Aktualisiert

Kastrations-Aktion«Die Katze wurde zum Wegwerfartikel»

Die Tierschutzorganisation Netap kastriert verwilderte Büsi, um dem Katzenelend in der Schweiz ein Ende zu setzen. Die Region Basel sei davon besonders betroffen.

von
mis

Rund 40 Katzen wurden am Sonntag kastriert. (Video: mis)

Verwilderte Katzen sind ein Problem, das oft unerkannt bleibt. Nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen gibt es in der Schweiz bis zu 300'000 verwilderte Katzen. «Die Katze wurde zum Wegwerfartikel», sagt Esther Geisser, Gründerin des Network für Animal Protection. Die Streuner leiden oft an Krankheiten. Weil diese Katzen nicht kastriert sind, entsteht daraus ein Kreislauf des Elends.

Die Tierschutzorganisation Netap will diesen durchbrechen. 365 Tage im Jahr sind Freiwillige in der ganzen Schweiz unterwegs, um herrenlose und verwilderte Katzen zu kastrieren. Vergangenes Wochenende verhalfen sie in der Baselbieter Gemeinde Biel-Benken rund 40 Katzen zu einem besseren Leben.

Lange Warteliste mit zu vermittelnden Katzen

Am Sonntag wurde in der Tierklinik Leimental im Akkord operiert. Die am Samstag eingefangenen Katzen wurden während des ganzen Tages auf Krankheiten und Verletzungen untersucht, geimpft, kastriert und markiert. Überstand eine Katze den Eingriff gut, durfte sie bereits am nächsten Tag wieder in ihr Revier zurück.

Oft sei es für die Büsi aber nicht möglich, in ihr gewohntes Umfeld zurückzukehren, wie Esther Geisser, Gründerin von Netap gegenüber 20 Minuten erklärt: «Wir haben eine Warteliste von über 100 verwilderten Katzen, die von ihrem Revier weg müssen, da sie sonst getötet werden.» Solche Tiere zu platzieren, sei aber nur sehr schwer möglich. «Glücklicherweise haben wir eine gute Zusammenarbeit mit dem Tierschutzbund Basel, die Katzen mit guten Vermittlungschancen aufnehmen und ihnen ein Plätzchen suchen», so Geisser.

Lieber töten statt kastrieren

Da Katzen sich sehr schnell vermehren, sei eine konsequente Kastration die einzige nachhaltige Lösung gegen das Katzenleid. «Durch ein unkastriertes Katzenpaar können in zehn Jahren theoretisch 80 Millionen Katzen entstehen», erklärt Geisser.

Jedes Jahr werden in der Schweiz mindestens 100'000 Jungtiere getötet, weil sie unerwünscht sind und die Verantwortlichen nicht für eine Kastration bezahlen wollen. «Viele Menschen verzichten auch bewusst auf eine Kastration, da sie das Schicksal ihrer Katze lieber der Natur überlassen oder das Töten sogar gut finden», sagt Geisser. Nebst Tötungen sterben unzählige weitere Streuner an Krankheiten oder im Strassenverkehr.

Die Tierschutzorganisation setzt sich deshalb auch auf Bundesebene für eine Kastrationspflicht für herrenlose Katzen ein. «Solche Menschen kann man nur mit einem Gesetz erreichen», findet Geisser.

Viele wilde Katzen in der Region

Auch die Region Basel sei vom Katzenelend besonders stark betroffen: «Wir haben hier sehr viele Fälle von wilden Katzenpopulationen», wie Geisser erzählt. Das Basler St. Johann-Quartier sei nur eines von vielen Beispielen, denn vor allem auf Schrebergärten und Bauernhöfen siedeln sich diese Tiere an.

Um in Zukunft Verbesserung zu erreichen, sei die Mitwirkung der Bevölkerung sehr wichtig: «Viele Anwohner füttern die Katzen und verhindern dadurch, dass sie in unsere Fallen tappen.» Somit werde riskiert, dass die unerwünschten Tiere weiterhin einfach getötet würden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.