Die kommenden Stars

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Die kommenden Stars

Wohl selten zuvor gab es derart viele junge Spieler, denen zugetraut wird, an einer Europameisterschaft den (letzten) Schritt zur Aufnahme in die Stargilde zu vollziehen. Gewissermassen ein Heimspiel hat Portugals Youngster Cristiano Ronaldo.

Die Kurzportraits einiger möglicher EM-Newcomer:

CRISTIANO RONALDO (Por/Jahrgang 1985): Sir Alex Ferguson hat in seiner Trainerkarriere schon ziemlich alles erlebt, aber allein die Aussage, dass «kein Spieler in Europa ein annähernd so grosses Potenzial» hat wie der am 2. Mai erst 19-jährig gewordene Portugiese, spricht für sich. Ferguson engagierte Cristiano Ronaldo, den auf der Insel Madeira aufgewachsenen Sohn eines Platzwartes, im letzten Sommer nach einem Freundschaftsspiel von «ManU» gegen Sporting Lissabon - vom Fleck weg. Die Bürde, wie David Beckham, Eric Cantona oder Bryan Robson in Manchester die Nummer 7 zu tragen, hat sich für den Supertechniker nicht als zu gross erwiesen. Beim englischen Spitzenklub hat ihm Ferguson die zuweilen etwas egoistische Spielweise schnell ausgetrieben. Mittlerweile ist Cristiano Ronaldo wichtigster Flankengeber für Ruud van Nistelrooy und soll nun auch in Portugals Nationalmannschaft Assists en masse liefern.

FERNANDO TORRES (Sp/1984): Atletico Madrids einziger Vertreter in Spaniens EM-Kader hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Zwar ist «El Niño» (das Kind) im Sturm der Iberer vorerst nicht erste Wahl, lieferte aber mit 19 Treffern (ex-aequo Platz 3) in dieser sowie 13 in der letzten Saison klare Argumente für Teileinsätze. Der zweifache Junioren-Europameister (U16 2001, U19 2002) gilt als Strafraumstürmer par excellente, der allerdings seine Contenance noch in den Griff kriegen muss. Wer Torres aus dem bis 2008 laufenden Vertrag kaufen will, muss eine festgeschriebene Ablösesumme von läppischen 90,1 Millionen Euro überweisen.

WAYNE ROONEY (Eng/1985): «Rooney sieht aus wie ein 45-jähriger Rausschmeisser», wurde Englands jüngster Nationalmannschafts- Debütant von der Zeitung «Guardian» einst beschrieben. «Er hat den Killerinstinkt in seinen dunklen Augen». Für sein jugendliches Alter ist der Stürmer von Everton, der einst mit einem Trikot dieses Vereins beim Lokalrivalen FC Liverpool zum Probetraining erschien, schon unglaublich kaltschnäuzig. In 33 Spielen für Everton erzielte Rooney diese Saison neun Tore (3 als Joker), wurde aber wegen seiner zuweilen ungestümen Spielweise auch sieben Mal verwarnt. Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson appellierte deshalb nach dem Freundschaftsspiel gegen Japan (1:1), als eine Tätlichkeit des Youngsters ungeahndet blieb, wenigstens an der EM kühlen Kopf zu bewahren.

KIM KÄLLSTRÖM (Sd/1982): Aufgrund seines Alters hätte Källström mit der schwedischen U21 an der EM in Deutschland teilnehmen können. Selbst ohne den Mittelfeldmotor überstanden die Schweden die Vorrunde aber ohne Makel. In Portugal wird der beste Assistent des Schweizers Alex Frei in der französischen Ligue 1 bei Rennes nun in der A-Auswahl die Fäden ziehen. Källström, der seit seinem Wechsel von Djurgarden Stockholm in der letzten Winterpause in 18 Partien für Rennes sieben Tore erzielte, ist mit einem grossartigen Spielverständnis und dem so genannt «tödlichen Pass» mit dem linken Fuss ausgestattet.

RAFAEL VAN DER VAART/WESLEY SNEIJDER (Ho/1983/1984): Das beidfüssige Duo von Ajax Amsterdam gilt bereits jetzt im Klub und im Nationalteam als fast unersetzbar. Beide Akteure bestreiten in Portugal ihr erstes grosses Turnier. Der mit einer bekannten holländischen Schauspielerin liierte Van der Vaart wurde von Ronald Koeman bereits als 20-Jähriger zum Captain von Ajax bestimmt und weiss auch im Nationalteam um die Bedeutung des Wortes «Verantwortung». Wesley Sneijder, sein Partner im offensiven Mittelfeld, ist mit bald 20 Jahren (9. Juni 1984) Hollands jüngster EM-Spieler. Der Stern des Rechtsaussen ging beim 6:0 in der EM- Barrage gegen Schottland auf, als er ein Traumtor erzielte und drei weitere Treffer magistral einleitete.

PHILIPP LAHM (De/1983): Der Bayer schaffte innert einem Jahr den Sprung aus der Regionalliga (Bayern München Amateure) in Deutschlands Nationalmannschaft. Beim VfB Stuttgart, der den kleingewachsenen, aber pfeilschnellen Verteidiger bis 2005 von Bayern München auslieh, hat Rechtsfüsser Lahm als linker Verteidiger seinen Marktwert auf geschätzte 4,5 Millionen Euro vervielfacht. Zum Leihgeschäft riet dem damaligen Stuttgarter Trainer Felix Magath übrigens Bayerns Amateurcoach Hermann Gerland (»Lahm hat doch schon im Mutterleib Fussball gespielt)», der Lahm nach zwei Jahren als zu gut für die Regionalliga befand. Lahm, der designierte Bayern-Nachfolger von Bixente Lizarazu, behob trotz der vergleichsweise kleinen Erfahrung von nur 31 Bundesliga-Spielen in der DFB-Auswahl endlich die Schwachstelle auf der linken Abwehrseite.

PETR CECH (Tsch/1982): Tschechiens Nationaltrainer Karel Brückner attestierte dem viersprachigen Sportstudenten aus Pilsen, bereits im Alter von 22 Jahren eine «starke Persönlichkeit». Diese Aussage erstaunt insofern, als dass Goalies allgemein ihren Zenit erst rund acht Jahre später erreichen. «Cechino», wie der U21- Europameister von 2002 genannt wird, ist kein Spektakelmacher, sondern ein zweckmässig und einfach spielender Keeper mit einer herausragenden Strafraumbeherrschung. Nach der EM wird der bald 20- fache Internationale, in Rennes Teamkollege von Alex Frei und Kim Källström, dem Lockruf von Chelsea London folgen. Dessen russischer Besitzer Roman Abramowitsch überweist für Cech rund 13 Millionen Euro an die Bretonen, die den grossgewachsenen Torhüter (1,97 m) im letzten Sommer für zwei Millionen Euro von Sparta Prag geholt hatten.

(si)

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