Medaillen-Feuerwerk: Die kleine Schweiz ist am Zuckerhut ganz gross
Aktualisiert

Medaillen-FeuerwerkDie kleine Schweiz ist am Zuckerhut ganz gross

Die Schweizer Athleten haben sich bisher selbst übertroffen. Auch im Ländervergleich stehen sie gut da.

von
Kai Müller
Rio
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Schweizer Medaillengewinner von RioSonntag, 21. August 2016Nino Schurter holt Gold im Mountainbike.

Schweizer Medaillengewinner von RioSonntag, 21. August 2016Nino Schurter holt Gold im Mountainbike.

Keystone/Peter Klaunzer
Samstag, 20. August 2016Nicola Spirig erkämpft sich Silber im Triathlon.

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AP/David Goldman
Sonntag, 14. August 2016Martina Hingis und Timea Bacsinszky sichern sich im Doppel Silber.

Sonntag, 14. August 2016Martina Hingis und Timea Bacsinszky sichern sich im Doppel Silber.

AP/Vadim Ghirda

Die Medaillenvorgabe von Swiss Olympic? Bereits seit Sonntag erfüllt. Fünf Medaillen (2 Gold, 1 Silber, 2 Bronze) und neun Diplome, das sind mehr als an den gesamten Spielen von London 2012 (4 Medaillen, 6 Diplome). Keine Frage: Chef de Mission Ralph Stöckli hatte schon schwierigere Aufgaben zu bewältigen, als am Montag in Rio de Janeiro ein Zwischenfazit zu ziehen.

So durfte der 40-Jährige Sätze sagen wie: «Man bereitet sich jeweils auf verschiedene Szenarien vor. Aber ganz ehrlich, mit so einem Feuerwerk hatte ich nicht gerechnet. Es muss so viel zusammenpassen, damit es fürs Podest reicht.» Der St. Galler wird nicht müde, zu betonen, dass man solche Erfolge nicht als alltäglich hinnimmt. «Man darf die Misserfolge nicht vergessen, die aufzeigen, dass Medaillen eben nicht selbstverständlich sind», sagt er.

Das Leiden der Österreicher

Ein Blick über die Grenze reicht, um das andere Extrem zu sehen. Österreich wartet seit der Bronzemedaille von Kanutin Violetta Oblinger-Peters im Wildwasser-Kajak vor acht Jahren in Peking auf olympisches Edelmetall. Selbst das 20 Millionen Euro schwere Bundesförderprojekt «Rio 2016» hat bisher nicht gefruchtet. Häme hat Stöckli für den Nachbarn aber keine übrig. Im Gegenteil: «Man leidet sogar mit, weil man weiss, dass man in derselben Situation stecken könnte.»

Solche Sorgen sind für die Schweizer derzeit weit weg. Sie brauchen den Vergleich mit bezüglich Bevölkerung ähnlich grossen Nationen nicht zu scheuen. Nun gut, Jordanien, Honduras und Israel sind keine sportlichen Schwergewichte, dennoch hat bisher überhaupt nur ein Land mit weniger Einwohnern mehr Medaillen geholt: Neuseeland mit zweimal Gold und sechsmal Silber.

Bacsinszky listet auf, Cancellara korrigiert

Dass es den Schweizern bisher so gut gelaufen ist, erklärt Stöckli nicht zuletzt mit der Atmosphäre im Olympischen Dorf. «Es ist uns gelungen, auch grosse Namen ins Village zu locken. Sie tragen viel zur guten Stimmung bei», sagt der Delegationsleiter und gibt ein Beispiel: Timea Bacsinszky habe auf dem Whiteboard jeden Abend die Schweizer Einsätze für den nächsten Tag aufgelistet. «Und Fabian Cancellara sass mit seinem Kaffee daneben und griff korrigierend ein, wenn nötig», erzählt Stöckli mit einem Lachen.

Die Aussichten werden in den nächsten Tagen mit Bodenfinal, Springreiten, Triathlon und Mountainbike nicht schlechter. Stöckli sagt: «Das ist das Schöne: Wir haben noch fast eine ganze Woche vor uns.» Wenn er auf einen Medaillengewinn eines Schweizer Athleten wetten müsste, auf wen würde er sein Geld setzen? «Auf die Mountainbiker», sagt er, ohne einen Namen zu nennen. Also: auf Nino Schurter oder auf Jolanda Neff? «Auf die Mountainbiker. Sie holen mindestens eine.»

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