Geld fürs Gewand: Die Kleiderpreise rutschen – ein bisschen
Aktualisiert

Geld fürs GewandDie Kleiderpreise rutschen – ein bisschen

Nach Lebensmitteln werden nun auch Kleider wegen des Eurotiefs billiger. Allerdings: Die Preisunterschiede zum Ausland bleiben noch immer erklecklich.

von
Elisabeth Rizzi
Die Preisdifferenz für Kleider zwischen der Schweiz und dem Euro-Ausland beträgt noch immer 30 Prozent und mehr.

Die Preisdifferenz für Kleider zwischen der Schweiz und dem Euro-Ausland beträgt noch immer 30 Prozent und mehr.

Nicht nur Lebensmittel werden dank dem tiefen Euro billiger. Nun purzeln auch die Kleiderpreise in der Schweiz: Sowohl das Kleiderlabel Mexx als auch Esprit haben per sofort eine Preisreduktion in der Schweiz angesetzt. Bei Mexx fallen die Preise durchschnittlich um 15 Prozent, bei Esprit gar um 20 Prozent.

«Bereits im vergangenen Frühling reagierte Mexx auf den tiefen Euro-Kurs und korrigierte die Preise für die Herbst- und Winterkollektionen um durchschnittlich 18 Prozent nach unten. Damit belaufen sich die Preissenkungen gegenüber dem Vorjahr auf über 33 Prozent», frohlockt Roy Mor, Country Manager Switzerland des holländischen Modeunternehmens.

Euphorisch zeigt sich auch Ulrich Hess, Country Manager von Esprit Switzerland. «Wir wollen, dass unsere Kundinnen und Kunden auch zukünftig hohe Qualität zu attraktiven Preisen in der Schweiz kaufen können.» Man setze mit der Preissenkung ein Zeichen.

Noch immer grosse Preisdifferenz

Friede, Freude, Eierkuchen? Nicht ganz. So generös die Preissenkungen auf den ersten Blick daherkommen, so ernüchternd ist die Realität. Schon vor drei Jahren schrieb 20 Minuten Online, dass die Konsumenten in der Schweiz für Esprit-Produkte bis zu 30 Prozent mehr bezahlten als die Käufer in Deutschland. Nach der neusten Preiskorrektur bleibt der Unterschied zwischen den beiden Ländern noch immer vergleichbar gross. Beispielsweise bei einem Frauen-Cardigan: Der Artikel wird auf dem deutschen Onlineshop für 69.95 Euro (aktuell rund 80 Franken) verkauft. Im schweizerischen Shop ist er am 1. September mit 99.90 Franken angeschrieben.

Damit liegt der Verdacht nahe, dass nicht bedeutend mehr Währungsvorteile weitergegeben werden als bei jenen Modeketten, die keine Kommunikation über ihre Preispolitik führen, zum Beispiel die Kleiderlabels H&M oder Zara. Auch bei Zara kostet ein Mantel, der im Euroraum für 69.95 Euro erhältlich ist, in der Schweiz 99.90 Franken. H&M verlangt für einen Mantel 99 Franken, der ausserhalb der Schweiz für 59.95 Euro vertrieben wird.

«20 bis 30 Prozent absolut vertretbar»

Beim deutschen Label Marc O'Polo will man die Vorwürfe der Abzocke allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Brandmangerin Monica Heini rechtfertigt sich: «Wir beobachten seit vielen Jahren aufmerksam den Kursverlauf des Euro zum Schweizer Franken und passen unsere Schweizer Preisliste jede Saison Schritt für Schritt an.» Vor einigen Jahren habe das Label hierzulande noch keine Blazer unter 300 bis 400 Franken verkauft. Aufgrund der Währungssituation seien aber heuer Blazer bereits ab 200 Franken in den Schweizer Läden zu finden gewesen.

«Wir haben die Preise für die jetzige Wintersaison allerdings schon im Januar kalkuliert – mit einem Wechselkurs von 1.38 Franken», so Heini. Deshalb gäbe es in der aktuellen Kollektion noch immer Produkte mit bis zu 40 Prozent Preisunterschied zum Ausland.

«Gemäss unserer Kaufkraft ist ein 20 bis 30 Prozent höherer Preis jedoch absolut vertretbar», findet sie. Weil das Label in der Schweiz aber nicht mehr als 20 bis 30 Prozent teurer sein wolle als in Deutschland, habe man zum Frühjahr und Sommer 2012 einen grossen Schritt zur Reduzierung der Preise getan.

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