23.07.2020 03:11

Oberrheintal SG

«Die Kinder müssen lernen, dass Geld nicht auf Bäumen wächst»

Eine Frau aus dem Oberrheintal möchte ihrer Stieftochter und deren Freundin beibringen, dass man arbeiten muss, um Geld zu verdienen. Sie hat deshalb via Facebook einen Aufruf gestartet.

von
Leo Butie
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Jamila Salvador aus dem Oberrheintal möchte ihrer Stieftochter und deren bester Freundin zeigen, dass Geld verdient werden muss.

Jamila Salvador aus dem Oberrheintal möchte ihrer Stieftochter und deren bester Freundin zeigen, dass Geld verdient werden muss.

Privat
Die elfjährigen Mädchen sollten wissen, was harte Arbeit bedeutet, so Salvador.

Die elfjährigen Mädchen sollten wissen, was harte Arbeit bedeutet, so Salvador.

Getty Images/Symbolbild
In einem Post in einer Ostschweizer Facebook-Gruppe wollte sie sich erkundigen, wo man eine solche Arbeit finden kann.  Der Post stiess auf grosse Resonanz.

In einem Post in einer Ostschweizer Facebook-Gruppe wollte sie sich erkundigen, wo man eine solche Arbeit finden kann. Der Post stiess auf grosse Resonanz.

Screenshot

Darum gehts

  • Eine Frau sucht auf Facebook Arbeit für ihre Stieftochter und deren beste Freundin.
  • Die Kinder sollten dabei lernen, dass man für Geld arbeiten muss.
  • Sie möchte damit vermitteln, dass das Sackgeld nicht vom Himmel fällt.
  • Es soll eine positive Erfahrung für die Kinder sein.
  • Sie ist bereits auf einem Hof fündig geworden. Nach der Arbeit wartet auf die Kinder eine kleine Überraschung.

Sie möchte den Kindern zeigen, «was es bedeutet, hart zu arbeiten». So heisst es in einem Beitrag einer Ostschweizer Facebook-Gruppe. Jamila Salvador möchte so der elfjährigen Tochter ihrer Lebensgefährtin und deren bester Freundin (11) zeigen, dass man Geld verdienen muss und es nicht einfach vom Himmel fällt. Sie wolle den Lerneffekt mit einer guten Tat verbinden und sei auf der Suche nach einer geeigneten Stelle.

Der Post ist auf grosse Resonanz gestossen und zählt bereits über 86 Kommentare. Nicht immer sind diese zustimmend. «Das Problem wird sein, dass sie zu jung sind», heisst es etwa. «Ob das die richtige Strategie ist? Sie sind erst 11, da gehört noch anderes dazu ...», schreibt eine weitere Userin. Sogar von Kinderarbeit ist die Rede.

Salvador relativiert: «Es soll eine einmalige Sache sein, es geht mir wirklich um einen Lerneffekt», sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Mädchen sollten eine Relation zum Geld erhalten», erklärt Salvador. Und weiter: «Sie müssen wissen, dass das Sackgeld nicht auf Bäumen wächst, sondern erarbeitet werden muss.»

Arbeit mit einer schönen Überraschung danach

Sie habe bereits eine Rückmeldung von einem Bauer erhalten, bei dem die beiden Mädchen für einige Stunden auf dem Hof arbeiten könnten. «Als Belohnung dürfen sie danach auf den Pferden reiten.» Es soll eine schöne Überraschung sein, verbunden mit einer guten Lehre für die Zukunft.

Sie selbst habe in ihrer Jugend Zeitungen ausgetragen, um ihr Sackgeld aufzubessern. «Zu meiner Zeit war es üblich, dass Kinder eine Aufgabe hatten», erzählt die gebürtige Deutsche.

«Wenn die Mädchen älter sind und sich etwas Schönes wünschen, dann können sie mit einem Sommerjob das Geld dazuverdienen», sagt sie.

Psychologen uneinig

Philipp Ramming, Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie, findet die Idee nicht gut. Er sagt: «Das wirkt auf mich wie eine Strafe für die Kinder. Grundsätzlich ist es super, wenn die Kinder eine Möglichkeit bekommen, etwas zu machen für Geld. Aber in diesem Setting scheint das nicht der Fall zu sein.» Deshalb ist die Idee für Ramming ein falscher Ansatz von pädagogischer Erziehung.

Anderer Meinung ist Allan Guggenbühl, Psychologe, Psychotherapeut und Experte für Jugendgewalt. «Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht. Es ist gut, den Kindern aufzuzeigen, woher das Geld kommt. Sie müssen lernen, zu arbeiten», so der Psychologe. Einfluss hätten auch die Umstände. Als Strafe wäre die Arbeit auf dem Bauernhof nicht gut. Für ihn klinge es in diesem Fall aber mehr nach einem Versuch, der aufzeigen soll, dass das Leben nicht immer nur ein Spass ist.

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55 Kommentare
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Also nur so

23.07.2020, 07:00

Ehrlich gesagt finde ich man sollte diese Zeit geniessen, den schliesslich beginnt man schon meistens mit 15-17 zu arbeiten und das dann so 50 Jahre. Ich meine die Kinder könnten im Haushalt helfen ab und zu und man könnte sie auch einfach aufklären über das Geld, aber wieso müssen sie jetzt schon lernen wie "richtige Arbeit" funktioniert? Und ja früher war das vielleicht ja normal, aber alles hat sich weiterentwickelt und ist ja nicht so als würden diese Mädchen sich nicht auf die Zukunft vorbereiten, schliesslich sind die in der Schule, man sollte sie wohl eher motivieren zu lernen auch wenn sie ein Fach nicht mögen. Ich musste früher auch zu hause helfen um zusätzliches Geld zu erhalten, aber mittlerweile hätte ich mir gewünscht das mir jemand gesagt hätte, dass Französisch später ein Problem sein wird, wenn ich es nicht richtig lerne.

Sandra

23.07.2020, 06:50

Grundsätzlich ist die Idee ja nicht schlecht nur sind die Kinder mit 11 Jahren zu jung dazu. ( Soweit ich informiert bin müssen Kinder mindestens 15 Jahre alt sein um auf einem Bauernhof arbeiten zu dürfen, Kinderarbeit ist verboten). Ausserdem bin ich der Ansicht das dass von den Kinder kommen muss und micht von der Lebensgefährtin der Partnerin.

Jojo

23.07.2020, 06:49

Finde ich eine tolle sache ging früher auch auf dem Bauernhof Arbeiten freiwilig.