Aktualisiert 28.06.2011 10:40

US-Republikaner

Die Kandidatin und der falsche John Wayne

Die Abgeordnete Michele Bachmann steigt ins US-Präsidentschaftsrennen ein. Sie ist ein Liebling der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihre verbalen Ausrutscher.

von
Peter Blunschi

Sie ist attraktiv, stramm konservativ und eine tiefgläubige Christin. Michele Bachmann, Kongressabgeordnete aus Minnesota, Mutter von fünf eigenen und 23 Pflegekindern, hat am Montag ihre Bewerbung als Präsidentschaftskandidatin der Republikaner bekannt gegeben. Zu diesem Zweck reiste die 55-Jährige in ihre Geburtsstadt Waterloo in Iowa. In diesem ländlichen Bundesstaat im Mittleren Westen findet traditionell die erste Vorwahl statt.

Tags zuvor gab Bachmann dem Fernsehsender Fox News ein Interview. «Ich möchte, dass die Amerikaner wissen, dass John Wayne ebenfalls aus Waterloo stammt. Dieser Geist steckt auch in mir», erklärte die Abgeordnete. Damit spielte sie auf den legendären Westerndarsteller John Wayne an, der auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod eine Heldenfigur der amerikanischen Konservativen ist. Bereits in einem anderen Interview hatte sie sich auf «John Waynes Amerika» bezogen, in dem sie aufgewachsen sei.

Ein 33-facher Mörder

Dumm nur für Michele Bachmann: John Wayne, der als Marion Michael Morrison geboren wurde, stammt zwar aus Iowa, allerdings nicht aus Waterloo, sondern aus der rund 160 Kilometer entfernten Ortschaft Winterset. Ein anderer John Wayne hatte dagegen sehr wohl einen Bezug zu Waterloo, wie US-Medien herausfanden: John Wayne Gacy, einer der berüchtigsten Serienkiller der US-Geschichte. Er hatte 33 junge Männer umgebracht und war 1994 hingerichtet worden. Seinen «Geist» dürfte Michele Bachmann kaum gemeint haben.

Ihr Wahlkampfteam versuchte sich mit der Bemerkung herauszureden, die Eltern des Schauspielers Wayne hätten in Waterloo gelebt, was zutreffen könnte. Dennoch passt die Episode zu einer Politikerin, die immer wieder Mühe mit den Fakten bekundet. Die ersten Schüsse im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg seien in New Hampshire gefallen, sagte sie im März. In Wirklichkeit war es Massachusetts. Die Website Politifact hat 26 Aussagen Bachmanns auf ihren Wahrheitsgehalt gecheckt – nur eine erwies sich als vollständig korrekt.

Knapp hinter Romney

Dennoch wäre es ein Fehler, Michele Bachmann zu unterschätzen. Sie kann vor allem auf Unterstützung der populistischen Tea-Party-Bewegung hoffen, deren Positionen sie weitgehend vertritt. Sie ist eine leidenschaftliche Abtreibungsgegnerin, lehnt die Homo-Ehe ab, will möglichst viel Macht von der Bundesregierung in Washington auf die Bundesstaaten verlagern und die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama rückgängig machen.

Eine Umfrage in Iowa unterstrich, dass sie bei der innerparteilichen Kandidatenkür mitmischen könnte: Sie landete mit nur einem Prozentpunkt Unterschied auf Platz zwei hinter Mitt Romney, dem Ex-Gouverneur von Massachusetts. Mit ihrer jüngsten Popularität könnte Bachmann zur Rivalin von Sarah Palin werden, einer anderen Ikone der Sozialkonservativen. Die Ex-Gouverneurin von Alaska kokettiert seit längerem öffentlich mit einer Präsidentschaftsbewerbung, ist aber noch nicht offiziell in den Ring gestiegen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.