Aktualisiert 30.06.2009 11:55

Bilanz Confed-Cup«Die lärmigste WM der Geschichte»

Ist Südafrika für die Fussball-WM 2010 bereit? Nach dem Confederations Cup sind die Meinungen geteilt: Neben Lob für die Fans gibt es Zweifel an Infrastruktur und Sicherheit – und Ärger über die nervtötenden Vuvuzelas.

von
Peter Blunschi

Selbst FIFA-Boss Sepp Blatter, der die Weltmeisterschaft in Südafrika zur Chefsache gemacht hat, konnte ungelöste Probleme in den Bereichen Unterkunft und Transport nicht bestreiten. Dennoch liess Blatter keinen Zweifel daran, dass die Organisatoren beim Confederations Cup aus seiner Sicht den ersten Härtetest bestanden haben. Der Widerspruch blieb nicht aus, vor allem in deutschen Medien.

Für die «Süddeutsche Zeitung» erbrachte das Turnier «keinerlei Aufschlüsse» für die WM, weil es keine ausländischen Besucher gab, «und ohne die halbe Million Gäste, die 2010 erwartet werden, lässt sich eben nicht testen, ob die Organisation klappt». Auch für «Spiegel Online» bleibt die Generalprobe «ein Pröbchen». Die wichtigsten Fragen seien nicht beantwortet worden, vor allem jene nach der Kapazität des auf Taxis und Bussen basierenden Transportsystems und jene nach den fehlenden Unterkünften.

Sicherheit als Hauptproblem

Im Zentrum der Bedenken aber steht das Thema Sicherheit. Obwohl es beim Confed-Cup nur kleinere Zwischenfälle gab, wird unablässig die «Schreckensbilanz» von 50 Morden pro Tag bemüht, und gerne wird der brasilianische Delegationschef Antonio Carlos Nunes de Lima zitiert: «Nach sechs Uhr ist Ausgangssperre. Es ist, als ob ständiger Krieg sei.» Weshalb «Spiegel Online» überzeugt ist: «Sollte 2010 ein Fan, ein Offizieller oder ein Reporter einem Verbrechen zum Opfer fallen, würde Blatter in Bedrängnis geraten.»

Es gibt aber auch freundlichere Stimmen im deutschen Blätterwald. So mahnt die «Welt», trotz aller Probleme «die oft übertriebenen Vorbehalte gegen den Gastgeber nicht weiter zu nähren». Und für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» war der Confed-Cup «ein Sieg auch für Südafrika». Kommod und weitgehend pannenfrei wie in Deutschland 2006 werde die Nachfolge-WM nicht, «dafür eben aufregend afrikanisch». Die Zeitung gibt sich überzeugt, dass die Südafrikaner «gute Gastgeber einer ganz besonderen WM» sein werden.

Vuvuzelas erst einige Jahre alt

Dafür sorgen werden auch die Vuvuzelas, die Plastiktrompeten, deren durchdringender Sound vielen auf die Nerven geht. Einige verlangen ein Verbot, so auch der deutsche Bundestrainer Jogi Löw, «wenn es irgendwie möglich ist». Die FIFA wird dazu kaum Hand bieten, denn ein Verbot wäre «ein Affront gegen den Gastgeber», so die «Welt». Dabei weisen Kenner des afrikanischen Fussballs darauf hin, dass die Vuvuzelas keineswegs zur Tradition gehören, sondern erst einige Jahre alt sind.

Der Fussball-Blogger des britischen «Guardian» etwa nahm an drei Afrika-Cups teil, eine Vuvuzela aber habe er bis vor zwei Wochen «noch nie gehört». Dennoch mahnt er zur Gelassenheit: Die Tröten mögen einem zum Wahnsinn treiben, «aber vermutlich erwähnt man sie am besten überhaupt nicht». Und die französische «Le Monde» zitierte OK-Chef Danny Jordaan, der zum Thema Vuvuzela ironisch bemerkte, die WM 2010 werde «die lärmigste der Geschichte».

Südafrika-Tourismus wirbt bereits mit Ferien abseits von Vuvuzela-Lärm$$VIDEO$$(Video: YouTube)

Wer es selber mal probieren will$$VIDEO$$(Video: YouTube)

So dürfte die WM 2010 in Südafrika für den TV-Zuschauer tönen$$VIDEO$$(Video:YouTube)

$$VIDEO$$(Quelle:YouTube)

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