Beziehungen: «Die Krise fängt mit dem ersten Kind an»
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Beziehungen«Die Krise fängt mit dem ersten Kind an»

Eine Schwangerschaft setzt werdende Eltern grossem Druck aus. Nicht selten ein Trennungsgrund, sagt Sexualberater Bruno Wermuth im Interview mit 20 Minuten Online.

von
fvo

Geht man von der Scheidungsrate in der Schweiz aus, scheitert fast jede zweite Beziehung. Gründe dafür gibt es viele (siehe obige Bildstrecke). Ein weiterer heikler Punkt ist der Übergang von der Zweierbeziehung zur Familie. Dieses Thema bespricht Wermuth auch mit werdenden Vätern in Geburtsvorbereitungskursen am Inselspital Bern.

Zeigen sich die ersten grösseren Probleme schon während der Schwangerschaft oder erst nach der Geburt des Kindes?

Bruno Wermuth: Eine Schwangerschaft hat Auswirkungen auf die Beziehung. Meist sind die Probleme in dieser Zeit noch klein und die Situation spitzt sich erst gegen Ende der Schwangerschaft oder nach der Geburt zu.

Wo liegen die Probleme?

Es gibt verschiedene Gründe. Zum einen sind es hormonelle Veränderungen bei der Frau, die sich stärker auf das Zusammenleben auswirken können, als man vielleicht denkt. Zudem stehen werdende Eltern oft unter grossem Druck, wenn sie der Verantwortung, die sie erwartet, entgegenblicken. Bei einigen führt eine Schwangerschaft auch zum Gefühl, eingeschränkt oder gar an die Beziehung gefesselt zu sein. Nicht selten ist auch die Kommunikation der Partner über mögliche Schwierigkeiten ungenügend. War die Schwangerschaft ungewollt, kommen noch weitere mögliche Krisenherde hinzu.

Wie sollte man damit umgehen?

Man sollte auf jeden Fall das Gespräch suchen mit dem Partner oder der Partnerin und über Sorgen und Ängste sprechen. Es hilft auch, mit Leuten aus dem Umfeld zu reden, die schon eine Schwangerschaft erlebt haben. Für Frauen ist die Hebamme eine wichtige Ansprechperson oder der Frauenarzt/die Frauenärztin. Männer bleiben oft allein und flüchten in die Arbeit. Wenn die Situation sehr belastend ist, sollte man sich professionelle Hilfe holen.

Meistert die Mehrheit der Paare die Kinder-Krise oder ist es für viele der Anfang vom Ende?

Die meisten schaffen die Schwangerschaft. Viele Paare wachsen an dieser Erfahrung aber einige trennen sich bereits in dieser Phase.

Wie lange dauert es, bis sich entscheidet, in welche Richtung die Beziehung geht?

Eindeutig kann man das nicht sagen. Das erste Jahr als Familie mit einem Baby und insbesondere die erste Zeit nach der Geburt bergen grosse Herausforderungen, die eine Beziehung auf die Probe stellen. Die Sexualität verändert sich, es stehen schlaflose Nächte an, das Baby muss gestillt werden, die Rituale zwischen den Partner gehen unter, es gibt Unsicherheiten in Bezug auf wirtschaftliche Faktoren, und vieles mehr.

Ist es bei weiteren Kindern einfacher?

Wer den Übergang von der Zweierbeziehung zur Familie schafft und auch nach zwei Jahren noch zusammen ist, hat gute Chancen, dass es auch weiterhin klappt. Beim zweiten Kind ist man dann schon erprobt. Aber vor Schwierigkeiten und Stolpersteinen ist ein Paar nie gefeit.

Haben Sie auch Erfahrung mit der Herausforderung Schwangerschaft und erstes Kind? Oder gab es in Ihrer Beziehung ganz andere Gründe für die erste grosse Krise? Machen Sie die Umfrage.

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