Kostspielige Videos: «Die Kulturszene und Berset feiern sich selber»

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Kostspielige Videos«Die Kulturszene und Berset feiern sich selber»

Die teuren Filmbeiträge zu Preisverleihungen im Kulturbereich sorgen für Zoff. Soll man Mittel streichen, oder sind sie wichtig für die Kulturvermittlung?

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Das Bundesamt für Kultur (BAK) finanziert mit mehreren 10'000 Franken Videos zu Kulturpreis-Gewinnern, die sich online fast keiner anschaut. Zudem gibt der Bund viel Geld für repräsentative Preisverleihungen mit Auftritten von Kulturminister Alain Berset (SP) aus.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) finanziert mit mehreren 10'000 Franken Videos zu Kulturpreis-Gewinnern, die sich online fast keiner anschaut. Zudem gibt der Bund viel Geld für repräsentative Preisverleihungen mit Auftritten von Kulturminister Alain Berset (SP) aus.

Keystone/Martial Trezzini
Vom Budget von jährlich 5 Millionen Franken frisst dies laut dem «Tages-Anzeiger» die Hälfte auf. Das sorgt für rote Köpfe in der Politik.

Vom Budget von jährlich 5 Millionen Franken frisst dies laut dem «Tages-Anzeiger» die Hälfte auf. Das sorgt für rote Köpfe in der Politik.

Keystone/Martial Trezzini
«Diese Zahlen beweisen wieder einmal, dass es sich die Kulturszene am liebsten bei pompösen Anlässen selber feiert und nicht gross auf die Kosten achtet. Auch Bundesrat Berset geniesst doch diese Auftritte und lässt sich feiern», sagt SVP-Nationalrat Peter Keller.

«Diese Zahlen beweisen wieder einmal, dass es sich die Kulturszene am liebsten bei pompösen Anlässen selber feiert und nicht gross auf die Kosten achtet. Auch Bundesrat Berset geniesst doch diese Auftritte und lässt sich feiern», sagt SVP-Nationalrat Peter Keller.

Keystone/Peter Schneider

Das Bundesamt für Kultur (BAK) finanziert mit mehreren 10'000 Franken Videos zu Kulturpreis-Gewinnern, die sich online fast keiner anschaut. Produziert wurden diese aufwändig, das Berliner PR-Büro beschäftigte eine ganze Filmcrew plus Übersetzer. Zudem gibt der Bund viel Geld für repräsentative Preisverleihungen mit Auftritten von Kulturminister Alain Berset (SP) aus. Vom Budget von jährlich 5 Millionen Franken frisst dies laut dem «Tages-Anzeiger» die Hälfte auf. Das sorgt für rote Köpfe in der Politik.

«Diese Zahlen beweisen wieder einmal, dass sich die Kulturszene am liebsten bei pompösen Anlässen selber feiert und nicht gross auf die Kosten achtet. Auch Bundesrat Berset geniesst diese Auftritte und lässt sich feiern», sagt SVP-Nationalrat Peter Keller. «Die wenigen Klicks auf die Videos kommen wahrscheinlich von den BAK-Angestellten selber.»

«Offenbar gibt es einen Überschuss an Mitteln»

Die Show sei für die Kulturschaffenden so wichtig wie das Kunstwerk selber, die Kosten für das Rundherum würden die Preisgelder teils bei weitem übersteigen. Das führe dazu, dass die Subventionen nicht den Künstlern, sondern den Kulturfunktionären und Verwaltern zugutekämen.

«Offenbar gibt es einen Überschuss an Mitteln, der dann für solche Projekte verwendet werden kann», meint Keller. Er schlägt vor, die Mittel für die Kulturförderung deutlich zu senken. «Dann bezahlt der Bund nur noch, was wirklich notwendig ist, die unnötige Inszenierung wird nicht mehr subventioniert.»

SP-Nationalrat Matthias Aebischer lässt die Kritik nicht gelten: «Keller und die SVP wollen Milliarden in Kampfjets investieren, aber 5 Millionen Franken, mit denen Schweizer Kulturschaffende unterstützt werden, sind zu viel? Das verstehe ich nicht.» Auch er sei für den effizienten Einsatz von Steuergeldern, aber es sei eben nicht bei jedem Projekt absehbar, ob es ein Erfolg werde. «Gerade im kreativen Bereich soll man aber ausprobieren dürfen, wenn es funktioniert, soll man es weiterführen – sonst nicht.»

«Der würdige Rahmen schafft Aufmerksamkeit»

Auch Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte, wurde vom Bund prämiert und in einem Video porträtiert. Er verteidigt das Vorgehen des Bundes. «Das Online-Publikum ist nur eines von vielen, der Film wurde auch bei der Preisverleihung und bei der Ausstellung gezeigt.» Die Videos würden auch einen Archiv-Zweck erfüllen. Und: «Sie werden von jungen Filmschaffenden gedreht. Das ist auch eine Förderung des hiesigen Filmschaffens.»

Auch die aufwändigen Preisverleihungen mit Auftritten von Berset haben für Ursprung ihren Sinn. «Der würdige Rahmen schafft Aufmerksamkeit im In- und Ausland für unser Schaffen.» Man werde so für kulturell Interessierte sichtbar, könne seine Arbeit der Bevölkerung näherbringen und Aufträge oder Sammler finden. «Früher wurden die Preisgelder quasi im stillen Kämmerlein im Stile eines Stipendiums vergeben, und keiner hat es mitbekommen. Das heutige Vorgehen ist sicherlich wirksamer, sowohl symbolisch wie auch ökonomisch.»

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