Aus der Bauzone: Die Krone des Seefelds
Aktualisiert

Aus der BauzoneDie Krone des Seefelds

Wie eine Burg thront das Haus über dem Rebberg am Burghölzlihügel, hoch über dem Zürcher Seefeld.

von
Lorenzo Petrò
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Versteckt hinter Bäumen, oberhalb des Zürcher Seefelds steht das Wohnhaus, in dem ursprünglich auch eine Wirtschaft beheimatet war.

Versteckt hinter Bäumen, oberhalb des Zürcher Seefelds steht das Wohnhaus, in dem ursprünglich auch eine Wirtschaft beheimatet war.

Das Castel del Monte in Italien wurde nie beendet: Es fehlen einzelne Mauern, Innenausbau gibt es praktisch keinen. Trotzdem ein beeindruckendes Bauwerk.

Das Castel del Monte in Italien wurde nie beendet: Es fehlen einzelne Mauern, Innenausbau gibt es praktisch keinen. Trotzdem ein beeindruckendes Bauwerk.

Der Turm der Winde in Athen ist eines der am besten erhaltenen Bauwerke der Antike - und achteckig.

Der Turm der Winde in Athen ist eines der am besten erhaltenen Bauwerke der Antike - und achteckig.

Tagesanzeiger

Ein merkwürdiger Würfel aus Stein, auf der Dachterasse ein achteckiges Turmzimmer. Conrad Steffan, der das Wohnhaus mit Wirtschaft 1843 erbauen liess, muss die grossartige Aussicht gefallen haben. Freude hatte er wohl auch an grosser Architektur. Das Achteck findet nämlich immer dann Verwendung, wenn etwas Bedeutendes gesagt werden will. Der Turm der Winde in Athen, der älteste bekannte oktogonale Bau, war diesbezüglich noch bescheiden: eine antike Wetterstation, aber immerhin das besterhaltene antike Bauwerk der Stadt. Weniger bescheiden der Felsendom in Jerusalem oder die Kuppel der Basilica di San Lorenzo, der grössten Kirche von Florenz.

Italianità über dem Zürcher Seefeld

Etwas Italianità brachte dieser Herr Steffan also nach Zürich. Ob er auch zur Überschwänglichkeit neigte, was sein Budget betrifft, ist nicht überliefert. Nur, dass bereits 1848 ein Verwandter das Haus übernahm. Und dass 1862 – inzwischen stand auf dem Hügel auch die «Irrenanstalt Burghölzli» – diese die Stephansburg kaufte. Mit dem Ausschweifenden war es indes noch nicht vorbei: 1879 sah sich die Spitalleitung genötigt, den Wirt zu entlassen und das zum Bordell verkommene Gasthaus zu schliessen. Man brachte darin «ruhige, meist ältere Patientinnen unter, die (…) aber kaum die herrliche Lage zu geniessen imstande waren», schreibt Albert Furrer, 1923 in der «Schweizerischen pädagogischen Zeitschrift».

Burghölzlileiter Eugen Bleuler hatte im Gebäude 1920 nämlich provisorisch eine Station «zur Beobachtung und Behandlung psychisch oder nervös kranker Kinder» eingerichtet. Das Haus war bald zu klein für die vielen kleinen Patienten mit «schweren Aufmerksamkeitsstörungen». 1944 wurde die Abteilung ins Kinderheim Brüschhalde in Männedorf integriert, die Stephansburg weiter als Personalhaus genutzt.

Wer achteckig baut, hat Grosses im Sinn

Apropos Burg: Den wohl berühmtesten achteckige Bau hat Friedrich II. errichtet. Ein rätselhaftes Schloss aus hellgelbem Kalkstein, das Forscher zu verstiegenen Theorien verleitet: das Castel del Monte, die «Steinerne Krone Apuliens». In der geometrischen Formelsprache soll der letzte Kaiser der Stauffer, vom Papst exkommuniziert und als «Bestie der Johannes-Apokalypse» bezeichnet, allerlei Hinweise auf andere wichtige Orte und Bauwerke versteckt haben: auf Chartres und die Kathedrale Notre-Dame, auf den Felsendom.

Die Forscher wollen im Grundriss gar ein Abbild der Cheops-Pyramide erkannt haben – samt Angaben über die Lage der bis heute unentdeckten verborgenen Kammer des Pharaos.

Dieser Artikel erschien im «Tages-Anzeiger» im Rahmen der Serie «Aus der Bauzone».

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