Aktualisiert 28.02.2018 20:22

Seltene Hautkrankheit

Die kleine Ivy ist allergisch gegen Wasser

Ist die 18 Monate alte Ivy länger als 15 Sekunden Wasser ausgesetzt, zeigt ihre Haut Verbrennungssymptome. Selbst ihre eigenen Tränen schmerzen.

von
bee

Ein Video von Brittany Angerman zeigt, wie die Haut ihrer Tochter auf Wasser reagiert. (Video: Tamedia/Brittany Angerman)

Das Schicksal der kleinen Ivy Angerman aus Hastings (US-Bundesstaat Minnesota) ist herzzerreissend. Sie leidet an aquagener Urtikaria, einer seltenen Form von Nesselfieber. Kommt das 18 Monate alte Mädchen mit Wasser in Kontakt, bildet sich an seinem Körper ein juckender Hautausschlag mit Blasen und Rötungen. Bereits ein kurzes Bad von 15 Sekunden kann bei dem Kleinkind qualvolle Schmerzen auslösen.

«Es ist ein Phänomen, das wir immer noch nicht ganz durchblicken», sagt Ivys Mutter, Brittany Angerman, der Zeitung «People». «Sie liebte es, zu baden, doch jetzt beginnt sie zu schreien, wenn wir sie waschen müssen», erzählt die 27-Jährige. «Es muss sich wie eine Verbrennung anfühlen. Es tut so weh, so was als Mutter mit ansehen zu müssen.»

Auch Tränen können Ausschlag auslösen

Vor gut einem halben Jahr hatten sie und ihr 31-jähriger Mann Daniel bemerkt, dass die Kleine während des Badens einen Hautausschlag bekam. Zuerst dachten sie, es sei eine allergische Reaktion auf das Badeprodukt. Dieses, sowie weitere Badezusätze, wurde eliminiert, das Waschpulver gewechselt und die Essgewohnheiten geändert. Doch alles nützte nichts.

Wenn Ivy weint, beginnt ihr Gesicht aufzuquellen – von ihren eigenen Tränen. Und auch ihr Schweiss kann eine allergische Reaktion hervorrufen. Im Schnee spielen oder im Pool schwimmen? Für Ivy unmöglich. Sogar Regentropfen können Auslöser der Krankheit sein.

Nur 50 bis 100 Fälle weltweit bekannt

«Streng genommen handelt es sich bei dieser Krankheit nicht um eine Allergie, sondern um Nesselfieber, auch Urtikaria genannt», sagt Fachexpertin Noemi Beuret von aha! Allergiezentrum Schweiz, «die Urtikaria auf Wasser ist eine äusserst seltene Form davon.» Beuret schätzt, dass es je nach Studie weltweit seit 1964 nur 50 bis maximal 100 Fälle gibt, in der Schweiz seien keine Daten zu allfälligen Patienten vorhanden. «Bis jetzt hatten wir in unseren Beratungen noch nie mit einem solchen Fall zu tun.»

Die Ursache der aquagenen Urtikaria ist noch nicht eindeutig geklärt. «Es gibt verschiedene Hypothesen, aber die Forschung ist sich da noch nicht einig», erklärt Beuret. Fest steht, dass ein lokaler Reiz wie etwa Hitze, Kälte oder Druck Histamin in den Zellen der Hautschicht ausschüttet und es so zu Rötungen und juckenden Quaddeln kommt.

«Betroffen von einer aquagenen Urtikaria sind vor allem Kinder und Pubertierende, und sie kommt bei Frauen eher vor als bei Männern», so die Expertin. «Im Laufe des Lebens kann diese Krankheit wieder verschwinden, das muss aber nicht so sein.» Als therapeutische Massnahme muss die Ausschüttung von Histamin unterdrückt werden. «Standard ist die Gabe von Antihistaminika.»

«Die Situation ist doch verrückt»

Brittany Angerman würde das Baden ihrer Tochter am liebsten ganz lassen. Zu sehr schmerzt es sie, ihr Kind leiden zu sehen. «Ich habe alles versucht, es ihr so komfortabel wie möglich zu machen, doch nichts hat wirklich funktioniert. Im Gegenteil, es wird alles nur schlimmer.»

Auf GoFundMe hat sie eine Spendenseite eröffnet. Hier sammelt die Familie Geld, um ein neues Zuhause beziehen zu können. «Das Haus, in dem wir momentan wohnen, wurde 1901 erbaut und hat keine Klimaanlage. Wenn es wieder wärmer wird, wird es für Ivy hier extrem schwierig.» Die Mutter glaubt, dass ihr Kind weniger leiden müsste, würden im Haus kühle Temperaturen herrschen.

«Die ganze Situation ist doch verrückt», sagt Brittany, die mit ihrem Mann auch noch ein Neugeborenes sowie eine 12 Jahre alte Stieftochter grosszieht, «wir wollen, dass die Menschen erfahren, dass es diese Krankheit gibt und wie diese das Leben einer ganzen Familie verändern kann.»

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