Aktualisiert 23.10.2003 07:44

Die «königliche Pflicht» des Ex-Butlers

Die skandalverwöhnten Briten können dieser Tage mit Indiskretionen aus höchsten blaublütigen Kreisen aufwarten.

Sechs Jahre nach dem Unfalltod der «Königin der Herzen» sorgt deren tragische Lebensgeschichte zum wiederholten Mal für Schlagzeilen in den bunten Blättern und beschäftigt sogar die Regierung. Und Schuld daran ist wieder mal der Butler.

«Eine königliche Pflicht» - so übertitelt Butler Paul Burrell, der von der «Queen of Hearts» zu Lebzeiten gerne als «mein Fels» geadelt wurde, seine überaus indiskreten Lebenserinnerung. Erschienen ist das Buch noch nicht, doch tägliche Vorab-Enthüllungen im Boulevard-Blatt «Daily Mirror» stürzen die Briten erneut in einen kollektiven Taumel der Entrüstung. Denn Burrell sieht es sechs Jahre nach dem Tod seiner Arbeitgeberin als seine Pflicht an, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wie es hinter den königlichen Kulissen zuging. «Das britische Volk verdient es, die Wahrheit zu erfahren. Danke an Paul Burrell, es bekommt sie», schreibt der «Daily Mirror».

Für erste Aufregung sorgte ein Brief Dianas, in dem sie laut Burrell zehn Monate vor ihrem tödlichen Crash in Paris schrieb, jemand wolle sie mit einem inszenierten Autounfall umbringen, um den Weg freizumachen für eine neue Ehe ihres Ex-Mannes Prinz Charles. Am Montag lehnte es die britische Regierung allerdings ab, den Fall noch einmal auszugraben. Grossbritannien werde keine eigene Untersuchung zu den damaligen Ereignissen durchführen, verkündete Premierminister Tony Blair höchstpersönlich.

Doch das Boulevard-Blatt feuerte bereits den nächsten Kanonenschlag ab, der das Königreich erschüttern sollte: Am Dienstag druckte es Auszüge aus Burrells Manuskript, in denen dieser aus Briefen von Dianas Schwiegervater, dem Duke of Edinburgh zitiert. Diese lassen die Beziehung Prinz Philips zu Diana, als deren ärgster Feind in der königlichen Familie er bisher galt, in einem ganz neuen Licht erscheinen.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand, der bei klarem Verstand ist, dich wegen Camilla verlässt», schrieb Charles' Vater demnach 1992, als die Ehe des Thronfolgers bereits am Ende war und sich beide Partner anderweitig vergnügten, an die betrogene Prinzessin. Doch er schlug auch kritische Töne gegenüber Di an: «Kannst du beim ehrlichen Blick in dein Herz sagen, dass Charles' Beziehung zu Camilla nichts zu tun hat mit deinem Verhalten ihm gegenüber während eurer Ehe?»

«Deine psychischen Probleme»

Dass der Königspalast «not amused» darüber sein muss, dass derart persönliche Details aus dem königlichen Privatleben öffentlich werden, versteht sich von selbst. Laut britischen Medienberichten toben die Queen und ihr Gemahl vor Wut. Offiziell bewahrt man jedoch die königliche Contenance. Der Penguin-Verlag bestätigte aber, dass Philip angefragt habe, ob er eine Kopie des Buches haben könne. Aus geschäftlichen Gründen könne man zwar nicht das gesamte Buch an die Windsors herausrücken, «aber wir haben die Ausschnitte, die den Duke betreffen, weitergeleitet».

Am Mittwoch war dann das nächste Mitglied des Diana-Umfelds an der Reihe: Dianas Bruder Earl Spencer erscheint in Burrells Niederschrift in einem weitaus ungünstigeren Licht als bisher. Bei der Trauerfeier für «England's Rose» hatte er am 6. September 1997 die Di-Anhänger weltweit zu Tränen gerührt, als er sich als «Repräsentant einer Familie in Kummer in einem Land in Trauer vor einer Welt unter Schock» bezeichnet hatte. Spencer hatte die innige Geschwisterliebe beschworen, die sie verbunden habe, und ihr die Kälte der Windsors gegenübergestellt, die seine Schwester nie geliebt hätten.

Doch Burrell erinnert sich an ganz andere Worte von Spencers Hand: «Ich weiss, dass Manipulation und Täuschung Teile deiner Krankheit sind ... Ich bete, dass du die richtige Behandlung für deine psychischen Probleme bekommst», schrieb Spencer dem Ex-Butler zufolge im April 1996 an seine Schwester. Nach «Jahren der Missachtung auf beiden Seiten» sei das Verhältnis zur ihr das schwächste, das er zu einer seiner Schwestern habe.

Und zu guter Letzt schlug der Herr von Althorp House Burrell zufolge seiner unglücklichen Schwester sogar die Bitte um Zuflucht auf dem Familiensitz ab - wo sie inzwischen begraben ist. Dem Königspalast bleibt das Zittern vor weiteren Enthüllungen des Butlers. (dapd)

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