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Die Kunst des Abschaltens

Woche für Woche erlebten Herr und Frau Schweizer diesen Sommer zuhause auf dem Sofa eine neue TV-Kiste. Viel los also am Leutschenbach. Allein: Warum ist der Gähn-Faktor bei SF trotzdem immer noch so hoch?

«Wir wollen kein Finken-Fernsehen sein» - mit diesem Satz übernahm die 46-Jährige Anfang 2004 die Leitung von SF. Im 2007 hat sie sich von den letzten Hausschuhen getrennt: «Lüthi & Blanc», «Quer» sowie «MTW» sind von der Mattscheibe verschwunden. Mit «Start up», «Einstein», «Zart oder Bart?», «SF bi de Lüt» und «Leben live» lässt sie nun das produzieren, was sie offenbar für weniger flauschig hält.

Deltenre gab sich und ihren 1200 Mitarbeitern sportliche Vorgaben. Bei der Präsentation des SF-Leitbildes im vergangenen September wurde gar die Quadratur des Kreises angekündigt: «Wir wollen Quote und Qualität» - erklärte die Direktorin. Nur drei Monate später sah sie sich am Ziel: «Ich bin der Ansicht, dass wir zurzeit das beste Fernsehprogramm im gesamten deutschsprachigen Raum machen», lobte sich Ingrid Deltenre gegenüber der «Aargauer Zeitung» vergangenen Dezember.

Quote und Qualität: Über Letzteres lässt sich streiten, die Quote hingegen ist messbar. Und es sieht wenig rosig aus für die Programmverantwortliche. Ihre neuen Formate schiffen gleich reihenweise ab. Keine neue Sendung bringt die Zahlen des abgelösten Vorgängerformats.

Der «Samschtig Jass» ist und bleibt allen Neuerungen zum Trotz der Quotenkönig im SF Unterhaltungsprogramm. Auch die Macher der eigenproduzierten Sendungen wie «Happy Day» oder «Zart oder Bart?» können von einem 50-prozentigem Marktanteil, wie er lange als Massstab galt, nur träumen. (Genaue Quoten siehe Diashow).

Das beste deutschsprachige Fernsehen, aber keiner guckt hin? Deltenre pfeifft inzwischen scheinbar auf die Quoten und wischt die Nörgelei an ihrem Programm weg: «Die Kritik stammt oft von ein paar wenigen Medienschaffenden, die einander abschreiben», erklärt sie in der «Weltwoche». Beunruhigen lässt sie sich dadurch nicht. «Das Jahr der Wahrheit wird für mich 2009». Dabei hat ihr noch eine anonymer Publikumsrat in der Weltwoche gedroht, dass ein weiterer Flop, wie etwa im Wirtschaftsmagazin «Eco» Konsequenzen haben würde. «Eco» erreichte vergangene Woche einen Marktanteil von 18,8 Prozent.

Wie ist Ihre Reaktion auf die neuen Sendungen von SF? 20minuten.ch nimmt Wunder, wie Sie sich mit dem Schweizer Fernsehen unterhalten fühlen.

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