Aktualisiert 30.11.2011 19:13

Portrait

Die Kunst im Griff

Yves Sinka, 21, und Oskar Weiss, 18, stellen junge Künstler aus. Ihre Galerie steht bei jeder Ausstellung woanders.

von
Miriam Suter
Schon mit 16 Jahren erste Erfahrungen  gesammelt: Yves (l.) und Oskar, Kuratoren.

Schon mit 16 Jahren erste Erfahrungen gesammelt: Yves (l.) und Oskar, Kuratoren.

Mittwochabend im «Henrici» im Zürcher Niederdorf. Das Café ist voll und laut, die Mädchen tragen Dutt, die Jungs Hornbrillen. Auf dem Tisch von Oskar Weiss und Yves Sinka stehen ein

Mojito und ein Whisky. An Letzterem nippt Oskar. Der 18-Jährige wirkt mit seinem Samt-Sakko und dem akkuraten Haarschnitt wie ein Dandy von früher. Yves, 21, kleidet sich leger, weis­ses Hemd und Jeans. Er kommt gerade aus London, wo er am Camberwell College of Arts Fotografie studiert. Auch Oskar hat ein Jahr in London gelebt, wo er mit 16 ein Praktikum in der renommierten Galerie Hauser & Wirth absolvierte. Zusammen haben sie die Kunstszene der Stadt erkundet. «In London gibts Galerien, die aussehen wie Wohnzimmer. Sie tauchen immer wieder an anderen Orten auf. Dort stellen meist junge Künstler aus, und die Leute kommen in Scharen, auch wenn der Raum in der hintersten Ecke der Stadt liegt», erzählt Yves. So kamen sie auf die Idee, auch in Zürich Ausstellungen an wechselnden Orten zu organisieren. «Wir wollen jungen Künstlern, die nur wenig Möglichkeiten haben, eine Plattform geben», erklärt Oskar das Konzept.

Alles selbst gelernt

Eng befreundet ist das Duo erst seit einem Jahr. Zuvor kannten sie sich, wie man sich in Zürich halt so kennt; vom Ausgang an der Langstrasse etwa. Kunst war schon immer die Pas­sion der Kuratoren: Beide haben den Gestalterischen Vorkurs abgeschlossen, und beide bewegen sich schon lange in einem kreativen Umfeld. Yves jobbte vor seinem Studium in der Werbeagentur seines Vaters und hat schon als Teenager viel gezeichnet. Oskar ist der Sohn des Schweizer Künstlers David Weiss, Part des Künstlerduos Fischli/Weiss. Der hat ihm schon viel über Kunst beigebracht, als Oskar noch klein war. Eine Galerie zu leiten oder Ausstellungen zu organisieren, hat Oskar aber on the job gelernt. Da­rauf besteht er.

«Ich kann nicht sagen, welchen Kunststil ich am meisten mag. Ich interessiere mich für alles Mögliche, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wärs wohl der Expressionismus», sagt Yves und nimmt einen Schluck von seinem Mo­jito. Was gute Kunst ist, sehen die beiden unterschiedlich: «Mir ist egal, was für ein Konzept hinter einem Kunstwerk steht. Es muss mich einfach berühren. Mich umhauen, wenn ich davorstehe», sagt Oskar. Yves widerspricht: «Ich habe schon öfter meine Meinung über ein Werk revidiert, als ich wusste, welche Idee dahintersteht. Für mich steht das Visuelle nicht unbedingt im Vordergrund.» Auch wenn die beiden unterschiedliche Zugänge zur Kunst haben, als Kuratorenduo funktionieren sie gut. Ausser, einer hat zu wenig geschlafen – oder zu viel getrunken.

Alle lieben sie

Ihre erste Ausstellung «Eins/1/I» in einer alten Druckerei war ein voller Erfolg. Auch wenn Yves selbstkritisch anmerkt: «Fünf Künstler auf so engem Raum, das war zu viel.» Zur Vernissage

kamen viele Leute aus der Kunstszene, etwa Jacque­line Uhlmann von der Kunstmesse «Liste». Man spricht mit Respekt über die Newcomer. «Ich finde super, was sie machen», lobt Pedro Wirz vom Basler Kuratorenkollektiv The Forever Ending Story die beiden.

Ausstellungen in immer neuen Räumen zu organisieren, bringt Herausforderungen mit sich: «Mal ragt ein Rohr aus der Wand, wo wir's nicht gebrauchen können, und die Deckenhöhen sind auch nicht immer optimal.» Trotzdem wollen sie erst mal keine fixe Galerie eröffnen: «Die Ausstellung soll auch den Raum miteinbeziehen. Darum suchen wir immer neue Orte.» Wie das vegane Restaurant, wo die laufende Ausstellung mit Werken des Zürcher Malers Pat­rick Graf und der aus Taiwan stammenden Künstlerin Tzu-Ting Wang zu sehen ist.

Inzwischen ist es im «Henrici» ruhiger geworden. Die Gläser sind leer. Was nervt die zwei am Schweizer Kunstbetrieb? «Der Perfektionismus. Klar machen wir noch Fehler», sagt Yves. Oskar nickt. «Aber in der Schweizer Szene sollten sich die Leute mehr getrauen, einfach mal zu machen.»

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