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Erste Retterin vor Ort«Die Kinder bewegten sich kaum»

Marianne Van Malderen war in Sierre als erste Helferin im Tunnel. Sie half den leichter verletzten Kindern aus dem Bus. Ein Bericht aus dem Chaos.

von
mab/job

Die erste Helferin kommt aus dem selben Land wie die Unfallopfer. Die Belgierin und Wallonin Marianne Van Malderen und ihr Mann sind in den Skiferien und trafen als eins der ersten Autos am Ort der Tragödie ein. Van Malderen, die einen gefassten Eindruck macht, erzählt:

«Als wir durch den Tunnel fuhren, sahen wir plötzlich diese Kinder mitten auf der Strasse. Sie bewegten die Arme auf und ab, um die Autos anzuhalten. Dann sahen wir diesen schrecklich zugerichteten Car - und, dass er ein belgisches Nummernschuld trug. Wir hielten an, stiegen aus und näherten uns dem Car. Es war ein schrecklicher Anblick. Die Kinder schrien durcheinander. Die Sitze waren nach vorne gedrückt, einige regelrecht von ihren Haltungen abrasiert. Durch die Fenster sahen wir die regungslosen Körper von Kindern. Es war gespenstisch, denn wir sahen nur Kinder, keine Erwachsene. Einige bewegten sich, mein Mann und ich wollten sie aus dem Bus befreien.

Der reine Horror

Doch der Car war mit der rechten Seite, vor sich die Türen befinden, an die Wand gedrückt. Und der vordere Teil war dermassen zetrümmert, dass niemand hinauskonnte. Lediglich im hinteren linken Teil konnte man aus den Fenstern klettern. Wir schafften es, drei Kindern aus dem Bus zu holen. Zwei konnten gehen, aber das Dritte war am Bein schwer verletzt. Die Kinder standen unter Schock. Ich redete mit ihnen, aber sie bewegten sich kaum. Ich versuchte mit ihnen zu reden, aber sie sprechen flämisch und ich französisch, deshalb verstanden wir uns nicht so gut. Ich versuchte trotzdem so gut wie möglich zu beruhigen. Wegen dem Verkehr warteten wir beim Bus auf die Feuerwehr.

Carunfall bei Sierre

Die ersten Feuerwehrleute trafen schnell ein. Aber das Schlimme war, dass die auch nicht viel machen konnten. Sie hatten keine Schneidbrenner und kein schweres Werkzeug dabei, das kam erst später. Minutenlang standen wir um den Bus herum und versuchten, Kinder aus den Fenstern zu greifen. Aber es ging alles schrecklich langsam. Es war wie ein Albtraum, der reine Horror.

Schock und Trauer in Belgien

Nische in der Wand

Ich und mein Mann halfen so lange, bis genügend Retter vor Ort waren. Dann gingen wir; wir konnten nicht mehr. Die Feuerwehrmänner versuchten doch noch über die rechte Seite in den Bus zu gelangen. Sie fanden schliesslich eine Nische, in der Wand und konnten die Kinder langsam herausholen. Aber es ist schrecklich, wie lange sie da drin bleiben mussten. Das war das Schlimmste: Dass es nicht schneller vorwärtsging.

Mein Mann und ich fuhren nach Hause. Wir schliefen nicht besonders gut.

Schliesslich haben wir aber beschlossen, die Skiferien nicht abzubrechen. Aber es ist mir ein Anliegen, den Angehörigen der Opfer ein paar Worte des Mitgefühls auszusprechen.» (mab/job/sda)

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