Aktualisiert 29.01.2015 16:56

Fragen und Antworten

Die Kreml-Connection der neuen Griechen

Der griechische Widerstand gegen die EU-Sanktionen gegen Moskau überraschte den Westen. Dabei ist die Nähe zwischen Griechenland und Russland nicht neu.

von
kmo
1 / 10
Griechen und Russen stehen sich näher, als viele im Westen dachten. Das zeigte sich etwa Ende Januar 2015, als sich Alexis Tsipras, kaum zum neuen Ministerpräsidenten gewählt, von neuen EU-Sanktionen gegen Russland distanzierte.

Griechen und Russen stehen sich näher, als viele im Westen dachten. Das zeigte sich etwa Ende Januar 2015, als sich Alexis Tsipras, kaum zum neuen Ministerpräsidenten gewählt, von neuen EU-Sanktionen gegen Russland distanzierte.

Keystone/Pantelis Saitas
Der russische Präsident Wladimir Putin gehörte zu den ersten ausländischen Staatschefs, die Tsipras zum Wahlsieg gratulierten.

Der russische Präsident Wladimir Putin gehörte zu den ersten ausländischen Staatschefs, die Tsipras zum Wahlsieg gratulierten.

Keystone/AP/Mikhail Klimentyev
Der russische Philosoph und Politikwissenschaftler Alexander Dugin gilt als Putin-Vertrauter und Vordenker des «russischen Frühlings». Er träumt von einem Europa unter russischem Protektorat - ohne gleichgeschlechtliche Ehen und ohne «totalitären» Liberalismus. Im Mai 2014 hatte er an einem Treffen europäischer Rechtspopulisten in Wien teilgenommen.

Der russische Philosoph und Politikwissenschaftler Alexander Dugin gilt als Putin-Vertrauter und Vordenker des «russischen Frühlings». Er träumt von einem Europa unter russischem Protektorat - ohne gleichgeschlechtliche Ehen und ohne «totalitären» Liberalismus. Im Mai 2014 hatte er an einem Treffen europäischer Rechtspopulisten in Wien teilgenommen.

Keystone/AP/Ivan Sekretarev

Kaum gewählt, liess der neue griechische Premierminister Alexis Tsipras eine Bombe platzen: Er distanzierte sich von neuen EU-Sanktionen gegen Russland und gefährdet damit die einheitliche Linie der EU gegenüber Präsident Wladimir Putin. Im Westen zeigten sich viele überrascht. Doch Griechenland und Russland verbindet viel mehr als eine kulturelle und – mit dem orthodoxen Christentum – religiöse Nähe.

Warum ist Griechenland gegen Russland-Sanktionen?

Die Griechen versprechen sich wirtschaftliche Vorteile: Wenige Tage vor der griechischen Präsidentschaftswahl hatte der russische Agrarminister laut der «Zeit» gesagt, das russische Einfuhrverbot von EU-Waren werde für Griechenland aufgehoben, falls das Land wegen der Schuldenfrage die EU verlassen müsse. Russland hatte dieses Einfuhrverbot als Reaktion gegen die Sanktionen der EU erlassen.

Tsipras legt Amtseid ab

Wie wichtig sind die wirtschaftlichen Beziehungen Griechenlands zu Russland?

Beachtlich. Im Jahr 2013 löste Russland Deutschland als wichtigsten Handelspartner Griechenlands ab. Zudem stieg die Anzahl russischer Touristen in Griechenland im selben Jahr um 42 Prozent – das war der höchste Anstieg von ausländischen Hellas-Reisenden.

Welche Griechen kennen welche Russen?

Hauptakteur der Verbindung ist der neue griechische Aussenminister Nikos Kotzias (siehe Diashow oben). In seinem politischen Werdegang war er unter anderem Propagandachef der Kommunistischen Partei Griechenlands. Vor seiner Einsetzung als Minister war er Professor für Politikwissenschaften. Kotzias gilt als Bewunderer Putins und Alexander Dugins.

Wer ist Alexander Dugin?

Dugin ist ein russischer Philosoph und Politikwissenschaftler. Er gilt als Putin-Vertrauter und Vordenker des «russischen Frühlings». Dugin träumt laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von einem Europa unter russischem Protektorat – ohne gleichgeschlechtliche Ehen und ohne «totalitären» Liberalismus. Im Mai 2014 hatte er an einem Treffen europäischer Rechtspopulisten in Wien teilgenommen.

Wie steht Alexis Tspiras zu den Russen?

Auch Tsipras wird eine Nähe zu Russland zugeschrieben. Laut der «Zeit» traf er im Mai 2014 Putin-Vertraute in Moskau. Er teilte ihnen mit, er unterstütze das Krim-Referendum und sei gegen die EU-Sanktionen gegen Russland. Der erste Diplomat, den Tsipras nach seiner Wahl empfing, war der russische Botschafter in Athen. Umgekehrt gehörte Putin zu den ersten ausländischen Staatschefs, die Tsipras zum Wahlsieg gratulierten.

Welche Ziele verfolgt Russland mit der Moskau-Athen-Connection?

Russland erhofft sich, aus der Zusammenarbeit die Auswirkungen der westlichen Sanktionen abzumildern. Ausserdem vermuten Beobachter, dass Moskau das Ziel verfolgt, durch die Unterstützung europäischer Populisten Europa zu spalten: Ende 2014 wurde bekannt, dass Moskau mehreren populistischen Parteien finanziell unter die Arme greift, etwa dem französischen Front National, der britischen Ukip oder der ungarischen Jobbik-Partei.

Welche Ziele verfolgt Griechenland mit der Athen-Moskau-Connection?

Unter den Sanktionen der EU gegen Russland und den Strafmassnahmen Russlands gegen die EU leidet auch die griechische Wirtschaft. Von einem Zusammengehen mit Russland erhofft sich die neue Regierung neue Absatzmöglichkeiten. Denkbar ist aber auch, dass Tsipras seinen Widerstand gegen neue EU-Sanktionen als Trumpf in den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt mit den europäischen Geldgebern verwenden will.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.