27.04.2018 05:42

Ungenügend geimpftDie Katzenseuche ist auf dem Vormarsch

Katzenbesitzer halten es zunehmend für unnötig, ihr Tier zu impfen. Die Tiere stecken sich deshalb oft mit schweren Infektionen an.

von
B. Zanni
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Die Klinik für Kleintiermedizin der Universität Zürich behandelt regelmässig Katzen, die sich mit schweren Infektionskrankheiten angesteckt haben, weil ihr Impfschutz ungenügend war. Sie haben das tödlich verlaufende Feline Panleukopenievirus oder die so genannte Katzenseuche eingefangen. Andere haben sich mit Katzenschnupfen (siehe Beispiel im Bild) angesteckt.

Die Klinik für Kleintiermedizin der Universität Zürich behandelt regelmässig Katzen, die sich mit schweren Infektionskrankheiten angesteckt haben, weil ihr Impfschutz ungenügend war. Sie haben das tödlich verlaufende Feline Panleukopenievirus oder die so genannte Katzenseuche eingefangen. Andere haben sich mit Katzenschnupfen (siehe Beispiel im Bild) angesteckt.

Netap
Ende 2016 schleppte eine Katze einen aggressiven Katzenschnupfenvirus in die Zürcher Kleintierklinik. Innert Kürze infizierte der bösartige Virenstamm 19 Patienten, zehn der Katzen starben.

Ende 2016 schleppte eine Katze einen aggressiven Katzenschnupfenvirus in die Zürcher Kleintierklinik. Innert Kürze infizierte der bösartige Virenstamm 19 Patienten, zehn der Katzen starben.

Netap
«Oft bemerken wir, dass Katzen, die bei uns abgegeben werden, keinen Impfschutz haben», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection Netap.

«Oft bemerken wir, dass Katzen, die bei uns abgegeben werden, keinen Impfschutz haben», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection Netap.

Netap

Den Futter- und Wassernapf rührt die Katze nicht mehr an. Sie erbricht immer wieder. Dazu plagen sie Durchfall und hohes Fieber. Das Tier, das bis vor kurzem jeder Mücke nachjagte, kauert nur noch apathisch in einer Ecke. Die Katze, die in der Klinik für Kleintiermedizin der Universität Zürich behandelt wurde, hat das tödlich verlaufende Feline Panleukopenie-Virus oder die sogenannte Katzenseuche eingefangen.

In anderen Fällen liegen Katzen mit triefenden Nasen, verklebten Augen, Geschwüren im Maul und Fieber auf dem Behandlungstisch der Klinik. Sie haben sich mit Katzenschnupfen angesteckt.

«Viel zu viele Besitzer halten Impfungen für unnötig»

«Wir behandeln in der Kleintierklinik regelmässig Katzen, die sich mit schweren Infektionskrankheiten angesteckt haben, weil ihr Impfschutz ungenügend war», sagt Barbara Willi, Leiterin Klinische Infektiologie und Mitglied der Impfkommission der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin. Die Durchimpfungsrate bei Katzen liege in der Schweiz deutlich unter den angestrebten 70 bis 80 Prozent.

«Immer noch halten es viel zu viele Besitzer für unnötig, ihr Tier überhaupt zu impfen oder es regelmässig nachzuimpfen», sagt Willi (siehe Box). Sei das Tier dann plötzlich krank, spielten sich in der Klinik Tragödien ab. «Oft fliessen bei den Besitzern Tränen, weil sie es bereuen, dass ihre Katze nur wegen fehlender Impfungen an der Katzenseuche stirbt oder wegen schwerem Katzenschnupfen hospitalisiert werden muss.»

Viele tote Katzen

Ende 2016 schleppte eine Katze einen aggressiven Katzenschnupfenvirus in die Zürcher Kleintierklinik. Innert Kürze infizierte der bösartige Virenstamm 19 Patienten, zehn der Katzen starben. Manuela Gutermann, Präsidentin des Vereins Katzenfreunde Schweiz, geht von einer Zunahme ungeimpfter Katzen aus. «Fälle von Katzenseuche häufen sich», sagt sie. In den letzten zehn Jahren habe sie fünf Fälle erlebt, in denen Katzen das Virus verbreitet hätten. «Rund 30 Tiere steckten sich an. Einige konnten wir nicht mehr retten, weil das Virus von einem aggressiven Virenstamm kam.»

Für viele Halter ist das Thema Impfen nach den ersten Grundimpfungen laut Gutermann abgehakt. «Sie halten das Risiko einer Ansteckung ohnehin für minim.» Laut Gutermann werden einige Krankheiten durch Bisse anderer Katzen übertragen.

Massive Kritik von Impfgegnern

Tierschutzorganisationen machen ähnliche Erfahrungen. «Oft bemerken wir, dass Katzen, die bei uns abgegeben werden, keinen Impfschutz haben», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection Netap. Meist handle es sich um verletzte Katzen. Abgegeben hätten die Besitzer die Tiere, um sich die Operations- oder Behandlungskosten zu sparen. «Ihr Tier zu impfen, war ihnen offenbar auch schon zu teuer.» Netap impft in ihren Kastrationsaktionen sämtliche Katzen. Laut Geisser schlägt Netap deswegen auch massive Kritik entgegen. «Impfgegner werden ab und zu sogar ausfällig, weil sie der Meinung sind, Impfen sei des Teufels.»

Die Besitzer sträuben sich aber nicht nur aus Spargründen oder Blauäugigkeit gegen das Impfen. «Manchmal halten Gerüchte, wonach Katzen nach einer Impfung schwer krank geworden sind, Besitzer von Impfungen ab», sagt Barbara Willi. Vielfach würden die Impfempfehlungen auch nicht ernst genommen, weil die Halter die Krankheiten für ausgerottet hielten. «Davon sind wir aber noch weit entfernt. Damit sich ein Infektionserreger nicht ausbreitet, braucht es eine Durchimpfungsrate von über 70 Prozent.» Schliesslich gebe es in der Schweiz grössere Gruppen von streunenden, besitzerlosen Katzen, die nicht geimpft seien und damit ein Reservoir für Infektionen darstellen. «Gewisse Viren sind zudem sehr resistent. Sie können in einer Umgebung bis zu einem Jahr überleben.»

Impfempfehlungen für Katzen

Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin empfiehlt, Freigängerkatzen und Katzen, die in grossen Gruppen leben, nach der Grundimmunisierung jährlich gegen Katzenschnupfen nachzuimpfen. Bei der Katzenseuche reicht eine Nachimpfung alle drei Jahre. Auch die Impfung zum Schutz vor dem Felinen Leukämievirus (Leukose) wird bei Freigängerkatzen empfohlen.

Allein lebende Hauskatzen sollten ebenfalls gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche grundimmunisiert und alle drei Jahre nachgeimpft werden. Schliesslich können gewisse Viren problemlos über Kleider und Schuhe ins Haus gebracht werden.

Die Fachpersonen warnen aber auch vor zu vielen Impfungen. «Man kann die Katze auch überimpfen», sagt Manuela Gutermann, Präsidentin des Vereins Katzenfreunde Schweiz. Sie rät deshalb, sich an Impfschemen zu halten. Umstritten ist zudem die Impfung gegen Feline Infektiöse Peritonitis, eine ansteckende Bauchfellentzündung. Studien belegen, dass die Impfung in den meisten Fällen unwirksam ist.

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