15.06.2020 15:49

Einkaufstourismus«Die Kunden holen bis zu 70 Pakete ab»

An deutschen Paketstationen stehen Schweizer Kunden seit Montag Schlange, um ihre Bestellungen abzuholen. Weil viele ihre Dutzenden Päckli abholen, fahren sie gleich mit einem Transporter vor.

von
Fabian Pöschl
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Seit Montag ist der Einkaufstourismus in Deutschland wieder erlaubt.

Seit Montag ist der Einkaufstourismus in Deutschland wieder erlaubt.

Paketdepot Lörrach
Seither stehen die Leute Schlange vor den Päcklistationen wie bei der deutschen Lieferadresse Las-Burg bei Weil am Rhein. Sie alle holen dort ihre Pakete ab, die sie sich nach Deutschland bestellt haben, wie Leserreporter berichten.

Seither stehen die Leute Schlange vor den Päcklistationen wie bei der deutschen Lieferadresse Las-Burg bei Weil am Rhein. Sie alle holen dort ihre Pakete ab, die sie sich nach Deutschland bestellt haben, wie Leserreporter berichten.

Leser-Reporter
Manche Kunden warten über eine Stunde in der Warteschlange auf ihre Pakete.

Manche Kunden warten über eine Stunde in der Warteschlange auf ihre Pakete.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Seit Montag ist der Einkaufstourismus in Deutschland wieder erlaubt.
  • Nun wollen zahlreiche Kunden die an deutsche Paketstationen gelieferte Ware abholen.
  • Die Paketstationen verdoppeln die Anzahl Mitarbeiter vor Ort, um den Ansturm bewältigen zu können.

Seit der Grenzöffnung am Montag stehen die Leute Schlange vor den Päcklistationen im grenznahen Deutschland. Jeder will seine Bestellung abholen, auf die er während der Corona-Krise warten musste. Mittendrin stand auch Leserreporter Stefan*, um seine im Februar und März bestellten Haushaltsgeräte an der Paketstation in Weil am Rhein abzuholen.

Stefan traf etwa 20 Minuten vor Öffnung des Lagers ein, wo bereits 70 weitere Kunden angestanden sind. «Ich habe über eine Stunde gewartet, bis ich meine zehn Pakete abholen konnte», sagt er zu 20 Minuten. Viele hätten eine lange Anreise in Kauf genommen. «Ich sah diverse Autokennzeichen aus Bern», so Stefan.

Ebenfalls eine Stunde in der Paketstation in Weil am Rhein wartete Leserreporter Bora* auf seine Amazon-Pakete. Doch trotz der langen Schlange und einer «streng kontrollierten Maskenpflicht» blieben alle Kunden «ruhig und geduldig», so Bora.

«Die Familienangehörigen nahmen Urlaub, um auszuhelfen»

Bei der Firma MyPaketshop in Bad Säckingen messe die Warteschlange etwa hundert Meter, sagt Inhaber Simon Kühn auf Anfrage. Allein in den ersten zwei Stunden seit Öffnung hätten die Kunden 1000 Pakete abgeholt, was der Frequenz eines normalen Tages entspreche.

Kühn geht davon aus, dass die Kundenfrequenz auch in den nächsten Tagen hoch bleibt. «Die Parkplätze sind ununterbrochen besetzt», sagt er. Etliche Kunden kämen mehrmals oder sogar mit dem Transporter vorbei, um bis zu 70 Pakete abzuholen.

Die Anzahl der Mitarbeiter vor Ort verdoppelte Kühn auf teilweise bis zu 20. «Die Mitarbeiter machen Überstunden, und meine Familienangehörigen nahmen Urlaub, um zu helfen», so Kühn.

50 Prozent mehr Pakete als üblich

Bei MyPaketshop warten noch rund 15’000 Pakete auf die hauptsächlich aus der Schweiz stammenden Kunden. Das seien knapp 50 Prozent mehr Pakete als sonst üblich. «Glücklicherweise haben wir im Dezember unsere Lagerfläche mehr als verdoppelt», sagt Kühn. Deshalb sei noch etwas Platz vorrätig.

Bei lange lagernden und verderblichen Waren wie «HelloFresh»-Boxen habe MyPaketshop beim Kunden nachgefragt, ob man das Paket an den Versender zurückschicken könne. Zudem hätten sich auch einige Kunden nach ihrer verderblichen Ware erkundigt.

Trotz der Euphorie über den wiedererlaubten Einkaufstorismus, in Baden-Württemberg gilt weiterhin die Schutzmaskenpflicht. Die meisten Kunden würden sich daran halten. Als weitere Präventionsmassnahmen liess Kühn Desinfektionsmittel aufhängen. Zudem lässt er nur drei Kunden gleichzeitig ins Geschäft. Damit die Kunden trotzdem nicht allzu lange warten müssten, würden die Mitarbeiter die Abholnummern von Kunden in der Warteschlange holen und die Pakete für sie vorbereiten.

«Der Ansturm wird auch in den nächsten Tagen anhalten»

Auch bei der Firma Europaketshop erleben die Mitarbeiter einen «grossen Ansturm, der auch in den nächsten Tagen anhalten wird», wie Geschäftsleiter Fuat Bulut zu 20 Minuten sagt. Derzeit seien über 25’000 Pakete an Lager, Kapazität für weitere Pakete sei aber noch vorhanden.

Die Firma Swiss Paket wies ihre Kunden darauf hin, nicht gleich in der ersten Woche nach Öffnung vorbeizukommen. Trotzdem erwartet Geschäftsführer Michael Hofmann einen «enormen Ansturm in den Filialen, die zu entsprechenden Wartezeiten führen», wie er zu 20 Minuten sagt. Deshalb seien derzeit alle Mitarbeiter im Einsatz.

Beim Paketdepot Lörrach «ist der Teufel los», sagt Inhaber Edgar Geiger zu 20 Minuten. «An Weihnachten haben wir um die 7000 Pakete, nun haben wir 15’000 an Lager», so Geiger. Deshalb habe die Firma zusätzliche Regale montiert und ein externes Lager angemietet. Noch mehr los werde nächsten Samstag sein. Viele Kunden hätten angerufen und gesagt, dass sie nicht mit dem ersten Ansturm kommen werden.

* Namen geändert

Wegen Corona-Krise

Deutsche Händler vermissen Schweizer

Schweizer Einkaufstouristen fehlen den Händlern in Süddeutschland. Im Lebensmitteleinzelhandel seien Umsatzrückgänge zwischen 30 und 60 Prozent festgestellt worden, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, Claudius Marx.

Laut einer Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg hat knapp ein Viertel aller Händler im Land sogar einen Rückgang von bis zu 80 Prozent verzeichnet.

Schliesslich geben Schweizer Kunden ziemlich viel Geld in Deutschland aus: 2019 haben sie in den Landkreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz für rund 1,5 Milliarden Euro eingekauft.

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432 Kommentare
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Controller

16.06.2020, 23:10

Wieso wurden beim Artikel SRF/Köppel die Kommentare einfach gestrichen? Nur weil Köppel einseitig gelobt wurde. TA MEDIA Frechheit vom Feinsten.

ti

16.06.2020, 18:53

Hochpreisinsel Schweiz sei dank! Kein Wunder wenn in der Schweiz alles ein mehrfaches Kostet.

isa

16.06.2020, 18:13

Geld in der Schweiz verdienen und im Ausland wo s billiger ist ausgeben . Aber dann geht doch auch im Ausland arbeiten . Andere wären dankbar für den Job und gäben das Geld dort aus wo sie es verdienen !