seiner Wahlkampf-Seite für die Ständeratswahlen 2007 – und ist wie jener von Urs Schwaller völlig veraltet. Auf der Seite glänzt gar noch das Logo der «Liberalen Partei der Schweiz», welche Anfang Jahr mit der FDP fusionierte. Ansonsten ist die Seite relativ gefällig gestaltet und mit vielen privaten Fotos bestückt. Hier spannt der 46-jährige Lüscher den Bogen zu weit: Er veröffentlicht ein qualitativ äusserst schlechtes Bild, auf dem er mit halbnacktem Körper zusammen mit seinen Söhnen posiert. Auch Lüscher begeht eine Einweg-Kommunikation, Gästebuch oder Forum sucht man vergebens.

Facebook

Christian Lüscher ist der einzige Facebook-Power-User der Bundesratskandidaten. Er zählt sage und schreibe 1455 «Freunde». Doch wer sich als Durchschnittsbürger ein Bild über den Rechtsfreisinnigen machen will, dem schlägt Lüscher die Türe zu: Nur Freunde dürfen sein Profil anschauen. Facebook gibt wenigstens einen Anhaltspunkt über den Frauengeschmack des Ex-Lovers von Lolita Morena: Lüscher ist Fan der dunkelhäutigen Dji Dieng, das Model «mit den längsten Beinen der Welt». Trotz der vielen «Freunde» hat Lüscher am wenigsten Anhänger in der Facebook-Gemeinde: Die Gruppe «Lüscher au conseil fédéral» zählt bloss 191 Mitglieder.

Bundesratswahl live

20 Minuten Online überträgt am Wahltag ab 8.00 Uhr live aus Bern. Alle aktuellen Entwicklungen und Auszählungen bis hin zur Vereidigung können Sie im Web-TV live mitverfolgen. 20 Minuten Online ist mit Reportern und einem Video-Team vor Ort. Ausserdem werden wir die ganze Wahl auch auf dem iPhone streamen. Reinklicken und hautnah dabei sein.

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