28.03.2019 19:27

Brunaupark Zürich

«Die Kündigungen haben Ängste ausgelöst»

Fast alle Gebäude des Brunauparks lässt die Pensionskasse der Credit Suisse abreissen. Das sagen die Verantwortlichen zu den Plänen.

von
wed
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Bis 2026 sollen im Brunaupark in Zürich-Wiedikon knapp 500 Wohnungen entstehen. Das sind fast doppelt so viele wie bisher.

Bis 2026 sollen im Brunaupark in Zürich-Wiedikon knapp 500 Wohnungen entstehen. Das sind fast doppelt so viele wie bisher.

Brunaupark
Die Pensionskasse der Credit Suisse Group (Schweiz) ist für die Neugestaltung des Brunaupark-Areals verantwortlich.

Die Pensionskasse der Credit Suisse Group (Schweiz) ist für die Neugestaltung des Brunaupark-Areals verantwortlich.

Brunaupark
Bis zu 35 Meter breite Grün- und Gartenräume mit Plätzen und Wegen sollen neue Verbindungen zum geschützten Naherholungsraum der Allmend Brunau schaffen.

Bis zu 35 Meter breite Grün- und Gartenräume mit Plätzen und Wegen sollen neue Verbindungen zum geschützten Naherholungsraum der Allmend Brunau schaffen.

Brunaupark

Die Credit-Suisse-Pensionskasse will den Brunaupark in Zürich-Wiedikon bis auf ein Gebäude mit 166 Wohnungen abreissen. 239 Wohnungen verschwinden – dafür sollen bis 2026 in zwei Bauetappen 497 neue Wohnungen gebaut werden. Die Ladenflächen von Migros werden ebenfalls komplett erneuert. Die Mieter der 239 Wohnungen hatten am Donnerstagmorgen die Kündigung im Briefkasten.

Beim Zürcher Mieterverband ist man empört über dieses Vorgehen. Bezahlbare Wohnungen müssten teuren Neubauwohnungen weichen. «Die Credit Suisse macht hier einen Schnellschuss in Rambo-Manier», sagt Sprecher Walter Angst. Die angekündigten Bauetappen seien in dieser Form gar nicht möglich, da laut Angst total 170 Wohnungen der Überbauung einer Mietzinskontrolle bis 2023 respektive 2026 unterliegen. Heisst: Diese Wohnungen kosten nur so viel, dass die Aufwände gedeckt sind.

Mieterverband fordert Rückzug der Kündigungen

«Der Stadtrat hat am Mittwoch entschieden, an dieser Mietzinskontrolle festzuhalten», so Angst. Der Mieterverband fordere den Rückzug der ausgesprochenen Kündigungen und einen runden Tisch mit der CS-Pensionskasse, der Stadt und der Interessengemeinschaft Leben im Brunaupark. «Grossbauvorhaben in diesem Umfang sind keine rein private Angelegenheit der Investoren mehr, hier muss auch die Politik mitreden.»

Bei der Credit-Suisse-Pensionskasse signalisiert man Gesprächsbereitschaft. «Die Stadt Zürich ist zwar seit Beginn der Planung involviert und entsprechende Dokumente sind bereits unterschrieben, aber wir sind offen für neue Gespräche», sagt Jann Lyss, Leiter Immobilien der Credit-Suisse-Pensionskasse. Für das vorzeitige Ende der Mietzinskontrolle habe man der Stadt 16 Wohnungen in der neuen Überbauung angeboten über eine Laufzeit von 20 Jahren – das ist laut Lyss knapp 30 Prozent mehr, als zur Erfüllung des Vertrages notwendig sind.

Das Sozialdepartement hätte über diese Wohnungen frei verfügen können. «Aber sonst können wir diese Vereinbarung bis 2026 auslaufen lassen und die zweite Bauetappe allenfalls entsprechend anpassen.»

«Die Preise werden fair sein»

Guido Bächli, Anlageverantwortlicher der CS-Pensionskasse, betont, dass es sich hier nicht um eine Luxusüberbauung handele: «Für die Lage, den Ausbaustandard und die Grösse werden die Preise fair und im mittleren Preissegment sein.» Geplant sind Monatsmieten in der Höhe von 2200 bis 2650 Franken für 3,5-Zimmer-Wohnungen und 2750 bis 3200 Franken für 4,5-Zimmer-Wohnungen. Damit sei man rund 30 Prozent teurer als bei den aktuellen Mieten.

«Es ist nicht im Sinn unserer Versicherten, Wohnraum unterhalb der orts- und quartierüblichen Konditionen zu vermieten», so Bächli. Mit rund 17 Milliarden Franken in der Pensionskasse habe man eine enorme Verpflichtung gegenüber den einzahlenden Personen. «Wir sind uns aber auch der Verantwortung gegenüber den aktuellen Mietern bewusst», sagt Bächli. Darum habe man nun zu einem frühen Zeitpunkt Kündigungen ausgesprochen und diverse Massnahmen zur Unterstützung der aktuellen Mieter getroffen.

Massnahmen zur Unterstützung der Mieter

Wincasa ist der Immobilienbewirtschafter des Brunauparks. Laut Sandra Rüther, Filialleiterin Zürich, hat man seit Donnerstagmorgen eine Hotline für Brunaupark-Bewohner eingerichtet, hilft beim Finden von neuen Wohnungen, und für Mieter über 65 Jahre sei auch eine regelmässige Sprechstunde geplant, wo auch eine auf Altersfragen spezialisierte unabhängige Beraterin dabei sein werde. «Es ist klar, dass durch die Kündigung auch Ängste bei den Mietern ausgelöst wurden. Mit unseren Massnahmen wollen wir die Mieter bestmöglich unterstützen», so Rüther.

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