«Die Klasse wird jetzt scharf beobachtet»

Aktualisiert

«Die Klasse wird jetzt scharf beobachtet»

Im Fall der Problemklasse an der Schule Borrweg hat die Schulbehörde zu lange gezögert. Der Zürcher Schulvorstand Lauber räumte ein, dass man «den richtigen Zeitunkt für eine Intervention nicht erwischt» habe.

Der Fall der Zürcher Primarklasse, die durch ihr Verhalten seit 2004 mehrere Lehrkräfte zum Aufgeben der Klasse trieb, hat beim Präsidenten des Schweizer Lehrerverbandes (LCH) Betroffenheit ausgelöst. Zwar handle es sich um einen «absoluten Einzelfall», sagte Zemp am Dienstag auf Anfrage der SDA. Dieser weise aber auf ein wachsendes Problem hin.

Beim jüngsten Zürcher Fall geht Zemp davon aus, dass die Zürcher Schulbehörden zu lange zögerten. Die Schule habe bei solch gravierenden Fällen die Möglichkeit, Rädelsfüher aus der Klasse herauszunehmen oder gar eine ganze Klasse aufzulösen. Oft scheiterten solche Massnahmen aber am notwendigen Geld.

Unklar, was schief lief

Was bei der Zürcher Klasse genau schief lief, blieb am Dienstag unklar. Der «Tages-Anzeiger» hatte am Montag berichtet, eine 22- köpfige Primar-Mittelstufenklasse habe es in zweieinhalb Jahren geschafft, durch disziplinarisches Fehlverhalten nicht weniger als sechs Lehrererinnen und Lehrer zum Aufgeben zu zwingen.

Eine Darstellung, der der zuständige unter Beschuss geratene Schulpräsident Andreas Rüegg auf Anfrage widersprach. Nur ein Teil der sechs Lehrer habe die Klasse wegen deren Verhalten verlassen, es habe auch reguläre Abgänge gegeben.

Das ändere aber nichts an den einmalig gravierenden Problemen mit dieser Klasse, für die jetzt rund drei Monate vor Schulende noch eine neue Lehrerin gefunden werden musste.

Den Vorwurf, man sei zu spät eingeschritten, liess Rüegg nur bedingt gelten: Er habe vor einem Jahr die Fachstelle Gewaltprävention des städtischen Schuldepartements eingeschaltet, auch diese habe aber die Klasse nicht in den Griff bekommen. Im Rückblick, räumt Rüegg ein, hätte er wohl schärfer eingreifen müssen, aber im Nachhinein sei man immer gescheiter.

Schulvorstand Lauber erlässt Massnahmen

Der Zürcher Stadtrat und Schulvorstand Gerold Lauber wurde nach einem Bericht von «TeleZüri» erst im Verlauf des Montags über die Vorfälle im Schulhaus Borrweg ins Bild gesetzt.

Lauber hatte am Dienstag eine Aussprache mit dem verantwortlichen Schulpräsidenten Andreas Rüegg. Dieser habe «den richtigen Zeitunkt für eine Intervention nicht erwischt», sagte Lauber. Die Klasse werde nun in den letzten drei Monaten speziell beobachtet. Lauber will sich mit Rüegg wöchentlich treffen.

Ferner wird im Schuldepartement das Netz zur Früherkennung enger geknüpft: Bereits nach den noch nicht geklärten angeblichen Gruppenvergewaltigungen vom letzten Herbst in Zürich-Seebach habe er ein Konzept in Auftrag gegeben, sagte Lauber.

Mitte April will er darüber informieren. Von einer Häufung disziplinarischer Vorfälle an Zürichs Schulen will er aber nichts wissen. Die Einzelfälle müsse man ernst nehmen, dürfe sie aber nicht dramatisieren.

Besorgte Basis

Zemp erhalte von der Basis der Lehrerschaft vermehrt Rückmeldungen über teils gravierende disziplinarische Probleme mit Schülern. Als schlimmste Beispiele nannte er Morddrohungen durch Schüler gegen Lehrpersonen, die sich in den lezten Monaten gehäuft hätten. So hatte ein Schüler in Liestal (BL) im Februar einen Lehrer auf diese Weise bedroht.

Jener Lehrer habe sofort richtig reagiert, der Jugendliche kam in Untersuchungshaft. Zemp zieht aus solch gravierenden Vorfällen vor allem eine Lehre: Die Lehrkräfte dürften nicht zuwarten und müssten im Ernstfall auch die Justiz beiziehen. Ebenso wichtig seien aber auch spezielle Kriseninterventions-Teams, welche die Schulbehörden ins Leben zu rufen hätten.

Dies geschah zum Bespiel im Kanton St. Gallen, nachdem 1999 ein Vater einen Lehrer erschossen hatte. Auch andere Kantone hätten in der Zwischenzeit solche Teams aus Strafbehörden Sozialhilfe, Psychologen und Lehrern aufgebaut. Und ebensowichtig seien schliesslich klare Hausregeln an der jeweiligen Schule sowie eine altersgerechte Gewaltprävention im Schulzimmer.

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